Volkschor droht mit 70 Jahren zu verstummen

Der Volkschor, hier bei einem Konzert in der Aula des Reichenbach-Gymnasiums.
Der Volkschor, hier bei einem Konzert in der Aula des Reichenbach-Gymnasiums.
Foto: WR

Ennepetal..  Muss ein noch über 20 Mitglieder starker Chor im Jahr seines 70-jährigen Bestehens aufgeben? Mit großer Wahrscheinlichkeit ja – denn nur ein Sponsor könnte den Volkschor Ennepetal am Leben halten.

Der erfolgreiche Chorleiter Heinz-Martin Schmitz will, wie es Volkschor-Vorsitzender Reinhard Korntheuer sagt, kürzer treten, das heißt, den Volkschor nicht mehr musikalisch leiten. So wird im Frühjahr 2015 eine Jahrzehnte lange vertrauensvolle Partnerschaft enden. „Einen neuen Chorleiter werden wir nicht bezahlen können“, sagt Reinhard Korntheuer. „Herr Schmitz fühlt sich sehr verbunden mit uns und hat uns für einen sehr kleinen finanziellen Beitrag geleitet, so etwas wird wohl kein anderer tun.“

Als Männerchor gegründet

Der Volkschor Ennepetal wurde im Jahre 1945 in Milspe als Männerchor gegründet. Der Zweite Weltkrieg war gerade zu Ende gegangen. Der Hunger war groß, auch nach Kultur. Schon 1947 fand ein großes Konzert mit dem inzwischen gegründeten und verbundenen Frauenchor statt. Wer weiß noch, dass sich 1954 ein Kinderchor hinzu gesellte, der aber nach einigen Jahren wieder aufgelöst wurde? Der Männerchor und der Frauenchor wurden 1962 zum gemischten Volkschor. 1955 gab der Volkschor zum Zehnjährigen ein Konzert mit Werken von Schubert, Schumann und Brahms. Das 25-jährige Bestehen fiel in die Blütezeit des Volkschores. Mit aufgeführten Opernwerken wurde der Chor aus Milspe weit und breit bekannt.

Sängerfamilie ein guter Klangkörper

Das 60-jährige Bestehen des Chores wurde 2005 mit einem großen Konzert begangen. Da stand Heinz-Martin Schmitz schon seit vielen Jahren als Dirigent dem Volkschor vor – erfolgreich und beliebt. Für viele Mitglieder ist der Volkschor mehr als ein Gesangverein. „Wir sind eine Sängerfamilie!“ so sagt es Vorsitzender Korntheuer. Gemeinsam erlebten die Mitglieder gemütliche Abende und Fahrten. Man wanderte und grillte. Reinhard Korntheuer, der vor einigen Jahren das Vorsitzenden-Amt von seiner Frau Angelika übernommen hatte, erinnert im Gespräch mit dieser Zeitung auch an die gute Zeit unter dem Vorsitz von Ilona Ploner. Er nennt auch Edith Samulewitz und Irmtraud Uellendahl, die seit 60 Jahren im Volkschor singen.

Die Sängerfamilie ist in die Jahre gekommen. Die jüngste Frau ist 50 Jahre alt, der jüngste Mann 66 – es ist der Vorsitzende. Dabei ist mit über 20 aktiven Sängerinnen und Sängern noch Staat zu machen. Dass der Chor noch ein guter Klangkörper ist, erlebten die Besucher des Gottesdienstes am dritten Advent in der evangelischen Kirche in Milspe.

Konzert zum Muttertag

Zu Beginn war die Tiroler Volksweise „Jetzt fangen wir zu singen an“ zu hören. Der Ennepetaler Komponist Heinz-Ewald Trust hatte diese Volksweise schon vor einigen Jahren bearbeitet. Als der Volkschor sie in der Kirche sang, war Trust anwesend. Auch er hat eine persönliche Verbindung zu dem Chor. Wenn Heinz-Martin Schmitz einmal verhindert war, übernahm Heinz-Ewald Trust die Leitung der Chorproben. Im Gottesdienst sang der Volkschor unter Leitung von Schmitz noch Advents- und Weihnachtslieder. Pfarrer Achim Härtel predigte.

So ganz ohne Musik wird sich der Volkschor nicht von seinem Publikum verabschieden. „Am 10. Mai geben wir ein Konzert in der Evangelischen Kirche Milsper“, kündigt Vorsitzender Reinhard Korntheuer an. Der 10. Mai ist der Muttertag.