Stadtgeschichte muss Neubauten weichen

Das Hauptgebäude von der Blücherstraße aus gesehen: Frey-Bau hat für den Abriss acht Wochen eingeplant.
Das Hauptgebäude von der Blücherstraße aus gesehen: Frey-Bau hat für den Abriss acht Wochen eingeplant.
Foto: WP

Schwelm..  Die Kreisstadt baut an ihrer neuen Mitte: Die nicht denkmalgeschützten Teile der Brauerei sind schon lange abgerissen worden. Das Gebäude der ehemaligen Pestalozzischule an der Lohmannsgasse gibt es seit wenigen Tagen nicht mehr. Und in circa acht Wochen wird auch ein großer Teil des Marienhospitals der Vergangenheit angehören. In der letzten Woche haben die Abrissarbeiten für das ehemalige Krankenhaus der katholischen Kirchengemeinde begonnen.

Radiologen praktizieren weiter

Die Abrissbagger werden sich in den nächsten Wochen durch das Hauptgebäude, die Cafeteria und den östlichen Patiententrakt arbeiten und diese Bereiche dem Erdboden gleichmachen. Die Gebäudeteile, in denen sich noch die Gemeinschaftspraxis für Radiologie und Nuklearmedizin Manfred Franzen, Dr. med. Evelyn Stauch, Dr. med. Kerstin Kohnert und Dr. med. Thorsten Burian an der August-Bendler-Straße 10 befinden, bleiben vorerst unberührt. „Wir bleiben mit unserer Praxis in Schwelm, voraussichtlich im Spätsommer bzw im Herbst werden wir an unseren neuen Standort umziehen“, beruhigten Dr. Thorsten Burian.

Die Radiologen haben einen neuen, ca. 500 Meter entfernt liegenden Standort für ihre Gemeinschaftspraxis gefunden, der auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut zu erreichen ist und über ausreichende Parkmöglichkeiten verfügt. „Bis zu unserem Umzug wird auch am alten Standort am Marienhospital die medizinische Versorgung für unsere Patienten im vollen Umfang erhalten bleiben“, ergänzt Dr. Burian weiter.

Die Bauvoranfrage für das gesamte Projekt „Marien-Carré“ ist von der Stadt positiv beschieden worden. Die Baugenehmigungen für zwei der insgesamt sieben geplanten Mehrfamilienhäuser liegen vor. In rund einem Jahr werden die ersten Eigentümer in ihre neue Wohnungen an der Blücher­straße einziehen können. Susanne Lohmann, Geschäftsführerin der Firma Frey-Bau an der Scharpenberger Straße in Ennepetal, spricht von einer regen Objekt-Nachfrage. In einem ersten Bauabschnitt werden jeweils sieben Eigentumswohnungen in zwei Häusern errichtet. Sechs der Wohnungen haben bereits Käufer gefunden. Die Penthouse-Wohnungen von allen vier Gebäuden, die einmal an der Blücherstraße stehen werden, waren als erste vergeben.

Für die Schwelmer Bürger verschwindet mit dem Abriss des alten Krankenhauskomplexes zwischen Blücherstraße und August-Bendler-Straße auch ein Stück Stadtgeschichte. Das Marienhospital ist in den Herzen der alten Kreisstädter tief verankert. In der Vergangenheit musste es so manchen Sturm trotzen. Gleich mehrmals sollte es in den zurückliegenden Jahrzehnten aus dem Krankenhausbedarfsplan gestrichen werden. Und nur durch jeweils einen kleinen Volksaufstand und Unterschriftensammlungen in Schwelm konnte es mehrmals in letzter Sekunde gerettet werden.

Im August 1893 wurde das Krankenhaus von der Katholischen Kirchengemeinde St. Marien eröffnet. Die Kliniken St. Antonius übernahmen 1995 das Marienhospital. Vor fünf Jahren wurde der Verbund schließlich von der Stiftung der Cellitinnen in Köln übernommen. Über 1,2 Millionen Euro Spendengelder hatte der im Dezember 1978 gegründete Verein „Zur Förderung des Marienhospitals“ bis zu seiner Auflösung in der Schwelmer Bevölkerung gesammelt.

Insgesamt handelt es sich um ein ca. 6300 qm großes Areal. Frey-Bau plant sieben dreigeschossige Gebäudekörper mit einem zusätzlichen Staffelgeschoss und einem Satteldach. Die ursprünglichen Planungen sind abgeändert worden, es werden nun auch mehrere Zwei-Zimmer-Wohnungen gebaut. Dadurch erhöht sich die Zahl der Wohnungen von ursprünglich 61 auf aktuell 67 Wohnungen.