Tiefe Einschnitte in Gemeindestruktur

Propst Norbert Dudek muss Sparvorgaben des Ruhrbischofs umsetzen. Dies wird personell und bei den Immobilien der katholischen Kirche Veränderungen in Schwelm,Gevelsberg und Ennepetal mit sich bringen.
Propst Norbert Dudek muss Sparvorgaben des Ruhrbischofs umsetzen. Dies wird personell und bei den Immobilien der katholischen Kirche Veränderungen in Schwelm,Gevelsberg und Ennepetal mit sich bringen.
Foto: WP

Schwelm/Gevelsberg/Ennepetal..  Die Katholische Pfarrei St. Marien mit ihren Gemeinden in Schwelm, Gevelsberg und Ennepetal blickt schweren Zeiten entgegen. Die unabwendbaren Umbrüche werden alle Bereiche des kirchlichen Lebens betreffen. „Alles wird auf den Prüfstand gestellt werden müssen,“ hatte Propst Norbert Dudek schon vor Monaten mitgeteilt. Jetzt steht fest: Bis zum Jahr 2030 muss die Gemeinde 50 Prozent ihrer Ausgaben und 30 Prozent ihrer Immobilien einsparen.

Transparente Planungen

Diese Zahlen sind keinen Köpfen vor Ort entsprungen, sie sind Vorgaben des Ruhrbistums Essen, das damit auf die rückläufige Kirchensteuer und die düsteren Prognosen für die Zukunft reagiert. Im Bistum wären – sollte sich an der Ausgabenstruktur nichts ändern – die Rücklagen im Jahr 2021 aufgebraucht. „Wir sind vor Ort allerdings noch deutlich besser aufgestellt“, sagt Norbert Dudek. „Wir haben keine teuren Gebäude wie einen gotischen Dom oder Ähnliches. Aber Stand jetzt, wären auch wir wohl um das Jahr 2030 herum pleite.“ Der Propst erläutert, warum: Im Jahr 2012 zählte die Gemeinde noch 17 663 Mitglieder im Jahr 2030 liegen die Schätzungen bei 15 671. „Damit schrumpfen wir deutlich langsamer als andere, aber 2000 Mitglieder weniger bedeutet deutlich weniger Kirchensteuer“, sagt der Propst.

Bis Ende 2017 muss nun ein Votum vorliegen wie die hiesige Gemeinde mit den Vorgaben aus Essen umgeht – und die Arbeit läuft auf Hochtouren. Mitglieder des Pfarrgemeinderats, der Kirchenvorstände und des Pastoralteams haben einen Arbeitskreis gegründet. „Es ist uns sehr wichtig, die Gemeinde in diesen Prozess mit einzubinden und über jede Entscheidung frühzeitig zu informieren“, sagt Dudek, der genau weiß, dass wahrscheinlich alle Entscheidungen, die zum finanziellen Überleben der Gemeinde notwendig sind, Einschnitte vor Ort nach sich ziehen. „Ich erwarte eine intensive Diskussion“, so der Propst.

Nicht kopflos werden

Diese werden auch im Personalsektor geführt. Gedankliche Grenzen gibt es dabei zunächst nicht. Bereits jetzt fahren die heimischen Priester nach Breckerfeld, Halver und Altena, um dort auszuhelfen. Die Gemeindegrenzen könnten zum Beispiel deutlich erweitert werden. Sprockhövel wäre ein Fusionskandidat. Bereits aktuell intensiviert St. Marien die Schulungen für Wortgottesdienstleiter, um dem absehbaren Priestermangel zu begegnen.

Noch intensiver werden Arbeitskreismitglieder über die Zukunft der Gebäude, die sich im Besitz der katholischen Kirche befinden, diskutieren. „Wir werden jedes Gebäude – auch die Kirchen – zunächst nach pastoralen und finanziellen Gesichtspunkten einordnen“, sagt Norbert Dudek. Nutzungsfrequenz, soziale Bedeutung im Stadtteil sowie der historische Wert fließen zudem in ein Ampelsystem mit ein. Fakt ist schon jetzt: Einiges wird wegfallen, was auch strukturelle Veränderungen in der gesamten Gemeindeorganisation nach sich ziehen wird. Wo ist der Pastor demnächst anzutreffen? Wie feiert ein katholischer Kindergarten Gottesdienst, wenn die benachbarte Kirche nicht mehr existiert? „Diese Frage hatten wir bei Heilig Geist in Schwelm schon zu lösen“, sagt Dudek und erläutert das konkrete Vorgehen.

Im ersten Schritt werden demnach die Visionen gesammelt, wie sich die Pfarrei unter den Rahmenbedingungen aufstellen will. Es folgt die Suche nach Antworten auf die Frage: Was tut die Gemeinde, um diese Visionen zu realisieren? Im finalen Schritt wird daraus ein Leitfaden erstellt, der Ende des Jahres 2017 in einer beschlussfähigen Form den kirchlichen Gremien vorgelegt wird, um damit im Ruhrbistum aufzuschlagen.

Dudek ist guter Dinge, die Ziele zu erreichen, weiß aber auch, dass solche Ankündigungen Ängste schüren. „Es gibt keinen Grund zur Panik, wir werden diese Sache nicht kopflos angehen und gestärkt aus diesem Prozess hervorgehen.“