Unveröffentlichtes Lauer-Manuskript aufgetaucht

Viele seiner Geschichten sind in Büchern festgehalten und stellen auch heute noch ein wichtiges Stück Heimatgeschichte dar: Ehrenhalstuchträger Erwin Lauer (†, links) mit dem damaligen Dacho-Vorsitzender Jürgen Kuss.
Viele seiner Geschichten sind in Büchern festgehalten und stellen auch heute noch ein wichtiges Stück Heimatgeschichte dar: Ehrenhalstuchträger Erwin Lauer (†, links) mit dem damaligen Dacho-Vorsitzender Jürgen Kuss.
Foto: Agentur S. Prange & D. Linde GbR

Schwelm.. Er war der König vam Müöllenkoatten und ein richtiges Schwelmer Original. Das hat er vor allem seiner spitzen Zunge und seinem unermüdlichen Einsatz für das Nachbarschaftswesen zu verdanken. Viele seiner Geschichten sind in Büchern festgehalten, landeten im Stadtarchiv und stellen auch heute noch ein wichtiges Stück Heimatgeschichte dar. Sieben Jahre nach seinem Tod ist nun ein unveröffentlichtes Manuskript aufgetaucht.

Ausführungen beginnen im Jahr 1620

„Die Möllenkotter Volksschule“ - so lautet der Titel der losen Papiersammlung, in der die Schwelmer Schulgeschichte in Lauers unnachahmlicher Art beleuchtet wird. Die Ausführungen beginnen im Jahre 1620 und enden nach 17 getippten Seiten mit dem 23. Februar 1886. Dem Todestag des Bürgermeisters Grothe, der 35 Jahre an der Spitze der Verwaltung der Stadt gestanden hat. „Unter seiner Verwaltung ist unsere Stadt zu einem blühenden Industrieort geworden“, schreibt Erwin Lauer in seinem letzten Satz und unterstreicht damit, dass er in all seinen Geschichten stets das ganze Stadtgeschehen im Blick hatte.

Egal welche Schublade oder Schranktür er in seiner Wohnung öffnete, er zauberte immer wieder heimatgeschichtliche Kostbarkeiten hervor. Und so eine hat nun auch Franz Harke entdeckt. Erwin Lauer hatte ihm die Seiten damals in die Hand gedrückt. „Ich sollte mal drüber lesen und ihm sagen, was ich davon halte“, erzählt Harke. Doch dazu ist es nicht mehr gekommen. Kurze Zeit später starb Lauer im Alter von 96 Jahren, die Geschichte über die Möllenkotter Schule geriet in Vergessenheit. Beim Aussortieren ist sie Franz Harke nun wieder in die Hände gefallen. „Es wäre zu schade, wenn sie sonst niemand zu lesen bekommt“, sagt er und hat sich deshalb an unsere Zeitung gewandt. Schließlich habe Lauer dutzende Artikel veröffentlicht, habe viele Dinge aufs Korn genommen, mal scherzhaft, mal böse, auch diese Geschichte sollte veröffentlicht werden“, sagt Franz Harke, er habe Lauer als jemanden kennen gelernt, der toll reden und schreiben konnte.

Heimatfest-Aktiver und leidenschaftlicher Hobbymaler

Erwin Lauer selbst hatte sich immer als frechen Hund bezeichnet. Er war aber auch ein Heimatfest-Aktiver und leidenschaftlicher Hobbymaler. Außerdem war er Möllenkotter Obernachbar, Dacho-Mitglied, hat den Ehrenteller der Stadt erhalten und wurde zum 1. Preisträger der Wilhelm-Van-Dage-Medaille aufgrund seiner Verdienste um das Plattdeutsche. Die Schwelmer Nachbarschaften zeichneten Erwin Lauer zudem mit dem Ehrenhalstuch aus.

Erwin Lauer war aber auch Geschäftsmann und eröffnete in den Nachkriegsjahren ein Tabakgeschäft im Möllenkotten. Dort, wo sich heute der Haushaltswaren-Laden „Scholand“ befindet. In den 50er Jahren wechselte er über die Hauptstraßenseite, wo er einen Pavillon bauen ließ. Mittlerweile befindet sich hier eine Tankstelle. Lauers Geschäft hatte Franz Harke übernommen. Auch er ist Ur-Möllenkotter, hat Erwin Lauer gut gekannt und geschätzt. „Er war immer eine Frohnatur“, sagt der 82-Jährige über Lauer, und er habe so gut wie jeden gekannt, vor allem aber kannten die Leute ihn. Und durch seine Schriften, wird immer ein Stück von ihm bleiben.