Süchtiger will freiwillig in Knast

Gevelsberg/Schwelm..  Juristen erleben ja viel vor Gericht. Aber Folgendes eher selten: „Ich will so schnell wie möglich in den Knast“, sagte ein 40-jähriger Angeklagter vor dem Schwelmer Strafrichter Tobias Ozimek. „Ich gebe auch alles zu, was mir vorgeworfen wird“, so der Gevelsberger.

Und das waren fünf verschiedene Anklagen. Alles Ladendiebstähle in verschiedenen Geschäften zur Finanzierung seiner Sucht nach Heroin zwischen Juni vergangenen und Februar dieses Jahres. Sportschuhe für 69 Euro, Tabak für 14,85 Euro, Kosmetika für 87,60 Euro, Kaffee für 8,99 Euro sowie Spirituosen für 34,86 Euro.

Acht Drogentherapien habe er hinter sich, sagte der 16-fach Vorbestrafte. Kurz vor den neuerlichen Taten sei er rückfällig geworden, da seine Mutter Suizid begangen habe, so der Mann weiter, der unter Führungsaufsicht steht und darüber hinaus eine Bewährungshelferin hat.

Der 40-Jährige: „Ich habe noch 32 Monate Knast offen. Ich habe alles getan, damit die Bewährung widerrufen wird. Ich habe alle Auflagen gebrochen, um wieder hinter Gitter zu kommen. Nichts tat sich. Wäre ich früher inhaftiert worden, hätte ich die neuen Straftaten nicht begangen.“

Nur im Knast könne er drogenfrei leben und eine Therapie anstreben. Eine Substitution mit Ersatzmitteln helfe ihm nicht.

Oberamtsanwältin Herzig war wie alle Anwesenden im Saal schockiert: „Das kann doch keine perspektivische Lösung sein!“

Dem Gefängnis-Wunsch musste aber nachgekommen werden. Das Gericht verurteilte ihn zu einer Freiheitsstrafe über 15 Monate. Inklusive der widerrufenen Bewährungsstrafe ergeben sich zwei Jahre und sechs Monate Knast. Der Angeklagte zeigte sich zufrieden mit dem Urteil.