VER und Bogestra sprechen über Fusion

Gehören seit Jahrzehnten zum Stadtbild im Südkreis dazu: die Busse der Verkehrsgesellschaft Ennepe-Ruhr.
Gehören seit Jahrzehnten zum Stadtbild im Südkreis dazu: die Busse der Verkehrsgesellschaft Ennepe-Ruhr.
Foto: WP

Ennepe-Ruhr..  Aus dem Stadtbild nicht mehr wegzudenken sind die orange-cremefarbenen Busse der VER. Generationen von Schülern fuhren mit ihnen zum Unterricht, für viele Ältere steht der Name für VER-Bindung von A nach B. Möglicherweise ist schon in wenigen Jahren Schluss damit. Möglicherweise bedienen dann die rot-weißen Busse der Bogestra alle Linien im Südkreis. Grund: Die gesamte Vergabe des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) im Ennepe-Ruhr-Kreis steht derzeit auf dem Prüfstand.

Hintergrund sind die seit 2007 geltenden Bestimmungen auf EU-Ebene und das novellierte Personenbeförderungsgesetz, die bei der Neuvergabe von ÖPNV-Leistungen – vereinfacht gesagt – entweder ein wettbewerbliches Vergabeverfahren unter Beteiligung privater Anbieter oder eine Direktvergabe an einen internen Betreiber bzw. an ein benachbartes kommunales Verkehrsunternehmen zwingend vorschreiben. Die geltenden Verträge für den ÖPNV im EN-Kreis laufen im Jahr 2019 aus.

Wie es danach weitergehen soll, ist zurzeit noch offen. Der Kreistag hat in seiner jüngsten Sitzung aber schon eine Richtungsentscheidung gefällt. Der ÖPNV im Ennepe-Ruhr-Kreis soll auch in Zukunft von einem kommunalen Unternehmen durchgeführt werden.

Privat könnten die Linien möglicherweise zwar günstiger bedienen, hieß es. Doch die zu erwartende Ersparnis stünde in keinem Verhältnis zu den Nachteilen. Nicht mehr möglich ist dann beispielsweise die Querfinanzierung durch die AVU, dem heimischen Energieversorger in zur Hälfte kommunaler Hand.

Was aus Sicht der Politik auch dagegen spricht: Kunden- und Qualitätsmanagement, Marketing sowie die technische Bereitstellung und die Unterhaltung von Haltestellen müssten bei Privaten ständig kontrolliert werden. Eine neue Controlling-Abteilung bei der Kreisverwaltung wäre nötig. Daher soll es bei einem kommunalen Unternehmen bleiben, hatte der Kreistag beschlossen. Und auch dies: Ziel einer künftigen Lösung muss es sein, „den ÖPNV im Kreisgebiet auf mittlere Sicht wirtschaftlich und zukunftsfähig zu gestalten“.

Spätestens da kam für den EN-Kreis die Bogestra ins Spiel. Weil sie ein größeres und in vielen Bereichen effektiveres Verkehrsunternehmen ist. Weil sie im Nordkreis bereits Teile des ÖPNV bedient. Und nicht zuletzt weil sie sich dadurch einen Ruf als verlässlicher Partner der Verkehrsgesellschaft Ennepe-Ruhr erworben hat, wie es hieß. Die Bogestra hat bereits Gesprächsbereitschaft signalisiert.

Nun gilt es zu klären, mit welchem Geschäftsmodell das Ziel am besten zu erreichen ist. Im Gespräch ist eine Fusion oder Kooperation. Bei einer Fusion würde die VER aufgelöst und in der Bogestra aufgehen. Bei einer Kooperation könnte die Bogestra Hauptgesellschafter der VER werden. Denkbar sind aber auch Lösungen dazwischen, und selbst die, das alles beim alten bleibt.

Entscheidung bis Ende 2016

Die Gespräche darüber werden nun forciert. Denn viel Zeit bleibt nicht. Bis Ende 2016 muss der Kreis wissen, wie er seinen ÖPNV in Zukunft bewerkstelligen will. Spätestens zur Jahresmitte 2017 muss die Ausschreibung im Amtsblatt der Europäischen Union veröffentlicht sein, um die Umsetzung bis 2019 noch hinzubekommen.

Spätestens Ende 2016 ist also klar, ob die Busse im Südkreis weiterhin orange-cremeweiß leuchten oder ob es die rot-weißen von der Bogestra sind.