Spanischkurs der VHS im 60. Semester

Barbara
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Foto: Klaus Bröking

Gevelsberg..  Wenn einer auf der Universität nach 60 Semestern noch immer im Hörsaal sitzt, dann könnte es durchaus sein, dass der „ewige Student“ keinen Bock auf den Ernst des Lebens hat. Wenn aber bei der Volkshochschule (VHS) Ennepe-Süd ein Spanisch-Kurs seit 60 Semestern läuft, dann ist das der Beweis dafür, dass das Lernen Spaß macht. Und dafür steht die Kursleiterin: Barbara Lilienbeck.

„Natürlich wechseln mit der Zeit die Teilnehmer auch. Einige gehen, andere kommen hinzu“, sagt die Dozentin aus Wuppertal, die allein fünf regelmäßig jede Woche stattfindende Kurse leitet, daneben noch Intensivkurse an den Wochenenden. Aber ein Frau der erste Stunde ist noch dabei. Eine 82 Jahre alte Schwelmerin drückt seit 30 Jahren die Volkshochschulbank. Und das hat sich jetzt ausgezahlt. „Sie hatte in Spanien einen Unfall und musste ins Krankenhaus. Da war niemand der deutschen Sprache mächtig. Sie konnte sich aber gut verständigen“, sagt Barbara Lilienbeck.

„Curso Caótico“

Heute leitet die 60-Jährige den „Curso Caótico“ im Bürgerzentrum in der Mittelstraße. Der „chaotische Kurs“ hat „nur“ 40 Semester auf dem Buckel. „Er ist undiszipliniert“, sagt Barbara Lilienbeck zu den Gründen für den außergewöhnlichen Namen und bei ihr klingt das wie eine Liebeserklärung: „In zwei Jahrzehnten habe ich keine Disziplin reingebracht, wir sind alle nur 20 Jahre älter geworden.“

Strukturiertes Lernen

Vielleicht ist dies das Geheimnis, warum die Kursleiterin die Menschen so lange für romanische Sprachen interessiert: Sie nimmt ihre Schülerinnen und Schüler, wie sie sind. „Wir dürfen so sein, wie wir sind“, unterstreicht auch Anja Schmitz, die seit 40 Semestern dabei ist. Ein Urlaub hat den Anstoß gegeben, sich für die Sprache zu interessieren. „Meine ganze Familie hat mal mitgemacht. Mir hat es von Anfang an Spaß gemacht“, sagt Anja Schmitz. Bücher gibt es im „Curso Caótico“ längst nicht mehr. Die Unterhaltung steht im Zentrum.

„Es gibt definitiv keinen, der uns die Sprache besser beibringen kann“, schwärmt Anja Schmitz. Barbara Lilienbeck hält sich selbst für eine strenge Lehrerin, ihre Kursteilnehmer sehen das anders: „Sie ist anders als ein Kursleiter, der mit der spanischen Sprache von der Geburt an aufgewachsen ist. Sie lehrt sehr strukturiert, weiß welche Schwierigkeiten beim Erlernen der spanischen Sprache auftauchen können“, loben die Kursteilnehmer.

Aber, vielleicht gibt es bei Lilienbeck doch noch ein anderes Geheimnis? „Nein“, schüttelt sie den Kopf, „wir gehen nicht zusammen essen in ein spanisches Restaurant, wir machen auch keine Reisen und gehen nicht auf Ausflüge. Es geht in den Kursen rein um die eigentliche Sprache.“ Und diese Klarheit wüssten ihre Schüler zu schätzen – manche seit Jahrzehnten.