Turbulentes Jahr endet mit Stab-Übergabe

Von links: alter Vorstand Dieter ten Eikelder, Aufsichtsratsvorsitzender Dr. Arnim Brux und neuer Vorstand Uwe Träris
Von links: alter Vorstand Dieter ten Eikelder, Aufsichtsratsvorsitzender Dr. Arnim Brux und neuer Vorstand Uwe Träris
Foto: WP

Gevelsberg..  Die AVU hat schon ruhigere Jahre erlebt. Besonders Dieter ten Eikelder hatte sich 2014 sicherlich anders vorgestellt. Denn eigentlich wäre er seit Januar Rentner gewesen. Dann kam alles anders.

Der Aufsichtsrat um den Vorsitzenden Dr. Arnim Brux hatte ten Eikelder dazu bewogen seinen Ruhestand für ein Jahr herauszuzögern, um als kaufmännischer Vorstand mit dem technischen Vorstand Dr. Claus Bongers die offenen Konzessionsverträge unter Dach und Fach zu bringen. Der Plan sah ohnehin vor, dass beide Vorstände nun zum Ende des Jahres das Unternehmen an einen Alleinvorstand zu übergeben – mit Uwe Träris stand der Nachfolger bereits so gut wie fest.

Ende Januar erhob der ehemalige Fahrer von Dr. Bongers plötzlich schwere Vorwürfe gegen seinen Ex-Chef. Private Vorteilsnahme stand im Raum. Bongers trat zurück. Die Staatsanwaltschaft nahm sich der Sache an, im Juli wurde das Verfahren gegen Zahlung einer hohen vierstelligen Summe eingestellt.

Stand jetzt ist lediglich der Konzessionsvertrag mit der Stadt Gevelsberg unterzeichnet, bis auf Ennepetal herrscht große Zuversicht, die anderen Kontrakte in absehbarer Zeit unter Dach und Fach zu bringen. Das wird Dieter ten Eikelder von außen beobachten. Wir trafen ihn, seinen Nachfolger Uwe Träris, der ab dem 1. Januar Alleinvorstand sein wird, Landrat Dr. Arnim Brux zum Übergabegespräch.


Frage: Herr ten Eikelder, freuen Sie sich auf den Ruhestand?
Dieter ten Eikelder: Wenn ich mir anschaue, was auf dem Markt passiert, sage ich: Es ist gut so, dass ich jetzt in Pension gehe. Aber das haben 1998, als dieLiberalisierung der Energiemärkte anstand, schon die damaligen Kollegen gesagt. Alles in allem habe ich meine Aufgaben gern wahrgenommen, freue mich trotzdem auf die Rente.


Wie ist das Feld der AVU bestellt?
ten Eikelder: Wir haben stets auf Kontinuität gesetzt und erwirtschaften weiter gute Gewinne. Oberstes Ziel war stets nachhaltige Entwicklung. Wir haben auch in guten Zeiten nie alles ausgeschüttet, haben ein Rücklagenkapital von mehr als 30 Millionen Euro. Natürlich haben wir Glück, dass wir bewusst keine Kraftwerksbeteiligungen haben. Wir stehen bei mehr als 300 Mitbewerbern auf dem Strom- und Gassektor mit einem Anteil von 90 Prozent bei den Privatkunden sehr gut dar. So denke ich, dass wir bis 2019 einen Euro Dividende gewährleisten können. Natürlich gibt es auch Probleme. Zum Beispiel haben wir zurzeit bei den niedrigen Zinsen keine guten Anlagemöglichkeiten.


Herr Träris, deckt sich das mit ihrem Eindruck der AVU?
Uwe Träris: Voll und ganz. Ich habe bisher ein sehr gut aufgestelltes kommunales Energieunternehmen vorgefunden. Ich habe in Dresden in einem sehr großen Stadtwerk gearbeitet in Bautzen in einem sehr kleinen, nun komme ich in die goldene Mitte. Die birgt allerdings auch ganz neue Herausforderungen?


Welche?
Träris:
Eine Kommune ist leichter zu pflegten als sieben. Es gilt, auch bei der großen Interessenvielfalt, alle mitzunehmen.


Vor allem bei den Konzessionsverträgen.
ten Eikelder:
Gevelsberg ist unterschrieben. Alle anderen Kommunen außer Ennepetal bereiten gerade die Konzessionsvergabe-Verfahren vor, wir haben als AVU Netz GmbH überall angekündigt, dass wir uns um die Konzession bewerben. Die Stadt Ennepetal möchte das Netz in Eigenregie betreiben. Da haben wir uns natürlich als strategischer Partner beworben. Sollten sie doch noch eine reine Konzessionsvergabe vorziehen, werden wir natürlich auch unseren Hut in den Ring werfen.


Träris: Die Konzessionen sind unsere Arbeitsgrundlage und das wesentlichste Thema auf der Agenda. Durch sie werden unsere 475 Arbeitsplätze gesichert. Dabei setzten wir auf unsere Erfahrung und den guten Namen der AVU.


ten Eikelder: Fehlt uns eine Konzession, wird es eng, fehlen zwei, wird das Arbeitsplätze bei der AVU Netz GmbH kosten. Aber wir sind zuversichtlich.


Brux: Die AVU ist unser regionaler Versorger mit kommunalem Anteil von 50 Prozent. Sie ist ein großer Arbeitgeber, Gewerbesteuerzahler für alle sieben Kommunen im Netzgebiet und – das darf man nie vergessen – sie bringt sehr viel Unterstützungsleistung im gesellschaftlichen Bereich.
Günter Zimmermann, Dieter ten Eikelder, Uwe Träris – der dritte AVU-Vorstand kommt von den Stadtwerken Witten. Nehmen die seit Jahren kolportierten Übernahmegerüchte Gestalt an?
Träris:
Das wird seit mehr als zehn Jahren erzählt. Die AVU Netz GmbH als vorgelagerter Netzbetreiber und die Stadtwerke Witten arbeiten zwar sehr eng zusammen, aber diese sind stark genug, um allein fortzubestehen.


Dr. Arnim Brux: Eine Übernahme stand sowieso niemals zur Debatte. Wir haben an Fusionsmodellen gearbeitet, aber diese sind politisch nicht durchsetzbar.


Müssen sich die Mitarbeiter auf Umstrukturierungen im Unternehmen einstellen?
Träris:
Ich sehe momentan keine Notwendigkeit, etwas zu ändern. Wir werden weiterhin alles in Ruhe und mit Bedacht angehen, um die AVU zukunftsorientiert auszurichten. Ich sehe die uns aber ohnehin auf einem guten Weg.


ten Eikelder: Sie dürfen auch nicht vergessen, dass wir viele Bereiche im Unternehmen während der vergangen Jahre bereits grundlegend verändert haben. Die Betriebsstellen mit Ausnahme von Hattingen, das auch nicht zur Debatte steht, wurden zentralisiert, wir mussten von Gesetz wegen die AVU Netz GmbH gründen, wir reduzieren nun auf einen Vorstand, wir bilden zum Kombimonteur aus und so weiter – um nur einige Bereiche zu nennen.


Stichwort Ausbildung. Wie sehen bei der AVU die Chancen für junge Leute aus – auch was einen sicheren Arbeitsplatz nach der Lehre angeht?
ten Eikelder:
Jeder Auszubildende hat ein Übernahmegarantie von einem Jahr, oft arbeiten wir auch mit längeren Befristungen. Gern würden wir jeden unbefristet halten, das ist aber eben nicht immer möglich.


Träris: Ich denke, dass die garantierte Übernahme für den Fall, dass das Arbeitsverhältnis im Anschluss gelöst wird, die Chancen auf dem Arbeitsmarkt erhöht. 2015 werden wir Fachinformatiker und Elektroniker für Betriebstechnik ausbilden, Kaufleute waren diesmal keine ausgeschrieben.


Erwarten den Kunden Veränderungen?
Träris: Das Ziel lautet: wettbewerbskonforme Preisstabilität. Wegen des Erneuerbare-Energien-Gesetzes haben wir erhebliche Belastungen. Einen Teil haben wir selbst getragen, einen Teil mussten wir bereits an den Endkunden weitergeben. Ich bin aber guter Hoffnung, dass wir das Niveau halten können.


Brux: Man muss sehen, wie viele Faktoren zusammenkommen, die Einfluss auf den Endpreis haben. Preislich bewegen wir uns NRW-weit auf einem vergleichsweise günstigen aber wettbewerbsfähigem Niveau.


Herr Dr. Brux, was hat den Ausschlag dafür gegeben, dass Uwe Träris neuer Vorstand geworden ist?
Brux: Die Kriterien waren klar: Der neue Mann muss fachliche Qualitäten, Führungsqualitäten und Kenntnisse der Region mitbringen. Wir sind vom Aufsichtsrat der festen Überzeugung, dass die bisherige Qualität des AVU-Vorstands auch mit Uwe Träris gewährleistet ist und die erfolgreiche Arbeit fortgesetzt werden kann.


Breisgau, Sachsen, Ruhrgebiet – sie haben in den unterschiedlichsten Winkeln der Republik gearbeitet. Ist die AVU für Sie eine weitere Durchgangsstation, Herr Träris?
Brux: Genau das haben wir ihn im Bewerbungsgespräch auch gefragt.


Träris: Ich bin im Ruhrgebiet angekommen. Die AVU ist eine einmalige Chance, und der Job verbindet meine erste Tätigkeit im Bankenbereich mit der Energiewirtschaft. Ich freue mich riesig und scharre schon mit den Hufen, dass es am 2. Januar endlich losgeht.


Was machen Sie am 2. Januar, Herr ten Eikelder?
ten Eikelder: Ich bin froh, dass ich nicht mehr auf die Autobahn muss. Was dann kommt, weiß ich noch nicht genau. Mit 66 Jahren bin ich froh, dass nun Ende ist und Bekannte, die bereits im Ruhestand sind haben mir versichert: „Da gewöhnst Du Dich schnell dran.“.