„Unser Haltbarkeitsdatum ist noch nicht abgelaufen“

Schwelm..  Seine 90 Jahre sieht man Rudolf Balk bei nicht an. Er läuft ohne Beeinträchtigung in der Wohnung herum, serviert Kaffee und Kuchen. Und hat man sich einmal umgedreht, ist er schon wieder vom Sofa aufgesprungen, um etwas zu erledigen. Gefeiert wurde der 90. natürlich im Kreise von Freunden und Familie. Für Rudolf Balk auch ein Anlass, auf sein bewegtes Leben zurückzublicken.

Keine unbeschwerte Jugend

Im Dritten Reich gab es keine unbeschwerte Jugend für junge deutsche Männer. Ihr Leben lang wurden sie auf den schließlichen Kriegseinsatz vorbereitet – Rudolf Balk, geboren im Sudentenland, war da keine Ausnahme. 17 war er, als er zum Reichsarbeitsdienst eingezogen wurde, ein Jahr später bereits ging es für ihn als Gebirgsjäger mit der Wehrmacht an die Front. Erst Jugoslawien und Griechenland während des Balkanfeldzuges, dann Russland, wo Balk dreimal verwundert wurde. Was der Kampfeinsatz für die jungen Soldaten damals bedeutete, kann sich heute wohl niemand mehr vorstellen. Rudolf Balk haben sich die Kriegserlebnisse so sehr eingebrannt, dass er sich noch heute genauestens an die Daten erinnert: An den Tag seines Einzugs beispielsweise, oder an den Tag, an dem er in russische Kriegsgefangenschaft geriet.

Die zweieinhalb Jahre in Nischni Tagil, einer Stadt im Uralgebirge, waren für Rudolf Balk wohl mit die prägendsten seines Lebens. Bei minus 52 Grad und ständigem Hunger musste er dort Arbeitsdienst verrichten. Bei seiner Entlassung im August 1947 wog Balk nur noch 45 Kilo. Und selbst, als er die Freiheit erlangt hatte, lag noch ein steiniger Weg vor ihm: Seine Heimat gehörte nun zu Tschechien, in ganz Deutschland herrschte Wohnungsnot.

Nachdem er seine Eltern in Niederbayern aufgespürt hatte, reiste er auf der Suche nach Arbeit unter anderem durch Baden-Württemberg und weiter nach Norden, bis er schließlich in Schwelm landete. Der Wuppertaler Unternehmer Hugo Erfurt, damals Inhaber der Tapetenfabrik „Erfurt“, gab ihm die Chance seines Lebens: Ein fester Arbeitsplatz und dazu eine Wohnung. 36 Jahre hielt Rudolf Balk dem Unternehmen daraufhin die Treue.

Auch die Liebe seines Lebens fand er hier. Durch Bekannte lernte Rudolf Balk 1957 seine heutige Ehefrau Ernestine, Vertriebene aus Jugoslawien, kennen. Noch im gleichen Jahr läuteten die Hochzeitsglocken. „Sie ist mein Engel“, sagt Balk.

Seit er Rentner ist, hilft er seiner Frau tatkräftig im Haushalt und hält sich auch sonst fit. So kümmert er sich zum Beispiel um anfallende Reparaturen, macht die Einkäufe, geht auch mal ein paar hundert Meter laufen. „Unser Haltbarkeitsdatum ist noch nicht abgelaufen“, scherzt er. Das Erfolgsrezept der beiden? Ernestine Balk ist sich sicher: „Wir lachen viel.“