Stephan Langhard führt die Netzgesellschaft

Sie sind strategische Partner: Uwe Träris (Vorstand der AVU) und Bürgermeister Wilhelm Wiggenhagen (rechts) mit Vertretern der Politik und der Stadtverwaltung sowie den Beratern, die an der Vereinbarung mitwirkten.
Sie sind strategische Partner: Uwe Träris (Vorstand der AVU) und Bürgermeister Wilhelm Wiggenhagen (rechts) mit Vertretern der Politik und der Stadtverwaltung sowie den Beratern, die an der Vereinbarung mitwirkten.
Foto: WP

Ennepetal..  Die Stadt Ennepetal hat weitere Schritte für die Übernahme der Strom- und Gasversorgung in Eigenregie unternommen. Der Rat bestellte Stephan Langhard einstimmig zum Geschäftsführer der neu zu gründenden Netzgesellschaft Ennepetal GmbH & Co. KG. Der Leiter des Fachbereichs Bürgerdienste und Stadtentwicklung wird diese Aufgabe nebenamtlich übernehmen.

An der neuen Gesellschaft werden die Stadt mit 51 Prozent und die AVU mit 49 Prozent beteiligt sein. Sie soll das Strom- und Gasnetz von der AVU Netz GmbH kaufen (wir berichteten) und sich um die Konzession für die Belieferung mit Strom und Gas bewerben. Bei einem Zuschlag würde sie dann das Netz für 20 Jahre an die AVU Netz GmbH verpachten. „Erst wenn wir die Konzession wirklich haben, werden wir uns über einen endgültigen Geschäftsführer Gedanken machen“, erklärte Kämmerer Dieter Kaltenbach auf Anfrage dieser Zeitung. Das sollte dann vorzugsweise jemand mit Erfahrung im Energiegeschäft sein.

Stadtrat legt Kriterien fest

Kaltenbach erläuterte, dass der Geschäftsführer der Netzgesellschaft nicht mehr Kenntnisse über die Details der von der Stadt vorgenommenen Ausschreibung für die Konzession haben dürfe als die möglichen Mitbewerber. Daher sei kein Mitarbeiter aus dem Fachbereich Finanzen und allgemeiner Service, der eben diese Ausschreibung vorbereite, für die Position in Frage gekommen. „Stephan Langhard wird an Sitzungen zu diesem Thema konsequent nicht teilnehmen“, betonte der Kämmerer.

Bis Mitte des Jahres soll die Netzgesellschaft gegründet werden. Zudem wird der Rat voraussichtlich am 11. Juni die Kriterien für die europaweite Ausschreibung der Konzession, die ihm wichtig sind, festlegen. Neben der Netzgesellschaft Ennepetal können sich natürlich auch weitere Unternehmen bewerben. Die Höhe der Konzessionsabgaben ist gesetzlich geregelt. Sollte es weitere Bewerber geben, erklärte Dieter Kaltenbach, würden diese voraussichtlich auch allesamt Angebote machen, die Konzessionsabgaben an die Stadt in der höchst möglichen Höhe vorsehen.

Dann komme es darauf an, welches Angebot den vorgegebenen Kriterien am ehesten entspreche. Natürlich setzt die Stadt darauf, dass die Netzgesellschaft Ennepetal zum Zuge kommt, weil ansonsten alle Pläne in dieser Hinsicht hinfällig würden.

Der Rat hat auch für einen weiteren Schritt im Zuge der Rekommunalisierung des Strom- und Gasnetzes grünes Licht gegeben. Der Geschäftszweck der Kluterthöhle + Freizeit GmbH & Co. KG, die als hundertprozentige Tochtergesellschaft der Stadt die Kluterthöhle, das Haus Ennepetal und das „Platsch“ in sich vereint, wird um den Erwerb und die Anpachtung von Energienetzen erweitert.

11 Millionen Euro stehen bereit

Hintergrund ist, dass der 51-prozentige Anteil der Stadt an der neuen Netzgesellschaft von der Kluterthöhle + Freizeit GmbH & Co. KG gehalten werden soll. Somit können die Erträge aus der Netzverpachtung dann mit den Verlusten, die insbesondere das „Platsch“ jährlich verbucht, verrechnet werden. So könne die Stadt Steuern sparen, erklärte der Kämmerer der Stadt Ennepetal.

Nach dem einstimmigen Ratsbeschluss gehe es nun an die technische Umsetzung. Unter anderem müssten steuer- und EU-beihilferechtliche Fragen geklärt werden, so Dieter Kaltenbach. Er erklärte, dass man dann mit der Netzgesellschaft Ennepetal zum 1. Januar 2016 an den Start gehen wolle. Zunächst müsse die neue Gesellschaft noch das Eigentum an den Netzen erwerben. Dafür stehen 11 Millionen Euro an Haushaltsmitteln bereit. Der Kämmerer geht aber davon aus, dass dieser Betrag bei weitem nicht ausgeschöpft werden muss.

INFO:

Die Netzgesellschaft Ennepetal GmbH & Co. KG wird einen Beirat erhalten, der die Geschäfte kontrollieren wird.

Die Zusammensetzung des achtköpfigen Gremiums orientiert sich an den Fraktionsstärken im Rat (d’Hondtsches Verfahren).

Der Rat wählte neben Adriane Dulk als Vertreterin der Stadtverwaltung folgende Mitglieder: Volker Rauleff, Theo Bicking, Elmar Herrmann (alle SPD), Daniel Heymann (CDU), Michael Haas (FDP, aber auf CDU-Ticket, da seine Partei keinen Sitz erhalten hätte), Stefan Mayer-Stoye (Bündnis 90/Die Grünen) und Jens Knüppel (FWE).