„Unsichtbar“ hilft den Ärmsten

Gemeinsam stehen sie für die gute Sache eine: Schirmherr Ralf Stoffels, Holger Brandenburg, Heidi Holstein-Glasmacher und Lucas König (von links) helfen Obdachlosen.
Gemeinsam stehen sie für die gute Sache eine: Schirmherr Ralf Stoffels, Holger Brandenburg, Heidi Holstein-Glasmacher und Lucas König (von links) helfen Obdachlosen.
Foto: WP

Schwelm/Gevelsberg..  Plötzlich sind sie weg. Bei Weihnachtsmärkten und Stadtfesten sind die Obdachlosen meist verschwunden. Wohin, dass weiß kaum jemand. Sie werden unsichtbar. Einen passenderen Namen hätte die Gevelsberger Obdachlosenhilfe um Holger Brandenburg kaum für ihren Verein aussuchen können. Und „Unsichtbar e.V.“ hat bereits den ersten prominenten Fan. Ralf Stoffels ist Schirmherr der jungen Initiative, die in etwas mehr als einem Vierteljahr seit der zaghaften Gründung eine beispiellose Dynamik an den Tag legt.

Nun ist es nicht so, dass der Unternehmer – der bereits etliche Ehrenämter ausübt – an Langeweile leidet. Im Gegenteil: „Wenn mir eines fehlt, ist das Zeit“, sagt Stoffels, der täglich etwa fünf Briefe auf den Schreibtisch kommt, in denen er um Hilfe – meist finanzieller Natur – gebeten wird.

Fast alles muss Stoffels ablehnen. Doch bei der Obdachlosenhilfe, die sich überhaupt nicht von sich aus bei ihm gemeldet hat, sah die Sache plötzlich anders aus: „Ich habe die Zeitungsberichte gelesen und mir sofort gedacht, dass es unglaublich toll ist, dass jemand einfach so und selbstlos aktiv wird. Holger Brandenburg und seine Mitstreiter kamen einfach authentisch rüber“, sagt Stoffels. Als er dann las, dass das Projekt nach einem Schirmherren Ausschau hält, nahm er Kontakt auf.

Chemie stimmte auf Anhieb

Die Chemie stimmte auf Anhieb, und Stoffels war sich sicher, dass dieses Projekt mit seiner eigenen christlichen Lebenseinstellung perfekt harmoniert. „Einzig die Zeit fehlt mir eben.“ Weil bei „Unsichtbar“ jedoch die Aktiven auf der Straße unterwegs sind und die Arbeit mit den Menschen am Rande der Gesellschaft gern und mit viel Herzblut wahrnehmen, sah Stoffels die Chance, den Männern und Frauen an der Front mit seinen Mitteln weiterzuhelfen. „Ich habe etwas Startkapital zur Verfügung gestellt und werde als Werbegesicht fungieren und auch meine Kontakte – zum Beispiel in der SIHK – nutzen, den Verein bekannter zu machen“, sagt Stoffels.

Im Verein selbst ist der Enthusiasmus ungebrochen. „Immer mehr Leute kommen zu uns und wollen selbst abends auf die Straße gehen und den Obdachlosen Kleidung und Essen bringen oder einfach mit ihnen sprechen“, sagt Holger Brandenburg, dessen Fundus an Ideen für die Zukunft unerschöpflich ist. Der Traum eines eigenen Fahrzeugs ist noch immer nicht ausgeträumt, außerdem wünscht sich der junge Verein ein kleines Büro. Denn der Verein will eine Dokumentationsarbeit beginnen. Zudem will „Unsichtbar“ sich auch verstärkt an Menschen wenden, die nicht obdachlos sind, aber sich kurz davor befinden.

Rückrufnummer aktiviert

„Außerdem haben wir eine Rückrufnummer eingerichtet“, sagt Brandenburg. Viele Obdachlose hätten zwar Handys, aber kein Geld für Guthaben. Sie können nun 0162/6944776 wählen und einer der Aktiven von „Unsichtbar“ meldet sich umgehend zurück. Warum? „Viele trauen sich aus Scham nicht, sich bei offiziellen Stellen zu melden. Wir wollen es so niederschwellig wie eben möglich halten“, sagen die Unsichtbar-Aktiven. Eine Sache, die ab sofort auch Ralf Stoffel aktiv unterstützt.