Über weniger Barrieren durch die Stadt

Gesprächskreis für Menschen mit Behinderung im Rathaus.
Gesprächskreis für Menschen mit Behinderung im Rathaus.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Es gibt viele Themen, die die Menschen mit Behinderung in dieser Stadt bewegen. Das wurde bei der letzten der zweimal im Jahr stattfindenden Gesprächsrunden der Vereine und Institutionen mit Vertretern der Verwaltung deutlich.

Gevelsberg.. Ziel dieser Treffen ist es, in den Dialog zu treten, um sensibler für die Belange und Bedürfnisse des anderen zu werden, aber auch, um Probleme zu lösen.

Öffentlicher Nahverkehr

Bei diesem Thema ging es im Ratssaal besonders heiß her. Menschen mit Behinderung seien in hohem Maße auf den öffentlichen Nahverkehr angewiesen, hieß es aus Reihen der Betroffenen. Es sei zudem ein zentrales Thema bei der Inklusion, um so ärgerlicher sei es, dass ihrer Meinung nach gerade die VER einen großen Nachholbedarf in Sachen Sensibilität habe. Da werde angefahren, ohne zu warten, bis alle sitzen. Die Abstände der Busse zu den Bürgersteigen seien oft zu breit und dadurch eine unüberwindliche Hürde für Gehbehinderte. Auch der Bus selbst würde nicht immer abgesenkt, gerade Rollatorfahrer hätten so Schwierigkeiten. Oftmals sei die Taktung zu knapp bemessen, wenn man nicht gut zu Fuß sei.

In der Gesprächsrunde wurde deutlich, dass sich die Betroffenen Schulungen für die Busfahrer wünschen, damit sie besser verstehen, warum es für sie wichtig sei, dass zum Beispiel der Bus richtig in die Haltestelle einfahren und nicht sofort wieder losrollen sollte. Ein Vertreter der VER soll in die nächste Sitzung eingeladen werden.

Und noch ein Wunsch wurde vorgetragen. Ein Ansagepunkt am Bahnhof wäre für Sehbehinderte wichtig, um den richtigen Zug zu erwischen. Entsprechende Gespräche, so hieß es von der Verwaltung, würden bereits laufen.

Selbsthilfe

Eine der wichtiges Anlaufstellen für Menschen mit Behinderungen ist das Kontakt- und Informationszentrum für Selbsthilfe EN-Süd (KISS). Und das habe so guten Zuspruch, dass die Organisation allmählich an ihre Grenze stoße, nämlich was das Raumangebot angehe. Es hätten sich in den vergangenen Wochen gleich zwei Gruppen für Menschen mit Depressionen gegründet, es gebe zudem eine Warteliste für eine weitere. Es sei eine neue Parkinsongruppe mit fast 40 Teilnehmern an den Start gegangen, eine Gruppe für Lungenkrebserkrankte sei ins Leben gerufen worden. Und auch der Bedarf für eine Gruppe für Menschen im Alter von über 60 sei da.

Auch wenn sich die KISS-Leiterin Susanne Auferkorte über so viele Gründungen freut, schließlich sei das die Aufgabe ihrer Einrichtung, doch der Platz im Gesundheitshaus an der Hagener Straße fehle. Auch im Bürgerhaus Alte Johanneskirche gebe es keine Kapazitäten mehr. „Die Gruppen wollen sich ja irgendwo treffen“, sagt sie und bittet um Unterstützung bei der Suche nach neuen Räumen.

Lotsen-Projekt

Als neues Hilfeangebot hat das Ministerium für Arbeit, Integration und Soziales das Lotsen-Projekt ins Leben gerufen. Ehrenamtliche sollen Betroffene dabei unterstützen, die richtige Unterstützung zu erhalten. Sie dabei durch den Dschungel von Paragrafen und Behörden begleiten. Für den südlichen Ennepe-Ruhr-Kreis hat diese Aufgabe Wolfgang Büge übernommen. Er ist Vorsitzender des Blinden- und Sehbehinderten-Vereins EN-Süd und weiß, dass für viele der erste Schritt, sich Hilfe zu holen, gerade der schwierigste sei. „Ich kann nicht alles wissen,“, sagt er. Aber er wisse, wo man Menschen findet, die es können. Wolfgang Büge ist unter 02332/61963 zu erreichen. Mehr Informationen gibt es im Internet unter www.lotsen-nrw.de

Schwimm in

Weniger behindertengerecht sei nach Meinung vor allem von Mitgliedern der Rheumaliga das Schwimm in. Es fehlten im Duschbereich Haltegriffe an den Wänden und auch Haken, um Bademäntel oder Handtücher aufzuhängen. Viele wünschten sich auch wieder die Trennwände in den Duschen zurück – für mehr Privatsphäre beim Duschen.

Barrierefreiheit

Als Holperstrecke, bei der für Rollatorenfahrer kaum ein Durchkommen sei, bezeichnete Rolf Buchholz die Fußgängerbrücke über die Ennepe zwischen Berge und Vogelsang. Barrierefreie Toiletten im neuen Edeka-Markt am Börkey wünschten sie sich ebenso wie weniger zugestellte Gehwege und eine längere Parkscheibenregelung an der Hagener Straße.

Ruhesitze

Gut angekommen seien die Ruhesitze in der Stadt. Sechs seien bisher aufgestellt. Die Stadt hofft auf weitere Spendengelder, damit auch die anderen geplanten sieben verteilt werden können, als Verschnaufpunkt bei manch einer Steigung.