Schläger ist vermindert schuldfähig

An dieser Stelle verstarb der 17-Jährige nach dem Faustschlag durch den Angeklagten.
An dieser Stelle verstarb der 17-Jährige nach dem Faustschlag durch den Angeklagten.
Foto: WP

Gevelsberg..  Wenn er Alkohol trank, verlor er die Kontrolle über seine tiefsitzende Wut. Zu diesem Ergebnis kommt ein psychiatrischer Gutachter. Er hatte den jungen Gevelsberger untersucht, der einem anderen jungen Mann einen Faustschlag gegeben hatte, so dass dieser an einem Arterienriss im Gehirn starb. Ergebnis: Der Gevelsberger ist vermindert schuldfähig, was sich in der Regel strafmildernd beim Urteil auswirkt.

Unter Drogen und Alkoholeinfluss

Der mittlerweile 21-jährige Angeklagte hat selbst seit seiner frühesten Kindheit Gewalt erlebt. Sein Vater schlug die Mutter beispielsweise so schwer, dass sie eine Frühgeburt erlitt. Gewalt, die der Angeklagte bereits mehrfach an seine Mitmenschen weitergegeben hat, wie einige seiner zahlreichen Vorstrafen zeigen.

Der psychiatrische Gutachter Johannes Völler zeichnete infolgedessen das Bild eines unsicheren Menschen, der in den Tag hinein lebt, keine wirklichen Beziehungen zu anderen Menschen hat. Seine Unzulänglichkeit betäubt er seit seinem 18. Lebensjahr mit Cannabis und Alkohol. Als er seinen 17-jährigen Freund auf dem Vendômer Platz verprügelte, stand er ebenfalls unter Drogen und Alkohol. Der Gutachter vermutete, dass der Angeklagte einen „Tunnelblick“ hatte und seine Wut die Selbstkontrolle ausgeschaltet habe.

Beleidigung der Mutter

Die angebliche Beleidigung seiner Mutter durch den Verstorbenen soll der Schlüsselreiz dafür gewesen sein, dass der hoch aggressive Angeklagte zuschlug. Völler sieht den jungen Mann aufgrund seiner Persönlichkeit, seiner verzögerten Reife, seiner Cannabissucht und seines Alkoholkonsums als vermindert schuldfähig an. Diese Kombination miteinander zu dem Tatgeschehen geführt.

Weitere Taten sind zu erwarten

Durchaus widersprüchlich wirkte vor diesem Hintergrund sein Fazit, dass der Angeklagte nicht in einer Entziehungsanstalt untergebracht werden müsse. Da hakten die Richter intensiv nach. Sie wollten wissen, ob von dem Angeklagten weitere Gewalt- und Straftaten unter Alkohol- und Drogeneinfluss zu erwarten seien. Antwort des Psychiaters: „Ja“.

Am Montag soll der Prozess auf die Zielgerade gehen. Die Verteidigung hat beantragt, noch einmal den Pathologen, der die Obduktion vorgenommen hat, und zwei Zeugen des schrecklichen Geschehens auf dem Vendômer Platz zu befragen. Eventuell halten Verteidigung und Staatsanwaltschaft danach bereits ihre Plädoyers. Dann urteilen die Richter.