Stadt muss sparen – TBS bilden nicht mehr aus

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Schwelm..  Die Konsolidierung des Schwelmer Haushaltes wirkt sich an Stellen aus, die man damit eigentlich gar nicht in Verbindung bringen würde. Beispielsweise bei der Ausbildung junger Menschen. Wie jetzt bekannt wurde: Die Technischen Betriebe Schwelm als städtischer Eigenbetrieb bilden auf absehbare Zeit nicht mehr aus.

Dies bestätigte TBS-Vorstand Markus Flocke auf konkrete Nachfrage am Dienstag im TBS-Verwaltungsrat. Dass dies bedauerlich sei, wie es aus Reihen der Politik verlautete, wollte Flocke nur bestätigen: „Sie sprechen mir aus der Seele.“

Die Begründung der Technischen Betriebe: Bei den TBS, so Flocke, würden in den kommenden fünf Jahren absehbar keine Stellen durch Altersaustritte frei. Es würde also in naher Zukunft nicht mehr für den Eigenbedarf ausgebildet. In Abwägung dessen und der finanziellen Situation der Stadt Schwelm habe man sich daher schweren Herzens entschlossen, in den nächsten Jahren keine Ausbildungsplätze mehr anzubieten. Sobald absehbar Stellen neu zu besetzen sind, wolle man wieder ausbilden, so Flocke. „Das ist so vorgesehen.“

Die Technischen Betriebe haben in den vergangenen Jahren in der Regel immer zwei Auszubildende pro Jahr eingestellt, teilte Ute Bolte, Kaufmännische Leitung und Vorstandsmitglied bei TBS, auf Nachfrage mit. Die Technischen Betriebe sind Ausbildungsbetrieb im Bereich Garten- und Landschaftsbau. Im Bereich der Kfz-Werkstatt wurde jüngst ausnahmsweise zusätzlich ein junger Mensch zum Mechatroniker ausgebildet.

Ziel sei es immer gewesen, den eigenen Azubis nach ihrer dreijährigen Ausbildung eine Stelle im Betrieb anbieten zu können, und sei es „nur“ mit Zeitverträgen. Das sei auch in diesem Jahr gelungen, erklärte Bolte. Einer der beiden Azubis, die ihre Ausbildung im Sommer beendeten, habe die Branche gewechselt, der andere habe eine vakante TBS-Stelle befristet besetzt.

Den Einspar-Effekt für den städtischen Haushalt durch den Verzicht auf Ausbildung bezifferte Markus Flocke mit 50 000 Euro pro Jahr. Ute Bolte betonte im Gespräch mit unserer Zeitung, dass die TBS der gesellschaftlichen Verpflichtung zur Ausbildung positiv gegenüberstehe, die Entscheidung dagegen allein der Haushaltslage geschuldet gewesen sei.

Mitgliedschaften gekündigt

Auch an anderer Stelle haben die TBS-Verantwortlichen unter dem Einspar-Diktat den Rotstift angesetzt, wenngleich in anderer Größenordnung. So teilte TBS-Vorstand Markus Flocke am Dienstag im Verwaltungsrat mit, dass die Technischen Betriebe Schwelm ihre Mitgliedschaft in der ehemaligen Kommunalen Abwasserberatung, heute unter dem Dach der Kommunalagentur, aufgekündigt hätten. Dadurch spare die TBS jährlich 3500 Euro. Die Technischen Betriebe seien durch andere Kontakte so gut vernetzt, dass eine Mitgliedschaft in diesem Verbund als verzichtbar angesehen wird.

Aufgekündigt haben die TBS ferner ihre Mitgliedschaft im Verbund der kommunalen Städtereinigungsunternehmen, die pro Jahr rund 2500 Euro kostete. Auch hier kamen die TBS-Verantwortlichen unter der Spar-Prämisse zur Einschätzung: verzichtbar.

Zinssatz bei Abwassergebühren

Der Konsolidierung geschuldet, wie der TBS-Vorstand im Verwaltungsrat erklärte, war auch der Vorschlag von den TBS, den Zinssatz für die Kalkulation der Abwassergebühren mit 5,25 Prozent beizubehalten. Der Zinssatz, mit dem die TBS im nächsten Jahr den Gebührenzahler konfrontiert, wird damit nicht dem allgemein niedrigen Zinssatz angepasst, sprich gesenkt. Genau dafür hatte sich im Verwaltungsrat Klaus Meckel, sachkundiger Bürger der FDP, ausgesprochen. Sein Antrag, den kalkulatorischen Zinssatz auf 4,95 Prozent abzusenken, wurde vom Verwaltungsrat mehrheitlich abgelehnt, die Beibehaltung von 5,25 Prozent anschließend mehrheitlich beschlossen.