Schwelmer Modell soll bundesweit Schule machen

Schwelm..  Jens Spahn war etwas sprachlos. „Das ist doch alles kein Hexenwerk“, sagte der gesundheitspolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, als er gestern das Schwelmer Modell im Ibachhaus besuchte und sich eingehend über die vorbildliche Arbeit in der Kreisstadt informierte. Einzig: Ihm fehlt das Verständnis, warum dieses Modell nicht längst bundesweit Schule gemacht hat. Dies will er nun im Rahmen seiner Möglichkeiten nach seiner Rückkehr in die Bundeshauptstadt forcieren.

Regional begrenzt

Juckende Augen, häufiges Niesen und eine ständig laufende Nase, aktuell werden viele Menschen von Heuschnupfen geplagt. Wenn es nicht dabei bleibt und Neurodermitis, Asthma oder andere allergische Erkrankungen dazu kommen, dann kann das eine sehr große Belastung für Patienten und deren Angehörige werden, insbesondere wenn bereits Kinder betroffen sind. Oft folgt dann ein kräftezehrender Ärztemarathon.

An diesem Punkt setzt das Schwelmer Modell des Gesundheits-Pädagogischen Zentrums an. Das Therapiezentrum bietet eine integrierte Versorgung. Hierbei arbeitet ein Team aus Ökotrophologen, Pädagogen, Psychologen und Ernährungswissenschaftlern zusammen unter einem Dach, um Patienten sowie deren Eltern bei der Erkrankung und dem Umgang damit zu helfen.

Doch das Therapiemodell ist, trotz 27-jährigen Bestehens, regional begrenzt. Aus diesem Grund bemühte sich die Leiterin und Geschäftsführerin Mechthild Hellermann ein Jahr lang um den Besuch des Politikers. Zum Glück hatte das Engagement Erfolg und so besuchte der Bundestagsabgeordnete das Schwelmer Modell gestern im Ibachhaus in der Wilhelmstraße. Bei dem Treffen setzten sich Jens Spahn, vier Mitarbeiterinnen des Schwelmer Modells – darunter Leiterin Mechthild Hellermann – die Patientenmütter Stefanie Kolbe und Stefanie Mai, die ehemalige, erwachsene Patientin Simone Wünsche, deren Lebengefährte Thomas Büscher sowie die Geschäftsführerin des Heliosklinikums Kirsten Kolligs, Uwe Bösebeck von der AOK und das Beiratsmitglied des Schwelmer Modells, Prof. Dr. Rüdiger Liersch, zusammen.

Individuelle Bedürfnisse im Fokus

Dabei gaben die Mitarbeiter und Betroffenen dem Gesundheitsexperten aus Berlin einen Einblick in die Therapie, die Betreuung der Patienten und deren Eltern sowie die daraus resultierenden Erfolge. „Die gute Unterstützung“, das Besprechen schwieriger Themen „in der Gruppe“ und der „Austausch untereinander“, seien die Besonderheiten des Modells und Gründe, warum es so gute Resultate erziele, sagt Stefanie Mai. Die ehemalige Patientin Simone Wünsche stimmt zu, dass der „Kontakt unter den Patienten“ sehr wichtig und hilfreich sei. Dabei sehen die Betroffenen das erste Mal, dass „man nicht alleine damit ist“. Letztendlich wünsche man sich, die „Patienten zu entlasten und zukünftige Krankheitsschübe zu vermeiden“, so Mechthild Hellermann, zum Beispiel mit einer individuellen Ernährungsberatung, Entspannungstherapie oder einfach mit Zeit, die man sich für sie nimmt.

Neben den Erkrankten müsse „aber auch den Eltern geholfen werden“, sagte Stefanie Mai. Denn auch für sie ist die Belastung sehr groß. Das eigene Kind leiden zu sehen oder ihm erklären zu müssen, warum es etwas nicht essen dürfe, sei eine große Bürde. Diese Hilfe werde in Schwelm gegeben.

Mehr Menschen zugänglich machen

Insgesamt sei das Modell mit diesem „Blick aufs Ganze“, so Stefanie Kolbe, und der damit verbundene interdisziplinären Behandlung ein Unikat. Oder wie es die Leiterin der Heliosklinik ausdrückte, führt das Schwelmer Modell „ein Exotendasein“.

Anliegen des Abgeordneten, nach der intensiven und lehrreichen Gesprächsrunde, ist es „für das Modell einen vernetzteren Ansatz zu finden“ und einen genaueren „Blick auf die Effizienz“ zu werfen, um es hoffentlich in Zukunft mehr Menschen in Deutschland zugänglich zu machen. Dazu ist auch eine Absprache mit den Krankenkassen unbedingt notwendig, weil hier die rechtliche Situation nicht eindeutig geklärt ist.