Sebastian Pufpaff zeigt große Emotionen

Foto: Christian Werth

Gevelsberg..  Es war ein schwarz-humoristischer Rundumschlag. Freunde des bissigen Humors kamen am Donnerstagabend in der Schulaula West voll und ganz auf ihre Kosten. Comedystar Sebastian Pufpaff war zum Abschluss der städtischen Kulturprogramm-Saison zu Gast und sorgte mit seinem bissigen Programm „Auf Anfang“ dafür, dass sowohl Gesellschaft, als auch Kultur und Politik ihr Fett weg bekamen.

Mit fast ausverkauftem Saal und unzähligen Applaussalven war die Resonanz groß. Ausgestattet mit schickem Anzug und stilbrechenden Turnschuhen war der aus „Heute-Show“ und „3. Stock links - Die Kabarett-WG“ bekannte Troisdorfer auf die Bühne gekommen. Mit großen Emotionen – mal wild gestikulierend, mal schreiend und sich sogar auf den Boden werfend – eroberte der 38-Jährige sein Publikum. Mit erstaunlicher Bandbreite fegte der Komödiant und Entertainer über sämtliche Kuriositäten des Alltags hinweg. Parteien, Politiker, Autofahrer, Läufer, Liebespaare, Zollbeamte, Statistiker und Sprechstundenhilfen, um nur einen Bruchteil aufzuzählen, wurden an den Pranger gestellt.

Wie aus der Pistole geschossen gab er absurde, verklärende, aber manchmal auch scharfsinnige Vergleiche zum Besten. Wobei die zuweilen frei gestellte Themenwahl des Publikums seine Spontanität unter Beweis stellte.

„Schön, dass sie sich in einen dunklen Raum ohne Fenster begeben, um zu schauen, wie sich ein Mann aufregt und dafür auch noch Geld bezahlen“, wunderte sich der Redner über sein Publikum. „Ich will Whisky am Morgen und keine Liebe“, outete sich Pufpaff als Romantikhasser und wertete Romantikhotels als „Puff ohne Flecken“.

Friedenstauben und Ex-Präsidenten

Während er die umstrittene G36-Waffe der Bundeswehr mit einer „Friedenstaube“ gleichsetzte, sprach er Ex-Bundespräsident Christian Wulf den gleichen Stillstand wie der Deutschen Bahn zu. Pufpaff, der wirklich so heißt und seinen von hanseatischen Schwarzpulverherstellern herrührenden Namen sogar zum Anlass seiner Comedykarriere gemacht hat, hielt nicht nur allen anderen inklusive des Publikums, sondern auch sich selbst den Spiegel vor. In einer parodierenden Selbstreflexion stellte er fest, welch boshafter Mensch er sei und dass es eigentlich noch viel zu wenige Dinge gibt, über die er sich aufregen könne.

Einstige Politikwissenschaftler

„Wenn alles gut ist und es nichts mehr zu kritisieren gibt, entzieht einem das als Deutschem doch die Existenzgrundlage“, fand der einstige Politikwissenschaftler. So seien in seinem direkten Umfeld „die Dreckstölen der Nachbarn“ glücklicherweise vom Auto überfahren worden, sein Nazi-Nachbar würde inzwischen mit einer Thailänderin zusammenleben und sogar die Obdachlosen würden in schmucken Häusern leben.

Um aus diesem „Schlamassel“ heraus zu kommen, habe er jüngst beschlossen, mit seiner S-Klasse durch soziale Brennpunkte zu fahren, für Frauen Türen zu anstatt offen zuhalten und alte Leute zu schubsen und ihnen den Rollator wegzunehmen. „Das ist Emanzipation. Damit hole ich die Benachteiligten in den Schoss der Gesellschaft zurück“, begründete der Parodist.

„Ich habe Empathie-Tourett“, verkündete Pufpaff, um sich selbst jedoch als „aggressiv liberal“ zu bezeichnen. „Liberal kann man ja wieder sein, weil es ja nicht mehr parteigebunden ist“, bekam die FDP ebenso ihr Fett weg wie die Medien.

„Ich bin froh, dass es die Nachrichten gibt. Die sind ja allein dafür da, um zu wissen, gegen wen man sein muss“, wusste der Komödiant und nannte Muslime, Pegida und Co-Piloten als medial vorgegebene Abfolge der Ablehnung.

Besser als Fernsehen

„Bestimmt nicht immer politisch korrekt, aber urkomisch“, bewertete Heinz Schwarz, der den Stand-Up-Comedian noch besser fand als im Fernsehen. Auch Rosemarie Schneider sieht das so und ergänzte: „Es gab ja wirklich nichts, über das er nicht abgelästert hätte. Der Besuch hat sich sehr gelohnt.“