Todesfall Waltraud F. wird neu aufgerollt

Die Spurensicherung des Polizeipräsidiums Hagen fand damals in der Wohnung von Waltraud F. DNA-Spuren, die eindeutig Advija M. zugeordnet werden konnten. Die Schwelmerin wurde zu vier Jahren Haft verurteilt.
Die Spurensicherung des Polizeipräsidiums Hagen fand damals in der Wohnung von Waltraud F. DNA-Spuren, die eindeutig Advija M. zugeordnet werden konnten. Die Schwelmerin wurde zu vier Jahren Haft verurteilt.
Foto: WP

Schwelm..  Der gewaltsame Tod der Schwelmer Rentnerin Waltraut F. wird neu aufgerollt. Das bestätigte die Rechtsanwältin, die die Hinterbliebenen der Seniorin vertritt, auf Nachfrage unserer Zeitung. Ein Fall, der in der Kreisstadt für Fassungslosigkeit und landesweit für großes Aufsehen sorgte.

Turbulentes Verfahren

Zur Erinnerung: Am 22. Oktober 2013 war die 88-Jährige gefesselt und geknebelt tot in ihrer Wohnung aufgefunden worden. Schnell war den Ermittlern klar, dass nur Advija M., eine Frisörin aus der Nachbarschaft, damit in Zusammenhang gebracht werden konnte. Ein DNA-Abgleich bestätigte dies. Die 46-Jährige hatte sich kurz nach der Tat in Schwelm in Suizidabsicht vor einen Regionalexpress gelegt, überlebt, aber Teile ihrer Füße verloren. Die Staatsanwaltschaft klagte die Schwelmerin wegen Totschlags an.

Aus der Anklageschrift: „Advija M. machte sich auf den Weg zu der 88-Jährigen in die Sedanstraße, um sie um Geld zu bitten. Die demente Seniorin soll plötzlich begonnen haben zu schreien. Um sie zum Schweigen zu bringen, soll Advija M. ihrem Opfer Mund und Nase zugehalten haben, bis diese verstarb.“

Anschließend soll sie die Rentnerin gefesselt und geknebelt sowie die Wohnung verwüstet haben, um einen Raubmord vorzutäuschen. Wertsachen entwendete sie keine, weshalb die Habgier als Mordmerkmal ausschied und die Staatsanwaltschaft lediglich Anklage wegen Totschlags erhob.

Am 10. März 2014 begann ein intensives, teils turbulentes Verfahren mit psychologischen Gutachten und überraschenden Wendungen. Schließlich plädierte die Staatsanwaltschaft auf gefährliche Körperverletzung und beantragte vier Jahre Haft. Das Schwurgericht folgte dem. Die Urteilsbegründung: Die Tat müsse zweiaktig beurteilt werden, für beide müsse der Grundsatz „Im Zweifel für die Angeklagte“ zur Anwendung kommen. So müsse für das Zuhalten von Mund und Nase, bis die 88-Jährige nicht mehr geatmet habe, gelten, dass Waltraud F. danach noch gelebt habe. Für den zweiten Akt hingegen – das Anlegen des Knebels – müsse das Gericht davon ausgehen, dass die Seniorin zu diesem Zeitpunkt bereits verstorben war. Beides könne nicht einwandfrei widerlegt werden. Daher bliebe nur die gefährliche Körperverletzung.

Die Angehörigen der Toten waren entsetzt wegen des aus ihrer Sicht milden Urteils. Die Rechtsanwältin der Nebenkläger – Tochter und Sohn der Toten – legte daraufhin Revision ein. Dabei wird ein Urteil auf formal-rechtliche Fehler des Gerichts untersucht. Und diese fand der Bundesgerichtshof in Karlsruhe. Die Anwältin: „Das Urteil wurde aufgehoben und der Fall zur neuen Verhandlung mit kompletter Beweisaufnahme an eine andere Kammer des Hagener Landgerichts zurückverwiesen.“ Ende August soll der zweite Prozess gegen Advija M. beginnen.