Vermeintliches Opfer sagt nicht aus

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Ennepetal/Schwelm..  Die Beziehung stand von Beginn an unter keinem guten Stern. Er ein eher schüchterner unauffälliger Mann, sie verdiente ihr Geld mit Prostitution in einer so genannten Escort-Agentur in Hattingen. Zunächst ging es noch gut, doch irgendwann flippte der 33-Jährige aus und verprügelte die Mutter dreier Kinder aus Ennepetal. Wegen zweifacher Körperverletzung, in einem Fall in Tateinheit mit räuberischer Erpressung, musste sich der Mann nun vor dem Schwelmer Schöffengericht verantworten.

Die erste handgreifliche Auseinandersetzung gab es am 6. Juli vergangenen Jahres in Schwelm im Auto des Beschuldigten. Er habe den Kopf der Beifahrerin auf das Armaturenbrett und ihr mit der Faust ins Gesicht geschlagen. Er gab das zu.

Danach herrschte erstmal für kurze Zeit Funkstille. Der 33-Jährige suchte sich eine eigene Wohnung am Büttenberg. Der Kontakt allerdings brach nicht ab, sie passte häufig auf seinen Hund auf. „Wir kamen gut klar und näherten uns schnell wieder“, erklärte der Klutertstädter.

Dann kam der 4. Oktober. Gemeinsam verbrachte man einen romantischen Tag an der Glör. Doch am Abend schlug die Stimmung um, erinnerte sich der 33-Jährige. Es kam zur Eskalation. Laut Anklage soll es unter anderem um 200 Euro gegangen sein. Um die zu bekommen, habe der unscheinbare Mann ihren Kopf gegen die Wand geschlagen, sie in den Schwitzkasten genommen, gewürgt und ihr in den Arm gebissen. Doch tat er dies um in Besitz des Geldes zu kommen, was den Tatbestand der räuberischen Erpressung erfüllen würde?

Verfahren gegen Auflage eingestellt

Nein, meinte er entschieden. Er habe sie erwischt, wie sie ihm das Geld aus dem Portemonnaie genommen habe. Da sei er einfach „ausgerastet“. Offenbar, so stellte sich heraus, habe sie die Summe als Lohn für das Hunde-Sitting beansprucht.

„Kann es nicht vielleicht sein“, fragte der Vorsitzende Richter Arnulf Arentz nach, „dass Sie es so aufgefasst haben, dass Sie plötzlich für Sex mit ihr zahlen mussten?“ Der Beschuldigte verneinte.

Die Geschädigte selbst, die angeblich zwei Suizidversuche hinter sich hat, leidet offensichtlich an schweren psychischen Problemen und wollte wohl nicht aussagen. Diesbezüglich gingen schon im Vorfeld diverse Faxe und Atteste bei Gericht ein. Zudem präsentierte der Ennepetaler etliche SMS-Botschaften der Frau die zum Teil nur einige Tage zurücklagen. Tenor: Sie wolle ihm die Hand reichen, wolle nicht gegen ihn aussagen, man könne sich doch wieder verstehen.

Daher einigten sich Staatsanwalt Bernd Maas, die Verteidigung und das Schöffengericht letztlich auf eine Verfahrenseinstellung. Im Gegenzug muss der arbeitslose Angeklagte 300 Stunden sozialen Hilfsdienst ableisten.