Stadt rechnet mit Engpass bei U3-Betreuung

Für insgesamt 222 Kinder wurde aktuell einePlatz in der U3-Betreuung der Stadt gebucht.
Für insgesamt 222 Kinder wurde aktuell einePlatz in der U3-Betreuung der Stadt gebucht.
Foto: WAZ FotoPool

Gevelsberg..  Die Stadt Gevelsberg hat ein Luxusproblem, um das sie sicherlich beneidet wird. Bisher hat die Kommune mit etwa 200 Geburten im Jahr gerechnet und auf dieser Basis ihre U3-Betreuung geplant. Doch seit 2010 steigt die Zahl kontinuierlich an. 2014 wurden beim Einwohnermeldeamt sogar 245 Babys registriert. Eine freudige Entwicklung, die das Jugendamt jedoch vor eine Herausforderung stellt: Die Kita-Plätze werden knapp.

Der Elternwille zählt

„Für das nächste Kindergartenjahr fühlen wir uns noch gut aufgestellt“, betont Michael Pfleging, Fachbereichsleiter für Bildung, Jugend und Soziales. Unsicher sei jedoch, wie es in den nächsten Jahren aussehen werde. Denn das hänge von vielen Faktoren ab: Davon, wie viele Eltern eine Betreuung überhaupt wünschen, wie viele stattdessen Betreuungsgeld beantragen und vor allem von der Tatsache, ob der Babyboom weiter anhält. Deshalb soll noch in den kommenden Wochen der Kinderbedarfsplan fortgeschrieben werden. Außerdem will das Jugendamt gemeinsam mit den freien Trägern nach weiteren Ausbaumöglichkeiten suchen. Die Gespräche laufen bereits. „Unsere bisherige Strategie war es, vorhandene Räumlichkeiten zu nutzen, umzubauen und zu erweitern“, erklärt Pfleging. Denn wenn die Zahl der Kinder irgendwann wieder sinkt, würde so ein Leerstand vermieden, die Räume könnten anderweitig genutzt werden. „Das hat in den vergangenen Jahren super geklappt“, so der Stadtmitarbeiter. Doch diese Reserven seien irgendwann erschöpft. Die Kita-Situation müsse aufgrund der aktuellen Entwicklung neu bewerten werden, so Pfleging. Er wird das Thema deshalb in der nächsten Jugendhilfeausschuss-Sitzung auf die Tagesordnung bringen. „Die Zeit von der Geburt bis zur Anmeldung im Kindergarten ist kurz“, die Stadt müsse vorbereitet sein. Doch das sei gar nicht so einfach.

Thema im Jugendhilfeausschuss

Bisher nehmen etwa 50 Prozent der Gevelsberger Eltern, deren Kinder die U-3-Plätze buchen könnten, stattdessen das Betreuungsgeld in Anspruch. Diese Zahl könne sich jederzeit ändern. Zudem fehlen Erfahrungswerte, weil das Angebot erst seit etwa einem Jahr existiert. Wie viele neue Familien durch das Neubaugebiet Dörnerbusch nach Gevelsberg gelockt werden und wie viele Kinder dabei sind, ist ebenso ungewiss wie die Geburtenentwicklung selbst.

Aktuell stehen 171 U3-Plätze in den Kindertageseinrichtungen und 78 in den Tagespflegestellen zur Verfügung. Die Einrichtungen sind voll, in den Pflegestellen gibt es noch Kapazitäten für 37 Kinder unter drei Jahren. Für das kommende Kindergartenjahr ist das Betreuungsangebot erweitert worden. Dann gibt es 187 U3-Plätze in den Einrichtungen und etwa 90 bei Tagesmüttern. Das wird wohl reichen, um die steigende Kinderzahl und einen möglichen höheren Bedarf abzudecken, so Pfleging. Gewissheit gibt es im März, wenn sich die Eltern entschieden haben.

Die meisten Plätze in der U-3-Betreuung werden übrigens von Kindern im Alter von zwei bis drei Jahren belegt (2013 waren es 70 Prozent). Die wenigsten sind jünger als ein Jahr (zehn Prozent). Seit dem 1. August 2013 besteht ein Rechtsanspruch für Kinder unter drei Jahren auf Förderung in einer Kita oder in der Tagespflege. Die vorgegebene Betreuungsquote liegt bei 35 Prozent, im Gevelsberg lag sie bereits zu dieser Zeit bei 37,4 Prozent, wie einer Ausschussvorlage vom Oktober 2013 zu entnehmen ist. „Wir haben schon früh auf die steigende Kinderzahl reagiert, indem wir zum Beispiel auch die Großtagespflegestelle eingerichtet haben“, erklärt Pfleging. Diese ist im Herbst 2013 in der Grundschule Schnellmark an den Start gegangen.

2014 sind rechnerisch betrachtet mal eben eineinhalb Kindergartengruppen dazu gekommen, die nicht einkalkuliert waren. Pfleging: „Und dafür müssen wir nun eine Lösung finden, das machen wir aber gern.“