Verrohrte Schwelme Sanierungsfall

Unter dem Gelände des Schwelmer Eisenwerks verschwindet die Schwelme in einem Rohr mit einem Durchmesser von 60 Zentimetern. Das Teilstück muss saniert werden. Wupperverband und Grundstückseigentümer streiten darüber, wie die Kosten zu verteilen sind.
Unter dem Gelände des Schwelmer Eisenwerks verschwindet die Schwelme in einem Rohr mit einem Durchmesser von 60 Zentimetern. Das Teilstück muss saniert werden. Wupperverband und Grundstückseigentümer streiten darüber, wie die Kosten zu verteilen sind.
Foto: www.blossey.eu

Schwelm..  Aus den Augen, aus dem Sinn. Nicht so bei der Schwelme. Bei dem Flüsschen verhält es sich genau umgekehrt. Unter dem Eisenwerksgelände ist der Bach, der im Martfelder Wald entspringt und bis zum Klärwerk an der Talstraße fließt, verrohrt und entschwindet somit den Blicken des Betrachters. Doch, genau das ist der Grund, weshalb sich jetzt die Eigentümer der Gewerbefläche mit dem Ennepe-Ruhr-Kreis und dem Wupperverband vor Verwaltungsgerichten streiten.

Problem seit 20 Jahren ein Streitfall

Natürlich geht es – wie immer – um das liebe Geld. Der Wupperverband möchte gerne die nötige Rohrsanierung kostenmäßig auf die Eigentümer, die Vermögensverwaltung Vits und die Albano-Müller GmbH & Co. KG, abwälzen. Natürlich sehen diese das ganz anders. Zur Klärung dieser Frage werden das Verwaltungsgericht Arnsberg und das Oberverwaltungsgericht Münster bemüht. Ende offen.

Es geht um nicht unerhebliche Geldbeträge. Auf 1,4 Millionen Euro schätzt der Wupperverband die Sanierungsmaßnahmen. Da ist jeder kostengünstigere Weg gefragt. Ursprünglich war daran gedacht, das Rohr im Inlinerverfahren zu sanieren. Damit gemeint ist das Einziehen eines Kunststoffrohres in das bestehende Rohr, um es wieder dicht zu machen. Doch das geht mittlerweile nicht mehr, weil es ein „hydraulisches Problem“ gibt, nämlich unterschiedliche Rohrdurchmesser, mit denen die Schwelme zum Eisenwerkgelände geführt wird und auch wieder aus dem Gelände kommend abgeführt wird.

„Wir haben seit 20 Jahren darüber gesprochen, das wir mit Inliner sanieren wollen. Das war noch zu Zeiten, als der Wupperverband mit einen Rohrdurchmesser von 60 Zentimeter mit der Schwelme ankam und sie auch mit dem selben Rohrdurchmesser wieder wegführte“, sagt Dr. Hans-Joachim Vits. In der Zwischenzeit hat der Wupperverband aber neue Fakten geschaffen und die an- und abgehenden Rohrdurchmesser auf 120 Zentimeter erweitert. Der künstliche Engpass lässt sich nur abstellen, wenn die verrohrte Schwelme ein neues Rohr mit einem Durchmesser von 120 Zentimetern ab Bett bekommt. Doch die Rohre liegen teilweise unter einer alten Fabrikhalle, entsprechend teuer würde eine Sanierung kommen. Darüber hinaus besteht noch die Gefahr, dass die Halle bei Starkregenereignissen überschwemmt werden könnte. „Da sind wir schnell bei der Schadenersatzfrage - und die kann leicht in die Hundertausende gehen“, gibt Dr. Vits zu bedenken.

„Wir haben deshalb eine neue Trassenführung von der Loher Straße bis hin zur B 7 vorgeschlagen. Das ist sehr viel preiswerter“, so Dr. Vits weiter. Doch der von Dr. Vits beauftragte Fachmann fand kein Gehör. „Die haben ihn gar nicht erst vorgelassen. Unser Vorschlag stieß beim Wupperverband auf kein Interesse“, ärgert sich der Schwelmer Unternehmer.

Erschwerend kommt hinzu, dass noch gar nicht geklärt ist, wer die Sanierung überhaupt zu welchen Teilen zu bezahlen hat. „Es gibt keine Urkunden darüber, die belegen, ob öffentliches oder privates Interesse die Verrohrung zu verantworten hatte“, so Dr. Vits. Die Schwelme sei Anfang des 20. Jahrhunderts eine Kloake gewesen, in die die Abwässer ungeklärt eingeleitet worden seien.