Schon als Zwölfjährige vorbildlich engagiert

Im Anschluss an die Verleihung des SPD-Ehrenamtspreises stellten sich SPD-Stadtverbandsvorsitzender Hubertus Kramer, Preisträgerin Barbara Kaul, Bürgermeister Claus Jacobi, Pastor Ulrich Bauer und SPD-Landratskandidat Olaf Schade zum Gruppenbild (von links).
Im Anschluss an die Verleihung des SPD-Ehrenamtspreises stellten sich SPD-Stadtverbandsvorsitzender Hubertus Kramer, Preisträgerin Barbara Kaul, Bürgermeister Claus Jacobi, Pastor Ulrich Bauer und SPD-Landratskandidat Olaf Schade zum Gruppenbild (von links).
Foto: WP

Gevelsberg..  „Der höchste Lohn für unsere Bemühungen ist nicht das, was wir dafür bekommen, sondern das, was wir dadurch werden.“ Diesen Kalenderspruch hat sich Barbara Kaul zum Leitsatz für ihr ehrenamtliches Engagement gemacht, und sie lebt ihn seit mehr als einem halben Jahrhundert ohne größere öffentliche Beachtung. Bis zum Freitag, denn da wurde die 65-Jährige im Rahmen des elften Ehrenamtsabends der SPD mit dem Ehrenamtspreis für besonderes menschliches und ehrenamtliches Engagement in Gevelsberg ausgezeichnet.

150 Gäste im Filmriss

SPD-Stadtverbandsvorsitzender Hubertus Kramer begrüßte im Filmriss-Kino etwa 150 Gäste, darunter Bürgermeister Claus Jacobi, dessen Vorgänger Dr. Klaus Solmecke, der frühere Landrat Volker Stein und der aktuelle SPD-Landratskandidat Olaf Schade sowie viele frühere Preisträger.

Kramer bewegte sich in seiner Laudatio auf Barbara Kaul, die von allen nur Bärbel genannt wird, zwischen launiger Unterhaltung und ernsthafter Würdigung ehrenamtlicher Tätigkeit, die für die in Elspe geborene Preisträgerin schon im zarten Alter von zwölf Jahren begann.

Damals, 1962, war die Bücherei der katholischen Kirchengemeinde Liebfrauen gerade vier Jahre alt, und Bärbel Kaul zählte seit der Gründung zum treuen Leserstamm. Fortan half sie mit, Bücher zu sortieren, sie auszuzeichnen, auszuleihen und wieder in Empfang zu nehmen. Und sie durfte auch mitbestimmen, wenn es um die Auswahl der neuen Bücher ging. „Einen wichtigen Vorteil hatte sie durch den sonntäglichen Dienst in der Bücherei: Anders als die Schwestern brauchte sie im Haushalt nicht zu helfen“, gab Hubertus Kramer augenzwinkernd Einblicke in die Erinnerungen Bärbel Kauls aus dieser Zeit.

Und bis heute hütet die seit 1976 an der Städtischen Katholischen Grundschule in Ennepetal tätige Lehrerin die Schmöker und Wälzer der Liebfrauen-Gemeinde, die es als eigenständige Gemeinde seit 2007 gar nicht mehr gibt – wohl aber die Bücherei, die sich mit ihren 5166 Medien auch dank des Wirkens von Bärbel Kaul ungebrochener Beliebtheit erfreut.

Die Preisträgerin selbst liebt an ihrem Ehrenamt insbesondere den Austausch mit den Menschen, die in die Bücherei kommen und sich an sie wenden. „In der Liebfrauen-Gemeinde“, so Kramer, „gelten Sie als ,Mädchen für alles’ oder auch als ,Seele des ganzen Ladens’.“ So kümmert sie sich etwa mit anderen seit Jahren auch um den Blumenschmuck in der Kirche.

Seit 1968 und damit seit nunmehr 47 Jahren, ist Bärbel Kaul auch Mitglied im Pfarrgemeinderat der Liebfrauen-Gemeinde, obwohl sie zum Zeitpunkt der Wahl des damaligen Pfarrausschusses der Liebfrauen-Gemeinde im Jahr 1968 noch keine 18 Jahre alt und damit eigentlich zu jung für eine Aufnahme in dieses Gremium war. Doch der damalige Pastor Heinz Symann, der Bärbel Kauls Tüchtigkeit schon damals zu schätzen wusste, berief sie trotzdem, wozu er kraft seines Amtes die Befugnis hatte. Seit dieser Zeit kümmert sie sich vor allem um die kleinen Dinge im Innenleben der Gemeinde. Sie half aber auch, wenn es darum ging, alte Zöpfe abzuschneiden, engagierte sich für das Recht von Mädchen und Frauen, Dienst im Altarraum tun zu dürfen, ebenso wie beim Thema Ökumene.

Lintl-Bilder als spannender Abschluss

„Die Menschen schätzen an mir, dass ich selbst bei Problemen nie weggerannt sondern stets geblieben bin. Dass ich in der Sache stur sein konnte, bis der andere nachgab, jedenfalls dann, wenn ich davon überzeugt war“, bedankte sich eine sichtlich gerührte Bärbel Kaul im Anschluss an die Laudatio und den lang anhaltenden Applaus im fast voll besetzten Kinosaal.

Eine spannende Reise in die Vergangenheit unternahmen Protagonisten und Gäste danach unter Führung von Günter Lintl, der das Archiv seiner Fotografenfamilie öffnete und unter dem Titel „Gevelsberg in Bildern – von 1900 bis heute“ Aufnahmen seines Großvaters Anton, seines Vater Hans-Günter sowie seine eigenen Bilder zeigte.

So endete ein gelungener Abend, in dessen Mittelpunkt mit Barbara Kaul eine Ehrenamtlerin stand, die wie viele andere sonst jenseits des öffentlichen Interesses fleißig ihren Dienst an der Gesellschaft tun – wenig beachtet, doch unverzichtbar.