Urenkel des Gründers will Firma Jeco retten

Neue Hoffnung für die Belegschaft von Jeco.
Neue Hoffnung für die Belegschaft von Jeco.
Foto: WP

Gevelsberg..  Ist der sagenumwobene weiße Ritter gekommen, um die Firma Jeco in Gevelsberg in letzter Sekunde zu retten? Sein Name ist Frank Jürging. Er ist der Ur-Enkel von Julius Jellinghaus, der das Unternehmen vor 130 Jahren „mit viel Mut und Weitsicht“, wie sein Nachfahre sagt, an der Feldstraße gegründet hat.

Jürging macht keinen Hehl daraus, dass er und seine 87 Jahre alte Mutter von dem Schließungs-Beschluss der Mahindra-Gruppe emotional stark getroffen wurden. Die Familie hatte sich Ende der 90er Jahren aus Jeco zurückgezogen. Jürging ist dem Metall aber treu geblieben. Er besitzt zum Beispiel die Westfälische Eisen- und Stahl-Handelsgesellschaft m.b.H. in Schwelm und führt mit seinem Partner Christian Borsche die Agrartechnik Paul Plate GmbH in Hagen und das Edelstahl-Service-Center in Burg.

An der Feldstraße groß geworden

Mit Jeco ist der Unternehmer aufgewachsen: „Ich habe dort gespielt, meine Kindheit verbracht. Meinen ersten Ferienjob habe ich bei Jeco bekommen und später saß ich im Beirat des Unternehmens.“ Dass er nicht alle Arbeitsplätze bei einer Übernahme erhalten könne, sei ihm klar. Aber 60 bis 80 Stellen könnten es insgesamt schon sein. Im Gegensatz zu dem Modell zur Weiterführung der Belegschaft möchte Jürging die eigentliche Schmiede auch erhalten. Aber er schränkt auch ein: „Ich war lange nicht mehr in dem Unternehmen und habe noch nicht mit den Kunden gesprochen.“ Dennoch: „Ich bin bereit für den Erhalt von Jeco zu kämpfen. In unmittelbarer Nähe von Freizeiteinrichtungen wie Schwimm In und Stadion Stefansbachtal darf kein zweites Hünninghaus entstehen.“ Auch diese Schmiede hatte Jeco-Eigentümer Mahindra einst übernommen, später stillgelegt und lässt die teils historischen Fertigungshallen heute verfallen.

Emotionen, so sagt Jürging, seien aber ein schlechter Berater für einen Unternehmer. Deshalb habe sein Partner Borsche vor zwei bis drei Monaten Kontakt mit dem Mahindra-Vorstand aufgenommen. In dieser Woche fand schließlich ein Treffen von Jürging, Borsche, Mahindra-Vorstand Burkard Rausch und Bürgermeister Claus Jacobi im Gevelsberger Rathaus statt. Rausch versprach, das Angebot von Jürging & Co. in der Europa-Zentrale in Spanien vorzustellen. „Wenn die konkretes Interesse zeigen, sitzen wir sofort im Flieger in Richtung Baskenland“, versichert Jürging.

Mahindra habe erklärt, der Konzern wolle sich in Zukunft auf das reine Schmieden konzentrieren und die Weiterverarbeitung fremd vergeben. Aus diesem Grund soll auch die Schöneweiss-Filiale in Gevelsberg, die ebenfalls zum Konzern gehört, geschlossen werden. Jürging kann sich durchaus vorstellen, dass Mahindra ein Partner einer Firma Jeco in seinen Händen in dieser Beziehung werden könnte.

Stilllegung ist teuer

Und die Mahindra-Vorstände in Spanien müssten auch noch aus einem anderen Grund Interesse daran haben, in Gespräche einzutreten: „Die Stilllegung eines Werkes wie Jeco ist eine sehr teure Angelegenheit für einen Konzern“, argumentiert Frank Jürging. Neben den Kosten für einen Sozialplan kommen zum Beispiel noch aufwendige Rückbauten in den Fabrikanlagen und die Sicherung der dann leerstehenden Gebäude hinzu.

Für Bürgermeister Claus Jacobi wäre aus Sicht der Stadt die Übernahme eine Ideallösung. „Wir haben immer gesagt, dass eine weitere gewerbliche Nutzung in der Feldstraße Ziel ist.“ Industrielle Arbeitsplätze müssten erhalten bleiben.