Tödlicher Unfall bleibt für immer ungeklärt

Autofahrer hatten den leblosen Körper der Frau auf der Linksabbiegespur in Höhe Prinzenstraße gefunden. Welches Fahrzeug das Unfallopfer mitschleifte, konnte bis heute nicht ermittelt werden
Autofahrer hatten den leblosen Körper der Frau auf der Linksabbiegespur in Höhe Prinzenstraße gefunden. Welches Fahrzeug das Unfallopfer mitschleifte, konnte bis heute nicht ermittelt werden
Foto: WP

Schwelm..  Es ist der 4. November 2014, kurz vor 17 Uhr. Der Himmel wolkenbehangen, die Sicht auf den Straßen durch heftige Regengüsse stark eingeschränkt. Eine 61 Jahre alte Schwelmerin befindet sich auf dem Weg von der Innenstadt kommend, hoch zur Hattinger Straße. Sie muss dafür die Berliner Straße überqueren. Wenige Minuten später wird ihr lebloser Körper 800 Meter weiter auf der B7 auf der Linksabbiegespur in Höhe Prinzenstraße gefunden. Bis heute ist unklar und wird es wohl auch bleiben, was in jenen Momenten wirklich geschah. Die Staatsanwaltschaft in Hagen hat das Verfahren mangels Beweise eingestellt – und das, obwohl das Unfallfahrzeug und sein Fahrer eigentlich schon als ermittelt galten.

Unfall löste große Anteilnahme aus

Kein Unfall der vergangenen Jahre löste bei den Schwelmern eine solche Anteilnahme aus. Für die Kreis-Polizei wurde es, bezogen auf eine Unfallermittlung, der aufwändigste Fall der letzten Jahre. „Wir haben wirklich alles in unserer Macht mögliche getan“, erklärte Polizeisprecher Dietmar Trust. „Wir haben Flyer erstellt, Autofahrer befragt, Fachleute zusammengebracht, Gutachter herbeigezogen. Die Kollegen haben viel Herzblut in den Fall gelegt, um zu ermitteln, was genau passiert ist.“

Doch es sollte nicht sein. Dieser Unfall wird zu großen Teilen im Dunkeln bleiben. Und damit auch die Frage: Welches Fahrzeug war daran beteiligt, kann es sein, dass ein Fahrer davon wirklich nichts mitbekommt?

Die Aufklärung genau dieser Fragen war nicht nur Ziel der Ermittler. Sie ist auch wichtig für die Trauerbewältigung der Angehörigen. Denn gerade für sie sei es wichtig zu erfahren, was genau passierte, weiß auch Polizeisprecher Dietmar Trust. Umso tragischer, dass ihnen dies nun allem Anschein nach verwehrt bleiben wird.

Rückblende: Nach dem Fund des Unfallopfers und der Rekonstruktion des Fußweges gilt als sicher, dass die 61-Jährige am 4. November gegen 16.50 Uhr beim Überqueren der B7 von einem Fahrzeug erfasst und 800 Meter weit bis zum Fundort mitgeschleift wurde. Dafür spricht das Auffinden von Teilen der Brille des Unfallopfers wenige Meter vom Fußgängerüberweg entfernt.

Verletzungen am Körper der Toten deuten erst auf einen Pkw als Unfallfahrzeug hin. Die Polizei hofft auf Zeugenaussagen. Doch niemand meldet sich. Kann das wirklich sein, dass niemand etwas mitbekommen hat? Der Unfall ereignete sich während des Berufsverkehrs, an einer der am stärksten befahrenen Kreuzungen im Südkreis.

Zwei Tage später startet die Kreispolizei an selber Stelle zur gleichen Uhrzeit, zu der sich der Unfall ereignete, eine groß angelegte Befragung. Auch diesmal ohne Erfolg.

Die weitere Obduktion ergibt neue Erkenntnisse. Spuren am Körper und an der Kleidung lassen den Schluss zu, dass es sich eher um ein größeres Unfallfahrzeug gehandelt haben muss. Wahrscheinlich blieb das Unfallopfer an einem Fahrzeugbauteil hängen und wurde mitgeschleift.

Die Ermittler konzentrieren sich bei ihrer Suche nun auf den Lkw-Verkehr auf der Straße. Doch der Unfall ist schon Tage her, und mit jedem Tag drohen Spuren am Unfallfahrzeug verloren zu gehen.

Dann, zwei Monate später, folgt die große Überraschung. Die Ermittler stoßen auf eine Videokamera auf einem Gelände an der B7. Und tatsächlich, die Auswertung bringt sie auf eine heiße Spur. Wie die Staatsanwaltschaft in Hagen nun bekannt gab, hätte man auf den Aufnahmen zur Unfallzeit einen vorbeifahrenden Lkw erkennen können, an dessen hinteren Teil ein Schatten zu sehen war.

Heiße Spur führte zu einem Lkw

Weitere Ermittlungen und ein Hinweis führen die Polizei schließlich zu einem Lkw-Fahrer und dessen Fahrzeug. Die Staatsanwaltschaft in Hagen geht schon von einem Ermittlungserfolg aus – doch offensichtlich zu früh.

Wie die Staatsanwaltschaft nun erklärte, hätten Untersuchungen, die am Lkw durchgeführt wurden, den Verdacht auch erst erhärtet. So seien an der Warntafel des Fahrzeuges Spuren gefunden worden, die von der Brille des Unfallopfers stammen könnten. Allerdings fanden die Ermittler am Fahrzeug keine weiteren Hinweise im Zusammenhang mit dem Unfall, und die Spuren an der Warntafel hätten auch anderen Ursprungs sein können.

Die Ermittler vernehmen den Fahrer, der aus allen Wolken fällt. Er bleibt auch bei den weiteren Vernehmungen dabei, dass er nichts wahrgenommen habe, was auf eine Unfallbeteiligung schließen lasse.

Der Staatsanwaltschaft blieb nach eigener Aussage letztlich nichts anderes übrig, als das Verfahren mangels Beweise einzustellen. Die Angehörigen des Unfallopfers hätten dagegen erst Beschwerde eingelegt, diese aber schließlich wieder zurückgezogen, so Oberstaatsanwalt Dr. Gerhard Pauli.

Dass der Unfall jemals aufgeklärt werden kann, wird damit unwahrscheinlich. Die Staatsanwaltschaft würde das Verfahren aber wieder aufnehmen, sollten sich irgendwann einmal neue Ermittlungsansätze ergeben, so Dr. Paul. Die Asservate, wie Brillenteile, Kleidungsstücke, Anhaftungen und andere Spuren, würden auf jeden Fall weiter aufbewahrt.