Unterhaltsamer Abend mit Überraschungen

Alle Dozenten an einem Strang; Das All Star Ensemble trat bei der Crazy Guitar Night auf.
Alle Dozenten an einem Strang; Das All Star Ensemble trat bei der Crazy Guitar Night auf.
Foto: WP

Ennepetal..  Die Besucher der „Crazy Guitar Night“, die Sonntag Abend den „Tatort“ eingeschaltet haben, werden die legendäre Titelmelodie mit ganz anderen Ohren gehört haben. Die Formation „Strings Are Changing“ spielte das Stück als letzte Zugabe und sorgte so für einen weiteren Überraschungsmoment in ihrem sehr unterhaltsamen Auftritt.

Seit Jahren findet die „Crazy Guitar Night“ als Auftakt des Konzertreigens im Rahmen des Internationalen Gitarrenfestivals statt. Die Organisatoren verfolgen dabei das Ziel, die Vielfalt der klassischen Gitarre erklingen zu lassen, aber auch andere Saiten aufzuziehen. Sebastian Reimann (Geige), Hajo Hintzen (Gitarre) und Dieter Ogrzewalla (Keyboards) alias „Strings Are Changing“ erfüllten diesen Anspruch mit Leben. Sie boten eine schwungvolle Mischung aus ur-amerikanischer Kneipen-Countrymusik, Jazz, einem Funk-Stück des amerikanischen Mandolinisten David Grisman, Reggae, Flamenco-Einsprengseln und vielem mehr.

Zuschauerzahl hinter Erwartungen

Da tauchte plötzlich Stings „Englishman in New York“ auf, fand sich das berühmte „America“ aus dem Musical „West Side Sory“ in einem Rondo und wurde Ravels „Bolero“ in ein eigenes Stück eingewebt. Und als erste Zugabe, die das Publikum gefordert hatte, begeisterte das Trio mit einem Medley aus „Riverdance“. Sebastian Reimann war bereits mehrmals als Akteur bei der „Crazy Guitar Night“ dabei, gehört der virtuose Geiger doch zum renommierten Joscho Stephan Quartett, das in Gevelsberg zu Gast war. Gemeinsam mit dem klassisch ausgebildeten Gitarristen Hajo Hintzen und dem unter anderem in Soulbands wirkenden Keyboarder Dieter Ogrzewalla betätigt sich Reimann als leichthändiger Grenzgänger zwischen den Stilen.

Die Band ist mit Hans-Werner Huppertz, dem Mitorganisator und Jury-Präsidenten des Gitarrenfestivals, freundschaftlich verbunden. Die beiden CDs der Formation sind bei Huppertz’ Label „Aurea Vox“ erschienen. „Als er uns gehört hat, sagte er: ,Andere Instrumente, andere Musiker, andere Stücke – dann könnte etwas daraus werden’“, meinte Sebastian Reimann, der mit seinen launigen Ansagen das Publikum unterhielt, das schließlich auch unaufgefordert mitklatschte. Wermutstropfen: Mit nur 70 Zuhörern blieb der Zuspruch weit hinter den Erwartungen und den ansonsten von der „Crazy Guitar Night“ gewohnten Zahlen zurück.

Auch eine Bühne für große Talente

Hohen Unterhaltungswert hatte zuvor schon das „All Stars Ensemble“. Alle Dozenten des Gitarrenfestivals traten gemeinsam auf. Hans Werner Huppertz, Gary Ryan, Thomas Müller-Pering, Tomasz Zawierucha, Frank Gerstmaier sowie die Gevelsberger Musikschulleiterin Dagmar Tewes, ihr Stellvertreter Witold Rex und dessen Sohn Martin ließen die Gitarren erklingen. Detlef Tewes, Bruder der Musikschulchefin, spielte auf unnachahmliche Art die Mandoline. Mit der Ouvertüre aus der Rossini-Oper „Der Barbier von Sevilla“, vier baskischen Volksliedern von Jesus Guridi und Vivaldis „La Tempesta die Mare“ boten die neun Musiker ein gefälliges Programm. Zweimal nur probten sie am Freitag und am Samstag, dennoch funktionierte das Zusammenspiel bestens. Man wolle mit dem, im Vorjahr erstmals veranstalteten, All-Star-Auftritt das Gemeinschaftsgefühl stärken, erklärte Dagmar Tewes.

Nachdem Bürgermeister Claus Jacobi das Gitarrenfestival eröffnet hatte, bot die „Crazy Guitar Night“ zunächst dem Nachwuchs, der beim Festival dazu lernen kann und will, eine Plattform. Mit dem international besetzten Trio Amaterasu (Roberto Bisegna, Gillian Omalyev und Vinicius Jacomin) traten die Zweitplatzierten des Gevelsberger Jugendwettbewerbs 2014 auf. Mit Stücken von Vivaldi, Dodgson und Pujol zeigten sie ihr großes Können. Und auch Martin Friese und Julian Walter-Nußberger, die in diesem Jahr einen 2. Preis gewannen, beeindruckten mit Werken von Petit, Scarlatti, Gnattali sowie der Sinfonie aus der Oper „La Ceneratola“ von Giuliani/Rossini.