Sammler von Lebensläufen vertriebener Schriftsteller

Ennepetal..  Als 15-Jähriger stand er mit seinen Eltern vor dem Mann-Haus in Kilchberg bei Zürich. Der Junge schellte an, wollte mehr wissen über Thomas Mann. Ein Bediensteter verschwand im Haus, kam wieder und der Junge erfuhr, dass Katia Mann, die Witwe des großen Schriftstellers, erfreut sei über das Interesse. Diese erste jugendliche Kontaktaufnahme prägte Thomas. B. Schumanns Leben. Später kam es sogar zu persönlichen Begegnungen mit Katia Mann. Der Junge ist heute ein gestandener Mann, Literat und ein unermüdlicher Kämpfer gegen das Vergessen.

Am Freitag saß Thomas B. Schumann auf dem Podium in der Aula des Reichenbach-Gymnasiums. Am Fuße des Tisches waren Bücher aufgereiht, Bücher von Thomas. B. Schumann. Der Schriftsteller und Verleger war zu Gast bei der Kulturgemeinde Ennepetal.

Unter dem Titel „Bitte streicht mich nicht aus“ schilderte Schumann das Schicksal der Frauen und Männer, deren Bücher von den Nazis verbrannt wurden (auch von Thomas Mann) und nicht mehr veröffentlicht werden durften. Viele der Autoren kamen in Konzentrationslager, viele konnten ins Ausland flüchten und führten dort mit wenigen Ausnahmen ein kärgliches Leben.

Texte der Vergessenen

Thomas B. Schumann ist ein Sammler von Dokumenten und Lebensläufen der Schriftsteller und Dichter. In seinem Vortrag rasselte er nur so Namen herunter wie Stefan Zweig, Elias Canneti, Hilde Domin, Hans Sahl, Walter Mehring, als wollte er alle der mehr als 1200 Exilanten aufführen. Die Geschichten der Schriftsteller kennt er aus Archiven, Nachlässen, aber auch aus persönlichen Begegnungen mit denen, die nach der Nazi-Diktatur sich wieder nach Deutschland wagten.

Thomas B. Schumann lernte Schicksale kennen, Frauen und Männer, die nicht mehr Fuß fassten. Schumann: „Viele wurden nach dem Krieg in Deutschland einfach nicht beachtet. Die Menschen hatten nur das Wirtschaftswunder im Kopf!“

Sie, die Verfemten und Nichtbeachteten, wieder bekannt zu machen, sie aus dem Vergessen herauszuholen, das hat sich Schumann zur Lebensaufgabe gemacht. In seinem Verlag „Edition Memoria“ veröffentlicht er Texte der Vergessenen, auch um die deutsche Kultur zu retten, die Deutschland in den Jahren zwischen 1933 und 1945 nicht haben wollte. Selbst schrieb Schumann Bücher u. a. „Plädoyer gegen das Vergessen“. Es war als Zuhörer nicht immer leicht, Schumann zu folgen, eben weil viele Namen uns heute unbekannt sind.

„Wir haben viel Neues gehört,“ sagte dann auch Kulturgemeinde-Vorsitzende Beatrix Adam in ihren Dankesworten. Nach dem Vortrag stellte Thomas B. Schumann seine Bücher vor und signierte sie. Abseits des Manuskripts war er ein guter Erzähler mit einer Vision. Er möchte ein Museum für Exil-Literatur gründen. Einen Verlag zu diesem Thema hat er ja schon ins Leben gerufen und die „Gesellschaft zur Förderung vergessener und exilierter Literatur“ auch.