Schönheit und Bedeutung der Webstühle
18.03.2010 | 19:23 Uhr 2010-03-18T19:23:00+0100
Ennepe-Ruhr/Görlitz. Die Entscheidung über die Kulturhauptstadt 2010 fiel einst zwischen dem Ruhrgebiet und dem Landkreis Görlitz im äußersten Osten der Bundesrepublik.
„Wir haben nicht verloren, als wir nicht Kulturhauptstadt geworden sind – wir sind Zweiter”, sagt heute der Görlitzer Landrat Bernd Lange. Dass er das so sehen kann, verdankt der Politiker einem Projekt des Heimatbundes des Ennepe-Ruhr-Kreises. „Alajacquard” heißt das einzige Gemeinschaftsprojekt, das im Rahmen von Ruhr.2010 nicht nur die beiden traditionsreichen Industriegebiete verbindet, sondern inzwischen bereits internationale Dimensionen erhalten hat.
Görlitz wird den Anfang machen. Am 1. Mai wird dort die Ausstellung eröffnet, die sich hinter dem auf den ersten Blick so geheimnisvollen Namen verbirgt. Ab dem 3. September wird sie dann im Industriemuseum in Ennepetal zu sehen sein. Bei „Alajacquard” geht es um den Webstuhl, der beide Regionen verbindet. Die Textilindustrie war früher in der Region so bestimmend wie später die Schwerindustrie.
Joseph-Marie Jacquard erfand um das Jahr 1800 eine Maschine für Webereien, die mit Lochkarten gesteuert wurde. Was damals als industrielle Revolution eingestuft und von den Zünften abgelehnt wurde, gilt heute als Vorläufer des modernen Computers.
Der Kunstprofessor Bernhard Matthes, der in Hattingen lebt und bereits mehr als 200 Ausstellungen in Europa organisierte, hat nicht nur die Bedeutung, sondern auch die Schönheit der historischen Webstühle erkannt. Er will beide Aspekte der Industriekultur in den Ausstellungen vereinen. Vom Kreisheimatbund Ennepe-Ruhr kam die Idee, in das Projekt auch die Region Görlitz einzubeziehen. Denn auch dort hat der Webstuhl für den Beginn der industriellen Revolution mit allen seinen Vor- und Nachteilen gesorgt.
Der Freundeskreis der Heimatpflege im Landkreis Görlitz hat die Anregung sofort aufgegriffen. Jetzt wurde das Projekt in Sachsen präsentiert.
„Wir wollen einen nicht ganz üblichen Weg gehen, durch moderne Kunst die Verbindung von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Textilthemas aufzuzeigen”, erklärte Ulrike Brux als Vertreterin des Kreisheimatbundes Ennepe-Ruhr bei der Vorstellung die Zielsetzung des Projekts. Die Zusammenarbeit sei eine „riesengroße Chance, den Osten und den Westen Deutschlands auch kulturell zu verbinden”.
Kulturell verbinden und Grenzen überschreiten
Und auch die Grenzen zu überschreiten. Aus Görlitz kam nämlich der Vorschlag, den benachbarten polnischen Landkreis Zgorzelec mit einzubeziehen. Auch dort werden nun Teile der Ausstellung zu sehen sein.
Noch gehört eine Menge Phantasie dazu, sich vorzustellen, welche Art von Kunstwerken bei „Alajacquard” zu sehen sein werden.
Es werden natürlich nicht nur einfach die alten Maschinen ausgestellt.
Aus einer Webmaschine, die eine harmonische Einheit bildet, werden Teile künstlerisch herausgebrochen und zu einer neuen Komposition in einer Grafik zusammengesetzt.
Auf jeden Fall wird „Alajacquard” eines der anspruchsvollsten Projekte im Rahmen des Kultur-2010-Programmes im EN-Kreis sein.
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