Städteplanung aus Sicht der kleinen Bürger

Krankenhaus, Fußballstadion und Reitplatz: So stellen sich die Kinder ihre Stadt vor:
Krankenhaus, Fußballstadion und Reitplatz: So stellen sich die Kinder ihre Stadt vor:
Foto: Andreas Reinshagen

Schwelm..  „If my mother only knew“ steht auf dem grauen Shirt des sechsjährigen David Köthe. Frei übersetzt heißt das: Wenn doch meine Mutter nur wüsste. David hat nichts angestellt, er hat einfach nur eine eigene Stadt aus Pappe gebaut. Und die ist gleich so groß und realistisch geworden, dass er sie heute seiner Mutter und den anderen Eltern zeigen wird.

Ob sie schon weiß, was er da so alles gebaut hat? „Die Ampel muss noch mal festgeklebt werden“, sagt David Köthe und prüft seine Modellstadt bei der Präsentation für unsere Zeitung. Und die hat wirklich alles das, was eine Kleinstadt haben sollte. Eine Feuerwache, eine eigene Polizeistation, Hochhäuser, Autos und Firmen hat er mit den anderen Kindergartenkindern gemeinsam über mehrere Monate nachgebaut.

Projekt zur Partizipation

Alles nur Spielerei? Die Umsetzung zeigt ganz andere Eindrücke. Entstanden ist die Idee im Rahmen eines Projektmodells zur Partizipation des Kindergartens. Hierbei geht es darum, dass schon die kleinen Kinder ihre Bedürfnisse und Wünsche äußern können. „Das Arbeiten mit den Wünschen der Kinder ist uns sehr wichtig“, sagt die Leiterin der Kita, Britta Schilling, „wir möchten alle beteiligen und den Alltag einbinden.“ Es geht darum die Kinder in den gemeinsamen Tagesablauf einzubeziehen.

Die Wünsche können dabei ganz unterschiedlich sein: vom Kuchenbacken über das Spielen mit einem Kind aus einer anderen Gruppe oder einfach noch mal ein Waldspaziergang. Den Bau der Modellstadt haben die Kinder ebenfalls selbst vorgeschlagen. Initiator dieser Idee war David Köthe, der in einem der wöchentlichen Kindersitzungen das Thema vorgeschlagen hatte. Hierbei haben die sie die Möglichkeit ihre eigenen Ideen einzubringen. Natürlich waren auch sofort die übrigen Kinder der Gruppen „Bärenbande“ und „Tigergruppe“ vom Städtebauplan des Sechsjährigen begeistert.

Bei der Betreuung und Umsetzung der Bauphase helfen dann natürlich die Betreuer. Das Kritzelzimmer in der Einrichtung im ersten Stock soll den Kindern bei kreativen Projekten wie Malen oder Basteln zur Verfügung stehen. Die Verwirklichung der eigenen Stadt zeigt, dass das Konzept offensichtlich funktioniert. „Ich war überrascht, dass die Kinder schon vieles aus der Stadt kannten“; sagt Schlilling.

Demnächst eine Ritterburg

Das nächste Projekt steht auch schon in den Startlöchern: eine große Ritterburg ist dazu bereits in der Planung. David Köthe arbeitet dazu bereits schon am Mauerwerk, durch die dann am Ende eine Murmelbahn gehen soll. „Danach baue ich einen Ritter mit Rüstung , Helm, Schwert und einem Pferd“, sagt er, schneidet noch den Torbogen aus und verschwindet in die Muckibude.

Ein Raum für die Bewegung der Kinder, denn die Räumlichkeiten in Linderhausen sind auch als Bewegungskindergarten anerkannt.