Über die Schönheit der Naturlyrik

Saraswati Albano-Müller will ausländischen Kindern deutsche Gedichte beibringen Foto: Stefan Scherer
Saraswati Albano-Müller will ausländischen Kindern deutsche Gedichte beibringen Foto: Stefan Scherer
Foto: WP

Schwelm..  Goethe, Schiller, Lessing und Dutzende andere Großmeister der Spache haben dafür gesorgt, dass die deutsche Dichtkunst weltberühmt ist. Die wohl bekannteste Inderin Schwelms, Saraswati Albano-Müller, will die lyrischen Großtaten nun für eine außergewöhnliche Sache nutzen: „Ich will damit die Integration ausländischer Kinder vorantreiben. Sie sollen ein Verständnis für die Schönheit der deutschen Kultur entwickeln“, sagt sie.

Bevor ihr diese Idee durch den Kopf schoss, kamen einige Dinge zusammen. Zuvorderst ihre eigene Kindheit: „Ich musste als Kind in Indien englische Gedichte auswendig lernen.“ Besonders ist ihr William Wordsworth’ „The Daffodils“, zu deutsch „Die Narzissen“, im Gedächtnis geblieben. „Diese Blumen wachsen in Indien nicht. Als ich dann nach England kam, habe ich ihre Schönheit, die Wordworth so unglaublich toll beschreibt, erstmals begriffen.“ Nicht zuletzt dieses Gedicht prägten ihre Liebe zur Natur. Nun gibt es wohl keine andere Nationalliteratur, in der die Naturlyrik derart groß und vielfältig ausgeprägt ist, wie die deutsche.

Haufenweise Gedichte zugeschickt

Saraswati Albano-Müller fiel irgendwann Goethes „Gefunden“ in die Hände – ein Liebesgedicht mit starker Natur-Prägung. „Diese einfachen Worte, diese alte Sprache, diese tollen Beschreibungen – es hat mich einfach begeistert“, erinnert sie sich an ihre erste Begegnung mit den Versen. Gleichzeitig ist ihr von den zahlreichen Besuchen, die sie bei sich zu Hause von Schulklassen bekommt, im Gedächtnis geblieben, dass gerade Kinder die deutsche Sprache sehr gut über Gedichte und Lieder lernen. „Nehmen wir den Kanon. Er ist typisch deutsch und schnell zu lernen“, sagt sie, die engen Kontakt zu zwei acht und 13 Jahre alten Brüdern aus Sri Lanka pflegt.

Eines Tages zeigte sie dem Älteren das Gedicht. „Nach vier Tagen konnte er es komplett auswendig.“ Das habe den kleinen Bruder neidisch werden lassen, und kurz darauf rezitierte auch er die Hommage Goethes an seine Frau Christiane auswendig.

Die Initialzündung für das Lyrik-Projekt war allerdings die CSU in Bayern mit ihrem Gebot, wonach Migranten in der Familie und der Öffentlichkeit grundsätzlich deutsch sprechen sollen. „Das ist lächerlich. Ausländer sollen nicht gezwungen werden, deutsch zu sprechen, sondern diese Sprache mit Freude lernen“, sagt Saraswati Albano-Müller und setzt darauf, „dass ich selbst als Ausländerin authentisch bin.“ Mit ihrer Idee rennt sie bei Lehrern, Eltern und anderen offene Türen ein. Sie bekommt haufenweise Gedichte zugeschickt und großes Lob für ihr Engagement, sagt aber auch: „Ich brauche auf der einen Seite Hilfe von Menschen, die diese Idee mit mir ausbauen möchten, auf der anderen nutzt man mich nicht genug aus.“

Kooperation mit Schulen

Heißt: Jeder, der ihr helfen möchte oder Schulklassen, die vorbeikommen wollen, um mit Saraswati Albano-Müller die Schönheit der Naturlyrik zu erforschen, können sich unter 02336/2200 bei ihr melden. Die Kooperation mit der Gesamtschule in Haßlinghausen laufe seit Langem sehr gut. Saraswati Albano-Müller will aber mehr für die Kinder in ihrer Heimatstadt Schwelm tun und hofft darauf, dass auch Lehrer aus der Kreisstadt auf sie zukommen.