VGS Königsfeld war nie in Insolvenzgefahr

Sabina Hiby (links) und Dr. Luzia Grommes.
Sabina Hiby (links) und Dr. Luzia Grommes.
Foto: WP

Ennepetal.. Der VGS Königsfeld droht im Chaos zu versinken. Der Vorstand ist in zwei Lager gespalten – auf der einen Seite Dr. Luzia Grommes und Sabina Hiby, auf der anderen Dr. Ulrich Müschenborn und Rainer Plücker. Wirtschaftsexperten und Gerichte sind damit befasst, das Durcheinander zu entwirren, das seinen Anfang im Juli nahm, als Müschenborn und Plücker Vorwürfe gegen Grommes und Hiby erhoben. Nun beziehen die Frauen, die seit Jahren die Geschicke des Vereins leiten, Stellung.

Wahlen unrechtmäßig

Was bisher geschah: Am 16. Juni konnten sich die vier Vorstände nicht auf den Termin der Jahreshauptversammlung einigen. Die Herren wollten auf den 10. Juli vorziehen, die Damen am 22. September festhalten. Patt. Beide Einladungen gingen an die Mitglieder. Die Juli-Versammlung fand statt. Eva Dopke übernahm den Vorsitz von Dr. Grommes, Ulrich Voelzke die Stellvertretung von Sabina Hiby. Dr. Ulrich Müschenborn führte dort aus, dass die Frauen sich selbst gut dotierte Arbeitsverträge unterzeichnet hätten, der Verein handlungsunfähig sei und kurz vor der Insolvenz stehe.

„Unmittelbar danach hatten wir die Kündigungen auf dem Tisch liegen“, sagt Dr. Luzia Grommes, die sämtliche Vorwürfe als haltlos ansieht. Mittlerweile ist gerichtlich festgestellt worden, dass die von Müschenborn und Plücker einberufene Versammlung rechtswidrig war. Somit ist auch der neue Vorstand Makulatur, das alte – zerstrittene – Team steht bis zur rechtmäßig einberufenen Jahreshauptversammlung in der Verantwortung.

47 000 Euro Bruttoarbeitslohn

Doch wohin führt der Weg des VGS? „Wenn das, was Dr. Müschenborn behauptet, stimmen würde, wäre das tatsächlich katastrophal“, sagt Sabina Hiby. Allerdings sei die Faktenlage eine andere. „Wir sind seit 2002 angestellt und arbeiten in der Geschäftsstelle mit“, sagt Grommes. Zudem haben die Frauen per einheitlichem Vorstandsbeschluss seit November 2013 alle Tätigkeiten der Geschäftsführung zusätzlich übernommen. Sie legen Wert darauf, „dass wir unser monatliches Gehalt niemals für unsere ehrenamtliche Vorstandsarbeit bekommen haben.“ Die Stundenzahl sei konstant geblieben: 14 Wochenstunden für Dr. Luzia Grommes 15 Stunden für Sabina Hiby. Das ergibt in der Summe für Geschäftsstellentätigkeit im Jahr 2013 etwa 23 000 Euro für Dr. Luzia Grommes und etwa 24 000 Euro für Sabina Hiby. „Das sind 47 000 Euro Bruttoarbeitslohn für uns beide und nicht 110 000 Euro wie zu Unrecht von Herrn Müschenborn behauptet“, ereifern sie sich. Auch den Vorwurf, den Verein in die Nähe der Insolvenz geführt zu haben, wollen sie nicht auf sich sitzen lassen.

In der Tat ergeben E-Mail-Verkehr und Protokolle von Vorstandssitzungen, Korrespondenzen mit Wirtschaftsprüfern und Steuerberatern sowie Kontoauszüge ein anderes Bild. Bereits Anfang des Jahres war es um die Liquidität nicht gut bestellt. Ein Grund: Bis heute sind etwa 95 000 Euro, die dem VGS zustehen, nicht komplett mit den Krankenkassen abgerechnet worden. Ein dicker Brocken im Haushalt von weniger als einer halben Million Euro. Zusätzliche Ausgaben kamen 2013 auf den Verein zu, weil die Personalkosten für die Übungsleiter planmäßig nach acht Jahren und mit Zustimmung des Vorstands angestiegen waren. „Wir haben das Problem erkannt und reagiert“, sagt Sabina Hiby. Am 8. Januar sandten sie eine E-Mail an Rainer Plücker inklusive einer Ideensammlung, der Finanzlage Herr zu werden. Am 6. Februar stand dieses Thema auf der Tagesordnung der Vorstandssitzung. „Zu der erschien Dr. Müschenborn, wie öfters, nicht. Er wurde am 11. Februar per Protokoll informiert. Eine Reaktion bleib aus“, sagt Grommes.

Weitere Zusammenarbeit gewünscht

Am Ende habe man eine jährliche Kostenreduzierung um etwa 30 000 Euro erreicht, mit Rainer Plücker abgestimmt – ebenso wie Umstrukturierungen zur schnelleren Abrechnung. „Wir wollten erst Sicherheit haben, bevor wir in die Jahreshauptversammlung gehen“, sagen die beiden und verweisen auf das Schreiben eines Wirtschaftsprüfers, der die Finanzen im ersten Halbjahr 2014 unter die Lupe genommen hat. Zwei Tage vor der unrechtmäßigen Versammlung hatte dieser erklärt: „Die zur Zeit stabile Lage spiegelt sich auch im aktuellen Bankbestand von 72 492,06 Euro wieder.“ Grommes: „Müschenborn wusste davon, bevor er von drohender Insolvenz sprach. Der Verein ist schuldenfrei.“ Ein Auszug vom 4. August zeigt: 135 562,32 Euro lagen auf dem VGS-Konto.

Und wie soll es weitergehen? „Sobald das Urteil zugestellt ist, übernehmen wir wieder.“ Sie können sich vorstellen, nach einem Gespräch mit einem unabhängigen Mediator weiter mit Rainer Plücker und Dr. Ulrich Müschenborn zusammenzuarbeiten. „Im Sinne des Vereins“, wie Dr. Luzia Grommes betont, die keine Strafanzeige gestellt hat und die rechtlichen Auseinandersetzungen zügig beenden möchte, um weiteren Schaden vom VGS abzuwenden. Die bisherigen Angebote hat Dr. Ulrich Müschenborn, der telefonisch gestern nicht zu erreichen war, abgelehnt. Der Termin der Jahreshauptversammlung, 22. September, wird wohl kaum zu halten sein. „Nächste Woche hoffen wir, dass eine sachliche Verständigung des Vorstands möglich ist. Wir werden die Mitglieder dann sofort informieren“, sagt Dr. Grommes.