Vom „Big Apple" ab in die Klutertstadt

Ute Lemper beim Classic Open Air
Ute Lemper beim Classic Open Air
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
New York, Rom, Berlin, Buenos Aires ... Ennepetal – Ein Blick auf den Tourplan von Weltstar Ute Lemper hält eine unerwartete Überraschung bereit.

Ennepetal/New York.. „Klack, ratter, ratter, ratter, ratter.“ Es dauert ein wenig, bis die Leitung nach New York aufgebaut ist. Es tutet zweimal. „Ute Lemper.“ Der deutsche Weltstar hat gerade sein Frühstück an der schmucken Upper West Side beendet, während sich in Ennepetal der Arbeitstag bereits dem Ende entgegen neigt. Die deutsche Musical-Darstellerin, Chanson-Sängerin und Schauspielerin ist bestens gelaunt und redet ohne Hemmungen über ihre westfälischen Wurzeln, ein Leben in den Metropolen rund um den Globus und was die Gäste bei ihrem Auftritt am Sonntag, 2. August, im Haus Ennepetal erwartet.


Frage: New York, Rom, Berlin, Buenos Aires, Ennepetal – Ihr aktueller Tourplan hält unerwartete Überraschungen bereit. Was verschlägt Sie in die Kleinstadt?
Ute Lemper: Ich hatte zahlreiche Anfragen aus kleineren Städten in Deutschland. Mein deutscher Agent hat dann einige Termine in Absprache mit mir gebucht. Die ersten dieser Konzerte habe ich bereits gegeben und sie haben mir viel Spaß gemacht. Man ist als Künstler näher an den Leuten.


Kennen Sie Ennepetal denn?
Ganz ehrlich: Ich habe zuvor noch niemals von Ennepetal gehört. Aber – und das ich jetzt nicht nur so daher gesagt – vor allem auf diesen Abend freue ich mich sehr aus zweierlei Gründen.


Welche sind das?
Einerseits bin ich gespannt, wie mein Programm ankommt, denn das ist eigentlich sehr auf das typische Großstadtpublikum ausgelegt. Aber ich glaube, dass wir gemeinsam einen sehr schönen Abend haben werden. Der andere Grund ist meine Familie.


Das heißt konkret?
Ich bin in Münster geboren und werden an diesem Abend die Gelegenheit beim Schopfe packen und meine Eltern besuchen. Meine Verwandtschaft wohnt noch ziemlich komplett in Münster und der weiträumigen Umgebung. Zum Glück sind alle wohlauf. Ich bin ungefähr einmal im Monat in Deutschland und sehe zu, so oft wie möglich zu Hause vorbeizuschauen. Außerdem bin ich mal gespannt, wer so alles nach Ennepetal kommt.


Wie meinen Sie das?
Die Familie Lemper ist sehr groß, in Westfalen sehr verbreitet und alt eingesessen in der Landwirtschaft. Spiele ich in der Nähe, kommen regelmäßig Menschen mit Fotos meines Groß- oder sogar Urgroßvaters auf mich zu und erklären mir unsere Verwandtschaftsverhältnisse.


Zieht es Sie denn zurück in die Heimat?
So gern ich auch wieder in Münster bin, aber ganz klar: nein. Ich bin durch und durch ein Großstadtmensch. New York ist ganz wunderbar.


Sie waren schon in etlichen Metropolen dieser Welt zu Hause, leben aber seit Jahren fest in New York. Was hat den Ausschlag gegeben?
Die Kinder. Wenn man diese Verantwortung trägt, muss man sesshaft sein. Wir haben uns seinerzeit für New York entschieden. Wäre ich gänzlich ungebunden, wäre ich weiterhin ein Globetrotter, hätte sicherlich Wohnungen in Berlin, Paris, London und so weiter.


Berlin ist ein gutes Stichwort. In Ennepetal zeigen Sie ihr Programm „Last Tango in Berlin“. Was erwartet die Gäste an diesem Abend?
Im Großen und Ganzen ist das ein „Best of“ meiner eigenen Musikgeschichte. Die musikalische Reise beginnt in Berlin mit den Liedern von Brecht und Weill, in deren Tradition sie fest verwurzelt ist und führt durch das poetische Universum von Jaques Brel und Edith Piaf bis in die Welt des argentinischen Tangos von Astor Piazzolla. Chansons, Jazz, Tango – das wird eine runde Geschichte.


Wie geeignet ist das Programm für Neueinsteiger in ihre Musik?
Ich glaube, dass dieser Mix alle Generationen anspricht. Er ist unglaublich breit, zeigt mein Schaffen über die Jahrzehnte, ist aber kein Aufguss alter Geschichten. Ich interpretiere neu, das Repertoire bietet viel Platz zur Improvisation, und habe hier die Gelegenheit stimmlich sehr experimentell und abenteuerlich zu Werke gehen zu können. Dabei ist das ganze nicht nur als Reise durch die Zeit zu sehen, sondern auch von einem Ort meines Schaffens zum anderen.


Wie nah werden die Besucher im Haus Ennepetal nach dem Konzert an den Weltstar herankommen?
Wir werden CDs verkaufen, und im Zuge dessen wird es sicherlich auch ein Meet and Greet für Fotos und Autogramme geben können. Ob Zeit für ausgedehnte persönliche Gespräche geben wird, kann ich allerdings nicht versprechen.


„Klack“ das Gespräch ist beendet. Während sich in Ennepetal die Sonne ganz langsam senkt, kümmert sich Ute Lemper am anderen Ende des Atlantiks um die Kinder und das Mittagessen.