Verkaufsverzicht kein Thema mehr

Das alte Schulgebäude an der Kaiserstraße 69 beherbergt VHS und Musikschule und muss nach Ratsbeschluss zur Konsolidierung des maroden Haushaltes bis Ende 2015 veräußert sein.
Das alte Schulgebäude an der Kaiserstraße 69 beherbergt VHS und Musikschule und muss nach Ratsbeschluss zur Konsolidierung des maroden Haushaltes bis Ende 2015 veräußert sein.
Foto: WP

Schwelm..  Wo lernen ab Jahresende die Musikschüler und VHS-Teilnehmer? Die Politik hat den Verkauf des angestammten Gebäudes an der Kaiserstraße bis spätestens 31. Dezember 2015 beschlossen. Und es folgte der Beschluss, Volkshochschule und Musikschule in Zukunft im neuen zentralen Verwaltungsgebäude unterbringen zu können. Doch bis dahin kann es noch Jahre dauern. Nun zeichnet sich ab, dass eine Übergangslösung, ein Ausweichquartier, die Stadt teurer kommt, als der Verbleib an der Kaiserstraße, weswegen die Verwaltung jüngst im Hauptausschuss vorschlug, auf den Verkauf des Gebäudes an der Kaiserstraße „bis auf weiteres“ zu verzichten. Doch sie machte die Rechnung ohne die Politik...

Die Zahlen, die die Verwaltung ihrem Vorschlag anhängte, sind eigentlich eindeutig: 39 000 Euro jährlich würde die Stadt einsparen, wenn sie das Gebäude an der Kaiserstraße aufgibt. Rund 80 000 Euro müsste sie aufwenden, wenn sie Räumlichkeiten in gleicher Größenordnung woanders anmietet. Hinzu kämen noch kalkulierte 18 000 Euro an Umzugskosten.

SPD: Übergangslösung nicht sinnvoll

Doch die Rechnung sei falsch, ist die CDU überzeugt. Schließlich gehe es nicht darum, neue Räume für teuer Geld anzumieten, sondern das vorhandene Raumpotenzial der Stadt einfach nur richtig auszunutzen. CDU-Fraktionschef Oliver Flüshöh: „Es ist genug Platz da, zum Beispiel in der Grundschule am Ländchenweg. Sie ist ausgelegt für vier Züge und belegt durch zwei Züge. Hier sind Räume vorhanden“. Er warf der Verwaltung vor, nicht willens und kreativ genug bei der Raumsuche zu sein. „Mit gutem Wille bekommt man es ohne eine Verschlechterung hin.“

Damit sprach er an, was für die Verwaltung zu einer entscheidenden Hürde in Sachen Eigenraum-Nutzung erscheint. Insbesondere für die Musikschule wird eine übergangsweise Einquartierung auf verschiedene Schulstandorte als nicht machbar angesehen – sowohl für die Musikschüler wie auch für den Lernbetrieb an den Schulen selbst. Die CDU bezweifelt dies jedoch.

Andere Fraktionen sehen das hingegen genauso wie die Verwaltung. „Es gibt keine Raumalternativen in Schwelm. Die Schulen sind dafür nicht geeignet“, erklärte Jürgen Feldmann (Linke). Seine Fraktion sei daher schon immer gegen einen Verkauf des Gebäudes in der Kaiserstraße gewesen. „Wir reden in Schwelm viel über neue Sportplätze. Das ist auch richtig. Aber hier geht es um 3500 Menschen, die die Musikschule und VHS besuchen und davon betroffen sind. Eine Veräußerung des Gebäudes wäre ein fatales Signal“, so Feldmann.

Es ist eine Position, der sich auch die SPD anschließen konnte. „Eine Übergangslösung ist nicht sinnvoll“, befand Fraktionschef Gerd Philipp mit Verweis auf die Kosten, während Johanna Burbulla (Bürger) es sogar als „absoluten Schildbürgerstreich“ bezeichnete, wenn die Stadt „ein Gebäude leerzieht, um neue Gebäude anzumieten“.

Da ließen die Äußerungen der Grünen schon deutlich mehr Spielraum zu, denen es einzig wichtig ist, „jetzt eine vernünftige Übergangslösung zu finden und Musikschule und VHS dann später in der Zentralverwaltung unterzubringen“, wie Marcel Gießwein erklärte.

Da im Hauptausschuss keine Einigkeit zu erzielen war, zog die Verwaltung ihren Vorschlag kurzerhand zurück. Damit bleibt es formal beim Verkauf des Schulgebäudes bis Jahresende und der Herausforderung, für Musikschule und VHS eine Übergangslösung zu finden.