Turbulenzen um die Drehleiter

An der Drehleiter der Stadt Schwelm liegt ein Schaden in Höhe von mehr als 100 000 Euro vor. Der ist allerdings versichert. Bis Ende Mai soll das Feuerwehrauto repariert sein. Mit Ersatzfahrzeugen gab es immer wieder Probleme.
An der Drehleiter der Stadt Schwelm liegt ein Schaden in Höhe von mehr als 100 000 Euro vor. Der ist allerdings versichert. Bis Ende Mai soll das Feuerwehrauto repariert sein. Mit Ersatzfahrzeugen gab es immer wieder Probleme.
Foto: WP

Schwelm..  Die Diskussionen, was denn nun mit der Schwelmer Drehleiter genau los ist, wie und woher Ersatz kam und kommt, wann wieder das Original im Einsatz sein wird und ob die Sicherheit der Schwelmer Bevölkerung zu jedem Zeitpunkt gewährleistet war, ist und sein wird, reißen nicht ab.

Feuerwehrchef Matthias Jansen beruhigt auf Nachfrage dieser Zeitung: „Es hat zu keinem Zeitpunkt eine Sicherheitslücke bei der Verfügbarkeit einer Drehleiter in der Stadt Schwelm gegeben.“ Er wird zu diesem Thema auch am kommenden Donnerstag in der Sitzung des Hauptausschusses Stellung beziehen. „Das wird im öffentlichen Teil geschehen“, sagt der 1. Beigeordnete und Kämmerer der Stadt Schwelm, der sich ebenso wie Jansen seit vergangenem Dezember mit diesem Thema beschäftigt.

Kein Verschleißschaden

Alles begann damit, dass die ungefähr 15 Jahre alte Drehleiter der Kreisstadt einen Schaden am Leiterpark hat. Sie kam in die „Drehleiterwerkstatt“ nach Kandel in der Pfalz. Teilte der stellvertretende Schwelmer Wehrleiter Oliver Dag vor wenigen Tagen noch mit, der Schaden sei normaler Verschleiß, ist der Inhaber der Drehleiterwerkstatt da ganz anderer Auffassung: „Das ist definitiv kein Verschleiß, aber mehr sage ich dazu nicht.“ Der Schaden liegt bei mehr als 100 000 Euro, ist aber versichert.

Doch so eine aufwändige Reparatur ist nicht kurzfristig durchzuführen, weshalb die Schwelmer Wehrführung im Dezember schnell handeln musste. Da traf es sich gut, dass die Kollegen in Herdecke im vergangenen Jahr eine neue Drehleiter bekamen. Das alte, turnusgemäß ausgemusterte Fahrzeug bekamen die Schwelmer zunächst kostenlos als Nachbarschaftshilfe zur Verfügung gestellt. Doch die Herdecker Drehleiter stand parallel zum Verkauf.

Europaweit keine Ersatzteile mehr

Jetzt rechneten Matthias Jansen und Ralf Schweinsberg mit spitzem Bleistift. Eine Leihdrehleiter kostet bis zu 350 Euro pro Tag – sieben Tage die Woche. Nach Informationen dieser Zeitung rief die Stadt Herdecke für ihr altes Fahrzeug 12 000 Euro auf. Kämmerer Ralf Schweinsberg: „Da muss niemand lange rechnen, was bei einer derart langen Ausfallzeit günstiger ist.“ Die Schwelmer kauften, doch Freude über das günstig erworbene Aushilfsfahrzeug währte nicht lange. Getriebeschaden.

Der Wagen kam zur Wuppertaler Mercedes-Werkstatt Schoppmann, dort die nächste Hiobsbotschaft. „Wegen des Alters des Fahrzeugs gibt es europaweit keine Ersatzteile mehr“, sagt Matthias Jansen, der nun vor dem nächsten Dilemma stand. Gleichwohl ist dieser Schaden nicht absehbar gewesen, weil die Drehleiter bis zu ihrer Ausmusterung in Herdecke alle technischen Prüfungen und Inspektionen gemeistert hatte.

Nun war guter Rat teuer und Jansen ist vor allem den Ennepetaler Nachbarn dankbar: „Dass sie jederzeit und sofort zugesagt haben, dass sie im Ernstfall aushelfen, zeigt, wie gut die Feuerwehren zusammenarbeiten“, sagt der Leiter der Schwelmer Wehr, der sich nun in Absprache mit dem Kämmerer dazu entschied, doch ein Fahrzeug zu leihen.

Leihfahrzeug mit Luftverlust

Das kam von der Kandeler Drehleiterwerkstatt, wo eben auch das Schwelmer Original repariert wird. Die kam in Schwelm an und war bald auch defekt. Sie verlor Luft aus der Bremsanlage, kam ebenfalls nach Schoppmann zur Reparatur. „Doch das war für den Kollegen eine Kleinigkeit, nach noch nicht einmal einem Tag war sie wieder einsatzfähig“, sagt Alexander Stier, der für diesen Tag der Stadt Schwelm selbstverständlich keine Leihgebühr in Rechnung stellt.

Sein Ziel deckt sich mit den Hoffnungen der Schwelmer Wehrführung: Der Feuerwehr-Lkw soll bestenfalls noch im Mai fertig repariert sein. Alexander Stier zählt auf: „Wir haben den Leitersatz gerichtet und angepasst. Am Mittwoch kommt er zum Sandstrahlen, das dauert etwa zwei Wochen. Dann geht er weiter zum Pulverbeschichten, das dauert ebenfalls etwa zwei Wochen. Der Zusammenbau in unserem Hause benötigt ebenfalls zwei bis drei Wochen.“

Ergo: Selbst wenn es ganz schlecht läuft und sich die Fertigstellung an allen Stellen verzögert, wäre die Schwelmer Drehleiter spätestens Mitte Juni wieder im Einsatz.

Sicherheit weiterhin gewährleistet

„Auch bis zur endgültigen Reparatur“, das betont Matthias Jansen noch einmal ausdrücklich, „wird der Schutz der Bevölkerung zu jedem Zeitpunkt gewährleistet sein.“