Schocker in der virtuellen Welt

Ich bin am Wochenende in die virtuelle Welt eingetaucht und habe es genau 30 Sekunden ausgehalten. Dann habe ich sie fluchtartig verlassen. Konkret hatte ich das zweifelhafte Vergnügen, in einem großen Elektro-Markt eine VR-Brille auszuprobieren. VR steht für Virtual Reality. Dank 3D-Technik und 360-Grad-Perspektive wird dem Träger einer VR-Brille das Gefühl vermittelt, mitten im Film zu sein, der sich gerade vor seinen Augen abspielt. Die Dinger sind der letzte Schrei, heiß begehrt bei Nutzern von Konsolenspielen und werden zum diesjährigen Weihnachtsgeschäft stark vermarktet.


Grund genug also, sich selbst mal ein Bild zu machen von einer Technik, die ich bisher als Spielerei abgetan habe – was im wahrsten Sinne ja sogar stimmt. Szene eins war 20 Sekunden lang und zeigte einen Wald mit Tieren. Toll. Ich konnte hoch in den Himmel gucken, konnte ganz weit nach hinten blicken und sah alles dreidimensional, so wie in echt. Leider traf das auf Szene zwei auch zu.


Ich – dem Höhenangst nicht fremd ist – befand mich plötzlich auf einer 1x1 Meter schmalen Plattform, in etwa 200 Metern Höhe, irgendwo in einer Häuserschlucht von New York, und unter mir Straßen mit Fahrzeugen so klein wie Ameisen.


Von wegen virtuell. Mein Körper reagierte real. Mit schlotternden Knien, Schweißausbrüchen und dem ganz echten Gefühl, jeden Moment umzukippen und in die Tiefe zu stürzen. Panikartig riss ich die Brille von meinem Kopf und habe das Kapitel für mich abgeschlossen. Die virtuelle Welt ist heutzutage schon so real, dass ich die reale neu zu lieben beginne.