Sängerbund ist nun Geschichte
11.11.2011 | 18:45 Uhr 2011-11-11T18:45:00+0100
Ennepetal. Wieder stirbt ein Chor: Ende dieses Jahres wird es nach 134 Jahren den Männergesangverein Sängerbund Voerde nicht mehr geben. Gesungen wird jetzt schon nicht mehr. Die Traditionsfahne und verbliebene Unterlagen werden im Stadtarchiv der Nachwelt erhalten bleiben.
Wieder stirbt ein Chor: Ende dieses Jahres wird es nach 134 Jahren den Männergesangverein Sängerbund Voerde nicht mehr geben. Gesungen wird jetzt schon nicht mehr. Die Traditionsfahne und verbliebene Unterlagen werden im Stadtarchiv der Nachwelt erhalten bleiben.
Der Sängerbund Voerde trat seit 1977 (man feierte das Hundertjährige) jährlich mit einem Weihnachtskonzert in der Voerder Johanneskirche an die Öffentlichkeit. Populäre, aber auch schwierige Chorstücke ließen der langjährige Dirigent Alfons Bötzel und seit fast zehn Jahren Nachfolger Klaus Heckmann singen. Und immer waren die Zuhörer fasziniert. Sie verließen das Konzert mit Weihnachtsstimmung im Herzen.
Kreis der Sänger ohne Nachwuchs
Doch Nachwuchs erhielt der Kreis der Sänger so gut wie nie. Werbeaktionen waren erfolglos. „Zuletzt waren wir zu sechs Leuten“, sagt Vorsitzender Dieter Ehrenthal, der in Ennepetal auch den Stadtverband der Chöre leitet. „Wir können nicht mehr auftreten“, ergänzt er. Regelmäßig wollen sich nun die Übriggebliebenen zum „Erinnerungsbier“ in der Gaststätte Brinkmann treffen. Dort wurde auch zuletzt noch geprobt, weil das langjährige Vereinslokal „Wiemer Hof“ auch nur noch Geschichte ist. Vorsitzender Dieter Ehrenthal singt jetzt im Männergesangverein „Eintracht“ Kotthauser Höh, einige Sängerbund-Leute werden in Remscheid oder in Wuppertal-Cronenberg ihrem Hobby frönen. Der Grund liegt nahe: Klaus Heckmann leitet dort Chöre.
Heckmann war nicht nur als Chorleiter dem Sängerbund Voerde eng verbunden. Seit 1958 ist er schon Mitglied, war sechs Jahre Vorsitzender, stellvertretender Vorsitzender und auch Vize-Chorleiter. Dieter Ehrenthal ist seit 28 Jahren Vorsitzender des Sängerbundes, in dem er im Alter von 19 Jahren eintrat.
Der 1877 gegründete Chor zählte Jahrzehnte zum Kulturleben in Voerde. Erster Chorleiter war Willi Tönsmann. Als sich der Arbeitergesangverein in Voerde in der Zeit der Nazi-Diktatur auflösen musste, traten viele der Mitglieder in den Sängerbund über. Viel weiß man nicht mehr über das Chorleben vor dem Zweiten Weltkrieg. Folgen des Krieges mit der nachfolgenden Besetzung Voerdes haben die Vereinsunterlagen vernichtet.
Nach dem Krieg wurde wieder gesungen. Der Sängerbund blühte auf. Alfons Bötzel formte den Chor. Später wurde fast bei jedem Auftritt das Lied „Mein Voerde“ angestimmt. Es war extra für den langjährigen Sänger Hermann Epking geschrieben worden. Des Sängers Enkelin Dr. Simone Epking trat übrigens als Gesangssolistin in einem der Weihnachtskonzerte des Sängerbundes auf.
Die Anzahl der Chöre in Ennepetal wird weniger. Wie Dieter Ehrenthal kürzlich vor dem Kulturausschuss der Stadt sagte, sind jetzt im Stadtverband Ennepetaler Chöre nur noch elf Chöre registriert. Davon ruht die Arbeit eines Chores. Es ist der traditionsreiche Männerchor Friedenshöhe in Milspe. Ehrenthal schilderte „das soziale Singen“ in Altenheimen und die Veranstaltung „Maieinsingen“.
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