Unterhaltsamer Rückblick auf die Amtszeit

Porträt Wilhelm Wiggenhagen, Bü+rgermeister der Stadt Ennepetal. Foto: Stadt Ennepetal
Porträt Wilhelm Wiggenhagen, Bü+rgermeister der Stadt Ennepetal. Foto: Stadt Ennepetal
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Ennepetal..  Nein, eine Bilanz wolle er noch nicht ziehen, denn schließlich sei er noch bis zum 21. Oktober im Amt. Vor der Kolpingsfamilie Milspe sagte Wilhelm Wiggenhagen: „Bis zu diesem Tag werde ich mich voll einsetzen, nach bestem Wissen und Gewissen.“ Doch der Bürgermeister plauderte locker aus seiner Amtszeit, wie er zum ersten Male bei einer Autofahrt zu einem Termin von seinem Amtsvorgänger Michael Eckhardt hörte: „Ich glaube, ich höre auf.“ Später war es dann auch so. Wilhelm Wiggenhagen weiter: „Walter Faupel, der damalige CDU-Fraktionsvorsitzende, fragte mich, ob ich für das Amt kandieren würde.

Finanzkrise gleich nach der Wahl

Mit meiner Frau Ilona habe ich mich beraten- und sie sagte: Mach doch!“ Wiggenhagen trat an, unter der Bedingung, kein CDU-Mitglied werden zu müssen. Wie ein Bürgermeisteramt ausgeübt werden kann, habe er bei Harald Wolf (SPD) und Friedrich Döpp (CDU) schon als junger Beamter der Stadt erfahren. „Ich war Pressesprecher, schrieb Reden und organisierte Termine!“

Doch kam Unvorhersehbares nach seiner Wahl im Jahre 2009 auf Wiggenhagen zu: Die Finanzkrise. Gewerbesteuereinnahmen brachen weg, von rund 50 auf 16 Millionen Euro. Wilhelm Wiggenhagen verglich: „Das ist, als wenn man von der Bundesliga direkt in die Kreisklasse absteigen würde.“ Der finanzstarken Stadt drohte die Haushaltssicherung. „Doch sieben heimische Unternehmen gaben mir schriftlich, dass die Steuerzahlungen ein Jahr später wieder ansteigen werden. Die Aufsichtsbehörde verzichtete so auf die Haushaltssicherung.“ Der Bürgermeister meinte: „Das war einfach toll, was die Unternehmen für unsere Stadt damals gemacht haben.“

Stolz auf ehrenamtliche Arbeit

Wiggenhagen blickte voraus: „Für das Jahr 2016 wird der Kämmerer keinen ausgeglichenen Haushalt hinkriegen.“ Er wiederholte mit deutlicher Kritik an Land und Bund: „Die Stadt Ennepetal muss von einem Euro Steuereinnahme 66 Cent in die Umlagesysteme geben.“

Nicht leicht sei ihm die Entscheidung gefallen, gegen die Umbenennung des Dr.-Textor-Ringes zu stimmen. Glück gehabt habe er auch: Dass das Gut Ahlhausen, ein Wahrzeichen der Stadt, gesichert ist, und dass das Leo Theater nach Ennepetal kam.

„Ennepetal hat ein großes Kulturangebot“, sagte er und nannte ganz besonders das Programm der Kulturgemeinde. Zum Glück des Bürgermeisters zählt auch das Reifen des Klutertkäses in Ennepetal. Stolz sei er auf die Kluterthöhle, auf die viele ehrenamtliche Arbeit in der Stadt und darauf, dass Ennepetal ein Modellprojekt bei der Breitbandverkabelung sei. Stolz sei er auch auf das Baugebiet „Bauen mit der Sonne“ am Büttenberg.“

Wilhelm Wiggenhagen sieht aber auch ein Einkaufsproblem in Ennepetal. Er sei ein großer Befürworter der Berlet-Ansiedlung in Ennepetal. Er rückte Zahlen zurecht, die immer wieder genannt würden. Für die Bebauung des Parkplatzes am Haus Ennepetal hätte Berlet einen guten Preis bezahlt. Das Unternehmen zahle auch die Hälfte der 1,9 Millionen Euro für den Parkhausbau. Jetzt sei die Händlerschaft in Milspe gefordert, die Berlet-Besucher zu animieren, die Fußgängerzone zu besuchen.

Wiggenhagen würzte seinen Vortrag mit kleinen Anekdoten. So sei er mit dem damaligen stellvertretenden Landrat Willibald Limberg im Hülsenbecker Tal auf den Meiler gestiegen, um ihn anzuzünden. „Es gab eine Verpuffung und wir waren schwarz. Auch eine Reinigung konnte meinen Mantel nicht retten!“

Eine neue wichtige Entscheidung stehe an, wohl für seine Nachfolgerin: „Was geschieht mit dem 37 Jahre alten Haus Ennepetal?“ Und wie steht es mit seiner Nachfolge? Wiggenhagen betonte: „Im Bürgermeisterwahlkampf bin ich und bleibe ich strikt neutral. Nicht nur, weil ich Wahlleiter bin.“

Der Vorsitzende der Kolpingsfamilie Milspe, Diemo Wasiak, hatte zu Beginn der Veranstaltung im Saal unter der Herz-Jesu-Kirche namentlich die Bürgermeisterkandidatinnen Imke Heymann und Anita Schöneberg begrüßt.

Unter den zahlreichen Besuchern waren auch einige CDU-Ratsmitglieder, an der Spitze Fraktionschef Daniel Heymann.