„Turner helfen sich selbst“
12.02.2012 | 17:03 Uhr 2012-02-12T17:03:00+0100
Ennepetal.Die Turngemeinde Voerde feierte ihren 150. Geburtstag, und alle waren gekommen: die stellvertretende Landrätin Sabine Kelm-Schmidt, Bürgermeister Wilhelm Wiggenhagen, sein Stellvertreter Johannes Kraft, die Ehrenbürgermeister Eckhardt und Döpp, Vertreter des Sportamtes und der örtlichen Vereine. Alle?
Ein paar Stühle in der festlich geschmückten Halle an der Loher Straße waren auch leer geblieben. Warum? „Die Gesellschaft hat sich verändert“, stellte Vorsitzender Florian Budnick fest. Vereinsleben werde kaum noch gelebt, er hoffe aber, dass sich dieser Trend wieder umkehren werde und die Menschen nicht nur anonym ihrem Sport nachgehen wollen, sondern auch die Gemeinschaft wieder neu beleben. Immerhin könne er mit Stolz und Recht sagen, „dass wir der größte Breitensportverein der Stadt sind mit – Stand heute – 1306 Mitgliedern.“
Und die Anzahl der freien Stühle hielt sich ja auch in Grenzen, beste Stimmung herrschte bei der Jubelfeier und für gute Laune sorgte auch Moderator Marc Schulte, der sich selbst zwar als Ballsportler outete („geturnt habe ich beim Mutter-und-Kind-Turnen – ich war das Kind“), in den Reihen der Gäste aber Willi Wichmann entdeckt hatte: „Willi hat vor kurzem bei den Bezirksmeisterschaften Gold geholt. Er ist 88 Jahre alt und ist aus dem Stand 1,82 Meter weit gesprungen.“ Was er denn mit 90 mache? „Dann werde ich noch einen Meter zulegen“, meinte Wichmann humorvoll. Und ließ sich auch auf die Bühne locken, um unter Beifall der Anwesenden einen Hopser vorzuführen.
Als Festredner war Michael Buschmeyer gekommen, der Präsident des Westdeutschen Turnerbundes. „Im Verein ist Sport am schönsten“, betonte er. In dieser Zeit, in der Entwicklungen so schnell vonstatten gingen, dass der Mensch manchmal vergessen werde. „Die größten Probleme bereiten uns diese Seelenlosigkeiten“, machte er klar. In Ennepetal aber scheine die Welt noch in Ordnung, gab er ein Plädoyer ab für Gewissenhaftigkeit, Treue und Bodenständigkeit. „In einem großem Verein wie diesem ist das nie eine Frage gewesen.“
„Vor mir sehe ich nur Menschen, die stets gekämpft haben“, stellte auch Sabine Kelm-Schmidt fest, von vielfältigen Hindernissen hätten sie sich nie abschrecken lassen. „Turner helfen sich selbst“, betonte sie.Und die Ehrenamtlichen, die sich für das Leben im Verein einsetzen, bereichern auch Ennepetal und den Ennepe-Ruhr-Kreis. Wilhelm Wiggenhagen gratulierte und betonte, „Ihr leistet einen riesigen Beitrag, Probleme zu lösen“, sprach er auch das wichtige Thema Integration an.
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