Schützen empfehlen Schießen gegen Stress

Tag der offenen Tür bei den Schützen.
Tag der offenen Tür bei den Schützen.
Foto: Ina Blumenthal

Gevelsberg..  Neue Mitglieder sind immer willkommen – das, was für nahezu alle Vereine gilt, gilt auch für den Gevelsberger Schützenverein: Die 50 Mitglieder würden sich über Verstärkung freuen, egal, ob Kinder ab zehn Jahren, Frauen und Männer in jedem Alter.

Ein erster Schritt war der Tag der offenen Tür am vergangenen Wochenende. „Im letzten Jahr waren wir hier nahezu alleine, heute konnten wir schon einige Gäste begrüßen“, sagt Marita Osenberg, die erste Vorsitzende der Schützen, während das Ploppen der Munition aus dem Schießstand in den Gastraum dringt. Einen Jugendtrainer gibt es im Verein, aber seit einigen Wochen keine Jugendlichen mehr, auch die Zahl der Frauen, die den Sport betreiben, sinkt.

Osenberg zuckt ratlos die Schultern. An der mangelnden Attraktivität der Anlage kann es nicht liegen. Hell und freundlich ist es in der Anlage am Lindengraben, die Auswertung erfolgt elektronisch. Ein Blick auf den schwarzen Monitor neben dem eigenen Platz entscheidet über Erfolg oder Misserfolg des letzten Schusses. Für Kinder ab dem achten Lebensjahr hat der Verein eine Scat- Anlage mit einem eigens für das Schülertraining geeigneten Gewehr angeschafft. Dass die Anlage gerade heute streikt, ist Pech.

Rosario Zimmile hat bislang noch jedem, der wollte, das Schießen beigebracht. Der stellvertretende Sportleiter ist so quirlig, dass die Vorstellung, er könne mit ruhiger Hand anlegen und schließlich ins Schwarze treffen, nahezu erstaunt. Vier bis fünf Abende, schätzt Zimmile, braucht er als Trainer bis die Grundlagen an den Anfänger vermitteln sind. „Atmen muss dann aber jeder selbst“, grinst der Italiener.

Einfacher Stressabbau sei das Schießen auf die Scheiben, sagt Zimmile. Die Konzentration auf das Ziel, die Kontrolle der Atmung, der richtige Stand – nur, wenn alles stimmt, stimmt auch der Schuss. „Manchmal ist aber auch nur Glückssache“, flachst Zimmile, der es wissen muss. Durchschnittlich 297 von 300 Punkten notiert der Brillenträger auf seinem sportlichen Erfolgsblatt. Eine geringe Sehschwäche hält heute niemanden mehr vom Sportschießen ab. Mit speziellen Schießbrillen lassen sich auf der Anlage Korrekturen erreichen. Ab dem 47. Lebensjahr darf das Luftgewehr auch aufgelegt werden und Senioren, weiß Marita Osenberg, schießen manchmal auch einfach im Sitzen. Generationenübergreifend sei das Schützenwesen sowieso, denn die Grundtugenden für jeden Schützen: Geduld und Konzentration gelten in jedem Alter.