Vom Eisenrock zum Eisenfass

Schwelm..  Das Eisenwerk wäre nicht geworden, was es war, ohne seinen Gründer August Müller aus Möllenkotten (1817 - 1896). Dieser hatte es als Selfmademan in der Gründerzeit vom einfachen Schlossersohn zum Metall- und Textilfabrikanten und Millionär gebracht.

Zugewandert aus Moers in den 1840ern, gründete August um 1850 eine Firma für „Novitäten“ in Möllenkotten, das waren z.B. Pfeifenstiele, feine Uhrketten und Lorgnonschnüre, Peitschen, Reifröcke (auch genannt Käfig-Crinoline) und Korsettstangen. „August Müller & Co“ aus Möllenkotten lieferte bis nach New York und in viele europäische Länder. Eine „Modewarenfabrik“ (gemäß Schwelmer Adressbuch) mit starkem internationalem Geschäft hätte man aus Möllenkotten wohl eher nicht erwartet.

Mit dem Ziel, jedem seiner vier Söhne eine eigene Fabrik zu hinterlassen, kaufte August 1886 für seinen jüngsten Sohn Albano (1866-1946) das Schwelmer Eisenwerk – damals nur ein kleiner Betrieb mit zwei Werkshallen hinter dem Bahndamm, in dem vor allem schwere Ziegeleimaschinen hergestellt wurden. August benannte nach dem Kauf das Werk um in „Schwelmer Eisenwerk Müller & Co“ und sollte deshalb fortan als „Gründer“ des Schwelmer Eisenwerks gelten.

Sohn Albano übernahm 1890 das Eisenwerk, noch nicht mehr als eine kleine „Quetsche“, und richtete seine erste, unternehmerische Ambition vor allem auf ein neuartiges Produkt, das schon der Vorbesitzer des Eisenwerks Jahre früher nach Deutschland und nach Schwelm geholt hatte: das eiserne Fass. Dieses löste das Holzfass als Transportmittel für Flüssigkeiten ab.

Die ersten Eisenfässer waren aber noch genietet und daher nicht garantiert langfristig dicht. Dann veranlasste noch Eisenwerks-Gründer August Müller den Ankauf eines neuen Patents (1890) aus Sankt Petersburg, nach dem sich Metallbleche erstmals im Lichtbogenverfahren elektrisch schweißen ließen.

Der junge Fabrikchef Albano setzte jetzt höchste Anstrengungen in die Ausarbeitung eines ganz neuen Produktes: des weltersten geschweißten Eisenfasses - und damit des ersten garantiert dauerhaft dichten Transportbehälters für Flüssigkeiten. Ein Großauftrag 1894 über 3000 Fässer von der Königlich Bayerischen Staats-Eisenbahn ließ das Eisenwerk explosionsartig wachsen.