Villa Kunterbunt seit 25 Jahren einzigartig

Beim Bau- und Renovierungstag machten die Eltern mit Hilfe einiger Kinder die Villa Kunterbunt schick für das Jubiläumsfest am Samstag, 20. Juni.
Beim Bau- und Renovierungstag machten die Eltern mit Hilfe einiger Kinder die Villa Kunterbunt schick für das Jubiläumsfest am Samstag, 20. Juni.
Foto: WP

Ennepetal..  Es ist eine für Ennepetal bis heute besondere Einrichtung: die Villa Kunterbunt. Der Kindergarten an der Heilenbecker Straße wird als einziger in der Stadt von einem Elternverein getragen. Vor 25 Jahren wurde das Haus eröffnet. Das wird am kommenden Samstag, 20. Juni, groß gefeiert.

Ihrem Namen macht die Villa Kunterbunt unübersehbar Ehre: Das Haus lässt leicht Gedanken an das berühmte Heim von Pippi Langstrumpf aufkommen. Das stand natürlich Pate, als die Betreiber für ihren Kindergarten einen Namen suchten. Begonnen hat die Geschichte der Villa Kunterbunt im März 1988. Damals fand die Gründungsversammlung statt. „Acht befreundete Familien waren dabei“, erklärt Sigrid Schmidt, Mitinitiatorin, langjährige Vorsitzende des Elternvereins und seit fünf Jahren Leiterin der Einrichtung. Die beteiligten Eltern hatten sich einen Kindergarten gewünscht, in dem sie sich über das über das sonst übliche Maß hinaus mit viel Eigeninitiative an der pädagogischen und organisatorischen Arbeit beteiligen können.

Nach dem Beschluss dauerte es noch zweieinhalb Jahre, bis der Weg durch die Institutionen durchschritten und Landesjugendamt, das örtliche Jugendamt und der Jugendhilfeausschuss ihre Zustimmung gegeben hatten. Erzieher und Räume mussten gesucht werden. Zunächst fand die Elterninitiative ein geeignetes Haus in Voerde-Nord, doch der Eigentümer zog kurz vor dem Abschluss sein Vermietungsangebot zurück. „Das hat zu einer Krise im Verein geführt“, meint Sigrid Schmidt. Einige Eltern bezweifelten, noch ein Gebäude zu finden.

„Durch Zufall haben wir dann dieses Objekt gefunden und gemietet“, erklärt die Leiterin. Mehr als 100 Jahre ist das denkmalgeschützte Haus alt, durch seine Architektur und Merkmale wie die Stuckdecken hat es einen besonderen Charakter.

„Den Namen Villa Kunterbunt hatten wir aber schon vorher ausgesucht“, meint Sigrid Schmidt. Nicht zuletzt orientiert sich der Elternverein an Astrid Lindgrens Worten: „Kinder sollten mehr spielen, als es viele Kinder heute tun. Denn wenn man genügend spielt, solange man klein ist, trägt man Schätze mit sich herum, aus denen man später sein Leben lang schöpfen kann.“

Am 1. Oktober 1990 eröffnete die Villa Kunterbunt mit 20 Kindern. Die Gruppenstärke ist bis heute gleich geblieben. Von Anfang an besuchten auch Kinder mit Behinderungen die Einrichtung. Eine der Mitbegründerinnen hatte eine schwerstbehinderte Tochter, so bemühten sich die Eltern, integrativ arbeiten zu können. Maximal drei behinderte Kinder können in der Villa Kunterbunt betreut werden.

Wesentliche Grundlage der Arbeit ist die Einbeziehung der Eltern. Wer sein Kind anmeldet, verpflichtet sich zur Mithilfe. Koch- und Putzdienste sind zu übernehmen, ebenso pädagogische Dienste, wie die Begleitung zum Schwimmen oder von Aktionen in der Turnhalle und im Wald. Befreit von Diensten ist jeweils der Vorsitzende des Elternvereins. Zurzeit hat Dominik Münter dieses Amt inne. Zudem zahlen die Eltern 15 Euro pro Kind im Monat mehr als an anderen Kindergärten. Hinzu kommen 20 Euro Jahresbeitrag für jedes Vereinsmitglied.

Eltern werden stark eingebunden

Darüber hinaus erhält die Villa Kunterbunt Zuschüsse von Stadt und Land wie alle anderen Einrichtungen auch. Drei fest angestellte Erzieherinnen, darunter die Leiterin Sigrid Schmidt, sowie eine Jahrespraktikantin in Vollzeit kümmern sich um die Kinder. In der Küche kümmert sich eine Mutter oder ein Vater um das Essen. Die Kinder werden bei der Zubereitung auch einbezogen, auf dem Speiseplan steht Vollwertkost.

Im Hinblick auf das pädagogische Konzept erklärt Sigrid Schmidt, dass sich die Villa Kunterbunt anfangs ein wenig am Waldorf-Konzept orientiert habe. Auch die damals schon existierende „Lokomotive“ in Schwelm, ein ebenfalls von Eltern getragener Kindergarten, diente als Vorbild. Sigrid Schmidts Tochter Ann-Kathrin hatte damals ein Jahr lang die „Lokomotive“ besucht, bevor sie nach Eröffnung in die Villa Kunterbunt wechselte.

„Wir wollten nicht nur in eine Richtung gehen“, erklärt Sigrid Schmidt, dass das Konzept auf verschiedenen Säulen fußt. Die ausgiebige Beschäftigung mit der Natur ist ein Schwerpunkt.

Auch der musisch-künstlerische Bereich spielt eine große Rolle. Zudem ist der Ansatz, dass die Ideen und Vorschläge der Kinder aufgegriffen werden sollen. Im übrigen gibt es in der Villa Kunterbunt neben dem integrativen Ansatz seit einigen Jahren auch U3-Betreuung.

Kunterbunt soll es am Samstag bei der Jubiläumsfeier zugehen. Dann werden auch viele Ehemalige erwartet, die die für Ennepetal bis heute einzigartige Einrichtung im Laufe der 25 Jahre besucht haben.

INFO:

Die Villa Kunterbunt lädt für kommenden Samstag, 20. Juni, zur Feier des 25-jährigen Bestehens ein. Ab 14 Uhr wird im und am Haus an der Heilenbecker Straße 103 ein buntes Programm geboten: Ponyreiten (15 bis 17 Uhr), eine Zaubershow (16 bis 16.45 Uhr), Kinderschminken, ein Spiel-Parcours mit Fühlboxen, Dosenwerfen und Entenangeln, eine Matschanlage und Goldschürfen sowie ein reichhaltiges Büffet, Gegrilltes und Getränke gehören dazu. Auch eine Fotogalerie mit Gruppenfotos der vergangenen 25 Jahre wird zu sehen sein.

Ab 17.15 Uhr wird zudem ein besonderes Duo für Musik sorgen. Jörg Müller, einst Sänger der über die Region hinaus bekannten Bluesrock-Band „Bullfrog“, tritt mit seiner Tochter Sophia auf, die die Villa Kunterbunt besuchte.

Der Kindergarten sammelt zurzeit für eine neue Küche. Die Sparkasse sowie die Firmen Siegfried Jacob und Kreutz haben bereits eine Spende beigesteuert. Auch die Spende der Kolpingsfamilien aus dem Erlös der Altkleidersammlungen wird dafür verwendet.

Mehr über die Einrichtung: www.villa-kunterbunt-en.de