Stadt geht für ihre Jugendlichen auf die Straße

Sarah Knebel und Ryan Guzman suchen die Jugendlichen im Stadtgebiet auf.
Sarah Knebel und Ryan Guzman suchen die Jugendlichen im Stadtgebiet auf.
Foto: Klaus Bröking

Gevelsberg..  Bei sommerlichen Abendtemperaturen sind sie nicht zu übersehen: Die Jugendlichen, die sich buchstäblich auf der Straße treffen. Bis zu 3000 Mädchen und Jungen sind es allein im Gevelsberger Stadtgebiet, schätzt Manuel Ashauer. Um sie nicht allein zu lassen, arbeiten für die Stadt zwei Sozialarbeiter, die mit ihrem Jugendbus einen Treffpunkt nach dem anderen abfahren, um den jungen Menschen eins zu zeigen: Eure Heimatstadt macht auch euch ein Angebot.

Es gibt auch Talente zu entdecken

Wenn Jugendliche sich zum Beispiel am Ennepebogen, in Berge, am Vogelsang oder in Silschede treffen, dann sei das sicherlich in erster Linie nicht schlecht, vor allen Dingen keine Gefahr für andere Menschen, warnt Bürgermeister Claus Jacobi vor Vorurteilen. Man könne eben, „wie in meiner Jugend“, nicht erwarten, dass die jungen Menschen sich Institutionen anvertrauen. Viele würden sich nicht mehr in Vereinen engagieren oder das Städtische Jugendzentrum Libber aufsuchen. Aber auch für diese Jugendliche müsse die Stadt ein Ansprechpartner sein, wenn sie Probleme hätten oder es auch gelte, Talente zu entdecken und zu fördern.

Das ist nun die Aufgabe von Sarah Knebel und Ryan Guzman. Sie haben einen auffälligen Jugendbus und bunte Klappstühle dabei, wenn sie die Treffpunkte der Cliquen in der Stadt abklappern. „Durch den Bus müssen sie nicht in der Gegend herum stehen wie die Zeugen Jehovas. Sie sind auffällig mit ihrem Angebot und bekommen schneller Kontakt“, meint Manuel Ashauer. Und wenn die Markise am Dach ausgerollt, Tisch und Stühle ausgepackt sind, dann sieht es fast aus wie auf einem Campingplatz.

Jacobi fordert auch von den Erwachsenen, mehr Verständnis für Jugendliche aufzubringen. Es sei durchaus normal, wenn ein Dutzend Mädchen und Jungen sich im Park treffen. „Wir selbst sind doch dabei, das Leben wieder verstärkt in den öffentlichen Raum zu verlagern“, argumentiert der Bürgermeister und denkt dabei sicherlich auch als Vorbild an die Marktplätze und Hafenanlagen südlicher Länder, wo die Menschen noch stärker flanieren als auf der Mittelstraße. „Wenn dann mal ein Bier getrunken wird, ist es auch nicht sofort schlimm“, so Ashauer. Das machten die Erwachsenen in der Außengastronomie der Restaurants in der Gevelsberger Innenstadt schließlich auch. Nur: Junge Menschen hätten oft kein Geld, die Preise auf der Getränkekarte zu bezahlen und müssten deshalb Alternativen finden.

Dass es nicht schlimm wird, dafür sollen sich auch Sarah Knebel und Ryan Guzman einsetzen. Sie sind der heiße Draht dieser jungen Bürger direkt ins Gevelsberger Rathaus.