Traum vom eigenem Hochschulstandort

Prof. Dr.-Ing. Martin Sternberg, Präsident der Hochschule Bochum, zeigt die Kooperationsmöglichkeiten zwischen Wirtschaft und Hochschule auf.
Prof. Dr.-Ing. Martin Sternberg, Präsident der Hochschule Bochum, zeigt die Kooperationsmöglichkeiten zwischen Wirtschaft und Hochschule auf.
Foto: Bernd Richter

Schwelm..  Die Kreisstadt als Hochschulstandort – eine Idee, an deren Verwirklichung nicht nur Bürgermeister Jochen Stobbe seine Freude hätte. Doch ob es jeweils so weit kommen wird, ist noch mit vielen Fragenzeichen versehen. Doch ein erstes Beschnuppern zwischen heimischen Unternehmern und der Hochschule Bochum fand jetzt in der Sparkasse am Bürgerplatz statt.

Fachkräftemangel begegnen

Vor dem Hintergrund eines Fachkräftemangels hatte Stobbe unter dem Titel „Netzwerk Innovation – Kooperationsmöglichkeiten zwischen Wirtschaft und Hochschule“ eine Idee der SPD aufgegriffen. Für viele Unternehmen ist der Fachkräftemangel eine wichtige Standortfrage. Dabei ist die Nachwuchsförderung, und dies durch alle Bereiche eines Unternehmens, eine Möglichkeit, selbst die bestehende Nachfrage zu steuern. Häufig wird in dem Zusammenhang die Frage der Bindung an das eigene Haus zu einer zentralen Frage. Die Verwaltung will den Unternehmen behilflich sein und hatte deshalb vor einem dreiviertel Jahr mit der Hochschule Bochum Kontakt aufgenommen. Bei der Auftaktveranstaltung in Schwelm stellten Prof. Dr.-Ing. Martin Sternberg, Präsident der Hochschule Bochum, und Prof. Dr. Jürgen Bock, Vizepräsident für Hochschulentwicklung und Marketing, die Hochschule Bochum und ihr Studienangebot des berufsbegleitenden Lernens vor.

„Wir sind nicht die Ruhr-Universität“, stellte Prof. Sternberg gleich zu Beginn seines Vortrags fest. Eine wichtige Nachricht für die Teilnehmer, denen teilweise bis dahin die zweite Hochschule auf identischem Campus unbekannt war. Anders als die Ruhr-Uni bietet die Hochschule Bochum ausschließlich berufsbegleitende Studienmodelle in enger Kooperation mit Unternehmen an. „Unsere Studenten haben im Schnitt bessere Ergebnisse als Nur-Studenten vorzuweisen“, so der Hochschulpräsident. Für ihn ist der Bezug zur Praxis entscheidend. Etwas 90 Prozent aller Absolventen würden ihre Abschlussarbeit in Unternehmen machen.

Bürgermeister Jochen Stobbe rückt die Standortfrage in den Fokus. „Wir müssen junge Menschen gewinnen, damit sie der Region nicht verloren gehen.“ Die Großen der Branche wie Dorma habe man im Blick, aber es gebe viele Mittelständler, auf ihrem Gebiet Weltmarktführer, die in den Köpfen der Menschen nicht präsent sind.

Prof. Dr.-Ing. Martin Sternberg kam in seinen Ausführungen noch einmal auf den eingangs erwähnten Hochschulstandort Schwelm zurück: „Bürgermeister Jochen Stobbe hat mich gefragt: Können wir nicht in Schwelm eine Hochschule gründen?“ Die Antwort des Hochschulpräsidenten lautete: „Ja – wenn Sie drei bis fünf Millionen Euro haben.“ So viel Geld bedarf es nämlich pro Jahr, um eine Dependance zu gründen. Velbert/Heiligenhaus hat es vorgemacht. Dort gibt es seit 2009 eine Zweigstelle der Universität Bochum mit 400 Studienplätzen.

„Die zwei Stunden in der Sparkasse haben sich gelohnt, Visitenkarten wurden ausgetauscht und individuelle Beratungstermine vereinbart“, so das positive Fazit von Jochen Stobbe, der sich ein zweites Treffen in Schwelm vorstellen könnte. Und zu seinen Hochschulplänen: „Das ist ein Traum, vielleicht kann man so etwas ja wachsen lassen.“