Umweltschutz lässt sich lernen

Eisbärentag war im Kindergarten Berge in Gevelsberg.
Eisbärentag war im Kindergarten Berge in Gevelsberg.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Schon in der Kita fängt es an: Eisbären sensibilisieren für den Umweltschutz

Gevelsberg..  Wie schön es wäre, wenn es einmal im Jahr überall einen Eisbären-Tag gäbe. Dann würden nicht nur die Kinder des Kindergartens in Berge merken, dass die Klimaerwärmung alles andere als beruhigend ist. Mit Hilfe von Geschichtenschreiberin Cornelia Biermann bekam der Gevelsberger Nachwuchs an zwei Tagen fantasievoll verpackt einen Eindruck davon, was es heißt, wenn es immer wärmer wird und man als Eisbär damit zu kämpfen hat. Zum Beispiel wenn wir Mützen tragen müssen, nicht weil es kalt ist, sondern weil wir uns bei 50 bis 70 Grad vor der Hitze schützen müssen.

Mützen auf dem Kopf

Cornelia Biermann aus Gevelsberg, die sich durch Artikel, Bilder, Dokus und vieles mehr inspirieren lässt, hat einen guten Kontakt zum Kindergarten in Berge/Knapp und hat sich so ein „Aufklärungsprogramm“ für die Mädchen und Jungen dort schon öfter einfallen lassen. Wie hat sich das denn jetzt ein jeder vorzustellen?

Auf der Tür des Gruppenraums hing ein Schild mit der Aufschrift „Die Schule der Eisbären“. Hinter der Tür verbargen sich Eisschollen, Wasser, Pinguine, Robben und Eisbären - gebastelte wohlgemerkt - und gut 16 baldige Schulanfänger, die sich nun in die Eisbären hineinversetzten. Mit Mützen auf dem Kopf – wegen der Hitze der Klimaerwärmung - hörten und fühlten die Kleinen mit, als Cornelia Biermann ihre selbst geschriebene Geschichte mit ernstem Hintergrund vorlas. „Eisbären weinen nicht“, fing sie an, denn das war der Titel der Geschichte. Eine Eisbärenmutter ist mit ihren Kleinen im Schnee, als der Frühling hereinbricht. Jetzt, wo es wärmer wird, wird alles schwerer für die Eisbärin. Denn wenn das Eis schmilzt wird der Weg zur Nahrung viel beschwerlicher. Zwar lässt die Eisbärmutter ihre Kinder an einem sicheren Ort, doch sie selbst muss auf der Hut vor männlichen Bären sein und zu viele Wasserstellen statt festem Eis machen die Nahrungssuche sehr gefährlich. Letztendlich steuert Tim, ein Menschenjunge, auf die Eisbärin zu, weil er denkt, sie sei ein Kuscheltier. Die Eisbärin nimmt sofort eine Drohgebärde ein. Ein Betäubungsschuss setzt die Bärin für einige Zeit außer Gefecht, während die Bärenkinder allein gelassen kläglich nach ihrer Mutter rufen.

Harter Stoff, vor allem für Kinder? Ja und nein. Cornelia Biermann beschönigte zwar nichts, bewies durch ihre Kreativität und ihren Ideenreichtum aber, dass man Kindern Umweltprobleme nicht vorenthalten muss.

Eisschollen-Spiel

Den Kindern, denen zwar das Reflexionsvermögen noch fehlt, die aber über gute Sinne verfügen, hat die Geschichte gefallen: „Ich fand es schön“, sagte die fünfjährige Sila noch auf dem Wasser neben den Eisschollen sitzend. Vor allem habe ihr das „Eisschollen-Spiel“ gefallen, bei dem es immer eine Eisscholle zu wenig für die Teilnehmer gab und man aufpassen musste, dass man noch eine erwischte.

Was haben die Kinder gelernt? Das werden die Kinder wohl erst in ein paar Jahren voll und ganz erklären können – aber wegen des Speiseeises am Ende des Antarktisausflugs, ging zumindest bei vielen ein Licht auf: „Wenn das Eis, dass wir essen schmilzt, ist das ganz schön ekelig.“ Auch die Betreuer im Berger Kindergarten haben dank Cornelia Biermanns mitgebrachten Artikeln Neues über Eisbären und Klimawandel erfahren.

„Sich spielerisch und kreativ mit dem Thema auseinanderzusetzen ist so gut, dass das andere Kindergärten und Schulen auch so machen sollten“, bemerkte die Autorin noch.

Dass die Kinder eine echte Eisbärin für ein Kuscheltier halten, wie der kleine Tim aus der Geschichte, wird jetzt wohl eher nicht mehr passieren. Erwachsene, die dann sofort einen Betäubungsschuss loslassen, der die Nachwuchsbären von ihrer Mutter trennt, gibt es leider noch genug.