Suche nach einer Lösung für die schiefen Türme

Die Türme der altehrwürdigen Christuskirche driften immer weiter auseinander. Nun scheint die Ursache dafür gefunden zu sein: Das Fundament des Südturms steht auf lehmigem Boden.
Die Türme der altehrwürdigen Christuskirche driften immer weiter auseinander. Nun scheint die Ursache dafür gefunden zu sein: Das Fundament des Südturms steht auf lehmigem Boden.
Foto: Volker Speckenwirth (WR)

Schwelm..  Wer vor den imposanten Türmen der Christuskirche steht, kann noch so genau hinschauen – ihm wird kaum auffallen, dass der Südturm abdriftet. Doch genau diese bittere Erkenntnis erhielt die evangelische Kirchengemeinde nach Untersuchungen durch die „Arbeitsgemeinschaft Historischer Bauten“ vor exakt zwei Jahren. Seitdem isst die Gemeinde fleißig, um die siebenstelligen Sanierungskosten irgendwie schultern zu können (siehe weiterer Bericht). Aber was ist außerdem eigentlich seit diesem verhängnisvollen März 2014 passiert? Baukirchmeister Hans-Joachim Fettke gibt einen Überblick.

Expertenteam nimmt Arbeit auf

Eine kleine Zwischenbilanz vorweg: Nach allem, was sich nun abzeichnet, wird die Sanierung wohl teurer, als die bereits 2014 prognostizierten 1,3 Millionen Euro. Dies ist auch das Ergebnis der gemeinsamen Arbeit des Baukirchmeisters und einer ganzen Runde von Experten, die sich mit der Substanz und den infrage kommenden Sanierungsmaßnahmen für das Wahrzeichen der Kreisstadt auseinander setzen: Architekt Christoph Wissmann beschäftigt sich intensiv mit der Sanierungsarbeit, Geologe Matthias Pulsfort begleitet das Vorhaben ebenso wie das Büro Sauder, das auf Denkmalpflege speziell für Sandstein und Fugenmörtel spezialisiert ist. Außerdem sind während der vergangenen zwei Jahre die Ämter für Denkmalpflege eingebunden worden, etliche historische Fotos und Aufzeichnungen gesichtet und ausgewertet worden.

Risse schon beim Bau 1845

„Den Unterlagen aus dem Archiv konnten wir entnehmen, dass schon beim Bau der Kirche Risse im Kirchenschiff und über dem Haupteingang auftraten, dass der Südturm sich schon 1845 neigte und deshalb die Bauarbeiten bereits 1845 für ein Jahr ausgesetzt wurden“, schreibt Hans-Joachim Fettke im aktuellen Gemeindebrief. Im August vergangenen Jahres hatte schließlich die Firma Georadar aus Bochum das Erdreich bis zu einer Tiefe von vier Metern inner- und außerhalb der Kirche weiträumig untersucht.

Anschließend kam die Firma DMT aus Essen nach Schwelm und begutachtete mit der so genannten der Refraktionsseismik den Boden bis in eine Tiefe von zwölf Metern. Im Januar diesen Jahres folgten schließlich Probebohrungen bis 14 Meter Tiefe direkt neben den Fundamenten sowie Kernbohrungen am Mauerwerk und den Fundamenten. Ergebnis: Die alten Fundamente der Vorgängerkirche und das Quellwasser sind nicht für die Turmneigung verantwortlich. Vielmehr steht jetzt fest, dass der Boden unter dem Südturm erst in einer Tiefe von zwölf Metern fest und felsig wird, während die Fundamente unter ihm zwei Meter tief in das Erdreich ragen und somit auf einem lehmigen Boden stehen.

Schiefer Turm von Pisa als Vorbild

Mit diesen Erkenntnissen sollen Gutachter und Experten nun Lösungen finden, den Südturm zu stabilisieren. Nach derzeitigem Kenntnisstand stehen diverse Alternativen zur Verfügung. Zur Debatte steht auch die so genannte Bodenextraktions-Methode, wie sie beim schiefen Turm von Pisa zu dessen Sicherung angewandt wurde. „All dies kostet jedoch Zeit und Geld“, sagt der Schwelmer Baukirchmeister. Beides – vor allem Geld – muss die Gemeinde nun in erheblichem Maße aufbringen.