Scherbenhaufen und 70 Kirmes-Platzverweise

In den vergangenen beiden Jahren hat die Aktion „Glas leer? Dann her!“ gefruchtet, in diesem Jahr rückte sie in den Hintergrund.
In den vergangenen beiden Jahren hat die Aktion „Glas leer? Dann her!“ gefruchtet, in diesem Jahr rückte sie in den Hintergrund.
Foto: WP

Gevelsberg..  „Die Einsatzkräfte des Deutschen Roten Kreuzes und der Feuerwehr haben unter dieser Kirmes wirklich leiden müssen. Ich habe kein Verständnis dafür, dass Menschen, die Helfen wollen, so behandelt werden“, zieht Kriminaloberkommissarin Birte Boenisch, Sprecherin der Kreispolizei, Bilanz des Gevelsberger Volksfestes. Daneben sei der Glasbruch wieder zu einem großen Problem geworden: „Das werden wir sicherlich bei der Nachbesprechung zum Thema machen. Vielleicht muss sich auch Gevelsberg von dem Mythos Bierglas langsam verabschieden.“

Insgesamt gab es auf der Kirmes acht Strafanzeigen wegen Sachbeschädigung oder Beleidigung. Drei Personen wurden von den Ordnungshütern in Gewahrsam genommen. Hinzu kam noch ein Kirmesbesucher gegen den ein gültiger Haftbefehl vorgelegen hat, weil er Geld schuldig geblieben sei. Eine Person wurde in Gewahrsam genommen, weil sie einem Platzverweis nicht nachgekommen sei, so Birte Boenisch. Ein alkoholisierter Jugendlicher wurde dem Jugendamt übergeben.

Nichts dazu gelernt

Insgesamt 70 Platzverweise gegen Randalierer hat die Polizei aussprechen müssen. „Diese Zahl ist sehr hoch“, sagt Birte Boenisch und wundert sich. Unter denen, die die Kirmes wegen Pöbeleien verlassen mussten, seien auch einige gewesen, die sich tierisch aufgeregt hätten, als ein Jugendlicher bei einem Streit auf dem Vendômer Platz sterben musste. „Die lernen anscheinend einfach nicht dazu“, so Boenisch. Dreimal sei es zu Fällen von Widerstand gekommen. „Der Samstagabend war schon in unseren Augen richtig heftig. An den anderen Tagen haben sich die Vorfälle im Rahmen gehalten“, bilanziert Birte Boenisch.

Nachdem in den letzten beiden Jahren die Gefahr durch zersplitterte Getränkegläser zurückgegangen war, sei dieses Problem vehement wieder aufgetaucht, so die Polizei. „Das bringt auch Gefahren für meine Kolleginnen und Kollegen mit sich. Wenn bei einer Rangelei jemand auf die Straße fällt, dann kann er schnell in einem Scherbenhaufen landen“, befürchtet Boenisch.

Problemzone Break-Dancer

Schwere Verletzungen seien die unvermeidliche Folge. „Auch wenn Frauen zum Beispiel bei den hohen Temperaturen der letzten Tage in Flip-Flops zum Bummel über die Festmeile kämen, „brauchen sie doch nur einmal umzuknicken und schon haben sie Schnittwunden am Fuß“, befürchtet Boenisch. Zwar ist die Frage, ob leichtes Schuhwerk für einen Kirmesbesuch geeignet ist, aber eine Kontrolle der Fußbekleidung wäre wohl auch nicht angebracht.

Ein neuralgischer Punkt für Streitigkeiten und Glasbruch sei der Bereich des Break-Dancers an der Kreuzung Mittelstraße, Haßlinghauser Straße, Rosendaler Straße und Elberfelder Straße. Dort treffen sich traditionell die Heranwachsenden, um sich, anders kann man es nicht ausdrücken, einfach zu besaufen. Am Timpen ist auch die größte, zusammenhängende freie Fläche auf der Kirmesmeile. „In der Nacht wirkt dann aber auch das eine oder andere laute Wort bedrohlicher als am Tage,“ gibt die Kriminaloberkommissarin so bedenken.

Anzeichen, dass es Krawallmacher von außerhalb zur Gevelsberger Kirmes zieht, gebe es in den Augen der Polizei nicht. Die auffällig gewordenen Personen kämen meist aus der Stadt selbst oder der unmittelbaren Nachbarschaft.

Lob für die Zusammenarbeit

Hervorragend sei die Zusammenarbeit der Polizei mit den Einsatzkräften des DRK, der Feuerwehr und dem privaten Sicherheitsdienst gewesen. „Da hat auch der neue Digitalfunk seine Feuerprobe bestanden, über den wir jetzt verfügen“, meint Birte Boenisch. Die Anlaufschwierigkeiten seien überwunden worden.

Es gibt also eine Reihe von Themen, die bei der Nachbesprechung auf den Tisch kommen werden. Bürgermeister Claus Jacobi hatte schon auf der Preisverleihung für den Kirmeszug mehr Zivilcourage gefordert. Man dürfe nicht einfach wegschauen, wenn zum Beispiel Randalierer Gläser kaputt schmeißen oder friedliche Besucher anpöbeln. Bei der Sicherheit muss nachgebessert werden. Angst, nachts auf die Kirmes zu gehen, müsse aber niemand haben, sagt Birte Boenisch. „Gevelsberg ist in unseren Augen immer noch ein recht friedliches Volksfest.“ Und das soll es auch bleiben.