Unbekannte machten Lagerfeuer in Gruft

Ein Lagerfeuer inmitten der Halle des Mausoleums der Familie Wehberg: Dies ist die Tat von bislang noch unbekannten Eindringlingen.
Ein Lagerfeuer inmitten der Halle des Mausoleums der Familie Wehberg: Dies ist die Tat von bislang noch unbekannten Eindringlingen.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
In der Familiengruft der Familie Friedrich Eberhard Wehberg zu Poeten haben Unbekannte ihr Unwesen getrieben. Die Vorfälle im Mausoleum werfen Fragen auf. Polizeipressesprecher Dietmar Trust: „Wenig Vorfälle wie dieser“.

Gevelsberg..  Unfassbar pietätlos sind Unbekannte in Gevelsberg zu Werke gegangen. Sie brachen erst in ein Mausoleum der Familie Wehberg ein, machten dann inmitten der Halle ein Lagerfeuer und versuchten sogar in die Krypta einzudringen. Sie scheiterten an der massiven Tür. Wenige Tage später wurden wieder Menschen in der Begräbnisstätte nahe der Haltestelle Berge-Knapp gesichtet. Eberhard Wehberg vermutet, dass es Geocacher waren. Bei diesem Hobby geht es um eine moderne Form der Schnitzeljagd, wo per GPS versteckte behältergefunden werden müssen.

Störung der Totenruhe

Die Anzeige gegen Unbekannt ist bei der Polizei bereits eingegangen: wegen Störung der Totenruhe. Aber auch Hausfriedensbruch haben die Eindringlinge begangen, da sie über die Mauer gestiegen sind, sich illegal Zutritt zu einem Privatgrundstück verschafft haben. Das Mausoleum liegt hinter einer verschlossen Eisentür – zur einen Seite ist ein Abhang, zur anderen die S-Bahn. Die Familiengruft der Familie Friedrich Eberhard Wehberg zu Poeten wurde 1871 errichtet. Anlass war der frühe Tod der Tochter Pauline. Insgesamt 28 Särge und drei Urnen sind an dieser Stelle seitdem bestattet. Die letzte Beerdigung fand 1966 statt. Noch immer ist in großen Buchstaben F.E.W. zu lesen – die Initialien des Gründers des Mausoleums, der selbst 1873 verstarb. Die besten Jahre des neoklassizistischen Baus sind zwar bereits vergangen, dennoch fungiert das Gebäude als Familiengruft

„Nur gut, dass sie es nicht geschafft haben, zur Krypta zu kommen“, sagt Eberhard Wehberg, der sich über so viel Dreistigkeit ärgert. Unverständlich sei auch, dass man einfach ein Feuer in der Trauerhalle anzündet, unweit von dem Altar und den beiden Engelsstatuen. Während der erste nächtliche Besuch unbemerkt blieb, einzig die Einbruchsspuren und die Rußreste waren noch zu erkennen, hatte beim zweiten Besuch Unbekannter ein aufmerksamer Nachbar die Eindringlinge aufgeschreckt. Einer hätte dem Mann gesagt, dass in dem Mausoleum ein Behälter versteckt gewesen sei und dass sie Geocacher seien. Etwa 20 Leute sollen dort gewesen sein, alle im Alter von 20 bis 35 Jahren, so schätzt der Nachbar.

Kurioser Einsatz

Bei der Polizei seien nur wenig solcher Fälle bekannt. Auch die Frage, ob es sich tatsächlich um Geocacher gehandelt habe, könne nicht beantwortet werden. Polizei-Pressesprecher Dietmar Trust betont, dass es wenig solcher Vorfälle gebe. Ein kurioser Einsatz habe sich aber vor einer Weile in Herdecke ereignet. Nachbarn hatten einen Drogenumschlagplatz in einem Waldstück vermutet, weil immer wieder Leute kamen, etwas in der Hand hatten und dann wieder gingen. Doch es handelte sich um Geocacher. Nach bisheriger Erfahrung würden sie darauf achten, öffentlich zugängliche Flächen bei der Auswahl des Ortes zu wählen, wo sie den Behälter deponieren, den dann die anderen letztlich mithilfe technischer Hilfsmittel aufspüren müssen.

Egal wer es letztlich war: Eberhard Wehberg ist entsetzt, dass Menschen so wenig Achtung vor den Toten hätten. Er sei zwar nicht die Familiengruft seiner Familie, sondern die der Familie Wegberg zu Poeten, dennoch kümmert er sich darum, da alle Nachkommenden weit weg von Gevelsberg wohnen. Zwei Einbrüchen innerhalb eine Woche hofft Wehberg, dass endlich Ruhe an dem Ort der Stille einkehrt.