Sprache ist Schlüssel zur Integration

Das Thema Flüchtlingskinder stand bei der Lesehelfergruppe Mentor in Gevelsberg auf der Tagesordnung. Michael Pfleging (links) mit Mentor-Chef Klaus R. Wortmann.
Das Thema Flüchtlingskinder stand bei der Lesehelfergruppe Mentor in Gevelsberg auf der Tagesordnung. Michael Pfleging (links) mit Mentor-Chef Klaus R. Wortmann.
Foto: WP

Gevelsberg..  In Gevelsberg tut man eine ganze Menge für die Unterstützung von Flüchtlingen. Mit Stadt, Stadtbücherei und Lesementoren haben sich nun drei wichtige Säulen gebildet, um diese Menschen nachhaltig zu integrieren.

Der monatliche Lesementoren-Club traf sich nun in der Stadtbücherei zu einem weiteren Netzwerkprozess. Mit rund 30 Besuchern aus Mentoren-Vereinigung, aber auch Gästen aus Schwelm und Ennepetal, war das Interesse groß. Michael Pfleging, städtischer Fachbereichsleiter, war zu Gast und hob die Wichtigkeit der Leseförderung hervor, um eingewanderten Schülern, aber auch Erwachsenen möglichst schnell Deutsch beizubringen. „Wir nutzen inzwischen verschiedene pädagogische Konzepte und arbeiten nicht nur mit den Grundschulen zusammen, sondern zukünftig auch mit allen weiterführenden Schulen“, informierte Pfleging und nannte Bücher und Spiele als wichtige Lernmatarialien.

Wie groß der Förderbedarf ist, weiß auch Klaus R. Wortmann, Vorsitzender der rund 70 ehrenamtlichen Leselern-Mentoren in Gevelsberg. So sei man früher den einfachen Weg gegangen, habe es den Asylanten bewusst nicht zu wohnlich gemacht und die Schüler, wenn sie kein Deutsch konnten, ungeachtet der Vorkenntnisse auf die Hauptschule geschickt, sprach Wortmann den erfolgreich vollzogenen Paradigmenwechsel an. „Wir sehen uns inzwischen als offene, tolerante Gesellschaft und wollen den Flüchtlingen ein Stück Heimat geben.“

3300 Eurp pro Sprachkurs

Dass man keinesfalls nur die Kinder unterstützen dürfe, sondern auch die Erwachsenen, stellte Pfleging heraus und ergänzte, dass es durch ein außerordentlich hohes Spendenaufkommen von 3300 Euro pro Kurs gelungen sei, sieben Sprachkurse anzubieten und den Bedarf damit größtenteils abdecken zu können. Diese Kurse finden bei der VHS statt und sehen jeweils 16 Unterrichtswochen á sieben Stunden vor. Außerdem soll es anschließend Aufbaukurse geben, die das Theoriewissen auf die Ebene der Alltagstauglichkeit überträgt. „Die Leute sollen schnell in der Lage sein, eigenständig einkaufen zu gehen oder sich mit einem Arzt verständigen zu können“, erklärte Pfleging und hob die städtische Abhängigkeit von Freiwilligen und Ehrenämtlern hervor.

So sei das bürgerliche Engagement auch im Zuge eines erfolgreichen runden Tischs vorbildlich und würde Hilfestellungen auf den unterschiedlichsten Ebenen mit sich bringen. Hier konnte der Fachbereichsleiter von Fällen berichten, in denen sich Bürger Flüchtlingen angenommen hätten, sie beschenken, betreuen oder sogar bei sich zuhause aufgenommen hätten. Um besser Hilfestellungen zu leisten und weitere Netzwerke aufbauen zu können, ist inzwischen die städtische Flüchtlingsplattform „Vielfalt und Zukunftschancen“ entstanden, die Flüchtlingen und Unterstützern in Person von Jasmin Breer eine Anlaufstelle bietet. „Gevelsberg ist eine Stadt der offenen Arme und Herzen. Es ist wichtig, die Flüchtlinge aufzufangen und ihnen einen doppelten Boden geben“, hob auch Stadtbücherei-Leiterin Stephanie Kron hervor und nannte die Bücherei als wichtigen interkulturellen Begegnungsraum und Ort der Kommunikation.

So sei es innerhalb der vergangenen Wochen immer wieder vorgekommen, dass Flüchtlinge vorbeigekommen und nach sprachfördernden Büchern gefragt hätten. „Die Sprache ist eine wichtige Schlüsselkompetenz, die viele Türen öffnet“, äußerte sich Kron und verriet, dass sie den Buchbestand mit bilingualen Büchern aufstocken wolle.