Stinkefinger kostet 350 Euro

Schwelm..  Wo werden selbst sonst integere Menschen zum Wüterich? Laut Statistik im Straßenverkehr. Aber dem anderen Autofahrer nach dessen subjektiv empfundenen Fehlverhalten den so genannten „Stinkefinger“ zu zeigen, kann teuer werden. Diese Erfahrung musste eine 24-jährige Autofahrerin aus Wuppertal vorm Schwelmer Strafgericht machen. Dort musste sie sich wegen Beleidigung verantworten. Angezeigt wurde sie von einer 57-jährigen Schwelmerin.

Letztlich handelte es sich um eine unübersichtliche Verkehrssituation an der Kreuzung Hegel-/Kantstraße. Sowohl Angeklagte als auch Zeugin stritten vor Gericht vortrefflich darüber, wer dort Verkehrsregeln missachtet habe. Doch darum ging es Strafrichter Cardue nicht. Die einzig relevante Frage: Hatte die junge Wuppertalerin den Stinkefinger gezeigt oder nicht?

Kein unbeschriebenes Blatt

Die Beschuldigte bestritt dies. Sie hatte im Gegenzug die ältere Schwelmerin angezeigt. Sie habe ihr „den Vogel“ gezeigt. Das Verfahren gegen die Kreisstädterin wurde von der Staatsanwaltschaft eingestellt. Nun als Zeugin vor Gericht wiederholte die 57-Jährige wortreich, wie beleidigt sie sich durch besagten Mittelfinger gefühlt habe. „Ich sah sogar den roten Nagellack!“

Problem der Angeklagten: Sie ist kein unbeschriebenes Blatt. Bereits einmal ist sie wegen Widerstandes und Bedrohung von Vollstreckungsbeamten und einmal wegen Beleidigung einer Politesse („Du alte Schlampe!“) rechtskräftig verurteilt worden. Genug Indizien für das Gericht. Die 24-Jährige wurde zu 350 Euro Geldstrafe verurteilt.