Rupert Neudeck der Ehrengast

Rupert Neudeck kommt zum Gevelsberger Neujahrsempfang
Rupert Neudeck kommt zum Gevelsberger Neujahrsempfang
Foto: dpa

Gevelsberg..  Beim Neujahrsempfang im vergangenen Jahr stand der Nachwuchs im Vordergrund. Gastredner war vor zwölf Monaten Heinz Hilgers, Präsident des Deutschen Kinderschutzbundes. In diesem Jahr will die Stadt das Flüchtlingsproblem ins Scheinwerferlicht rücken. Gastredner ist Rupert Neudeck, Gründer von Cap Anamur e.V., Deutsche Not-Ärzte e.V. und Vorsitzender des Friedenskorps Grünhelme e.V.. Der Neujahrsempfang der Stadt Gevelsberg findet am Sonntag, dem 18. Januar, zwischen 11.15 und 14 Uhr, im Zentrum für Kirche und Kultur statt.

„In kaum einem Jahr hat uns das Ausmaß internationaler Kriege und Krisenherde mit seinen Bildern von Hunger, Krankheit, Terror und Angst so sehr berührt wie 2014“, schreibt Bürgermeister Claus Jacobi in der Einladung. Gleich zu Beginn des neuen Jahres wolle die Stadt deshalb die Flüchtlinge in den Mittelpunkt rücken: „Aufrüttelnd und dennoch unterhaltsam möchten wir deshalb beim Neujahrsempfang die Integrationsschritte der nächsten Monate für Flüchtlinge in Gevelsberg vorstellen, den betroffenen Menschen Gesicht und Wertschätzung geben.“ Jacobi hofft, dass vom Neujahrsempfang ein „nachhaltiger Prozess gesellschaftlicher Netzwerkarbeit in unserer Stadt“ in Gang gesetzt werde.

Parteien ziehen an einem Strang

In Gevelsberg gibt es keine politischen Auseinandersetzungen über die Aufnahme von Flüchtlingen. Keine Partei im Stadtrat will mit der Angst vor Fremden Politik machen. Im Gegenteil: Es besteht große Einigkeit, dass den Menschen geholfen werden muss. In den Haushaltsreden wurden die Flüchtlinge nur am Rande erwähnt. Kritisiert wurde natürlich, dass die Kommunen die Asylbewerber aufnehmen müssen, aber zur Bewältigung der Integration der Menschen, die ihre Heimat verlassen mussten, keine ausreichende finanzielle Unterstützung von der Bundesregierung erhalten. „Das bedeutet vermutlich für Gevelsberg: Wir müssen weitere Schulden machen, die Kreditaufnahme steigt“, sagt der CDU-Fraktionsvorsitzende Hans-Günther Adrian, der allerdings die NRW-Landesregierung, die die vom Bund bisher zur Verfügung gestellten Mittel verteilen muss, in die Pflicht genommen hat.

Der Rat der Stadt Gevelsberg hatte noch im Oktober einstimmig 150 000 Euro zusätzlich für die Betreuung von Flüchtlingen in diesem Jahr bewilligt. Im Haushalt waren dafür bis dahin 637 090 Euro vorgesehen. Die reichten nicht aus. Mit einer Steigerung von zehn zusätzlichen Flüchtlingen pro Monat wird in Gevelsberg gerechnet. Weil der Andrang so hoch ist, argumentiert die Verwaltung damals in ihrer Vorlage, müssten die Unterkünfte zusätzlich mit Betten, Schränken, Matratzen und Elektrogeräten ausgerüstet werden. Außerdem würde die medizinischen Versorgung natürlich auch teurer werden.

Politik der Stadt Gevelsberg ist es, die Menschen so kurz wie möglich in den Übergangsheimen wohnen zu lassen.

Zustände verbessert

Sie sollen so schnell wie möglich in „normale“ Wohnungen umziehen können. Eine Konzentration von Asylbewerben soll es nicht geben. „Ich will nicht, dass die Menschen sagen: Das ist das Flüchtlingshaus“, erklärte Bürgermeister Jacobi. Die Linke mahnte im alten Jahr an, dass trotzdem in den Übergangsheimen menschenwürdige Zustände herrschen müssten. Karl-Heinz-Tillert dokumentierte Zustände, die in seinen Augen eher Missstände waren. Daraufhin gab es im Sommer eine Ortsbegehung. „Alles, was dringend gemacht werden musste, ist erledigt“, versicherte danach Fachbereichsleiter Michael Pfleging.

Bei den zunehmenden Krisenherden in der Welt wird sich das Flüchtlingsproblem so schnell sicherlich nicht. Rupert Neudeck, der Gast auf dem Neujahrsempfang der Stadt, ist der richtige Experte, um Menschen wach zu rütteln. Anlässlich der großen Not vietnamesischer Flüchtlinge im Südchinesischen Meer gründete er mit Unterstützung des Schriftstellers Heinrich Böll im Jahr 1979 das Komitee Ein Schiff für Vietnam.

1982 wurde daraus die Hilfsorganisation Komitee Cap Anamur / Deutsche Notärzte e. V. Namensgeber war der Frachter Cap Anamur, mit dem die Besatzung um Rupert Neudeck insgesamt 10 375 vietnamesische Flüchtlinge, die sogenannten „boat people“, aufnahm und nach Deutschland brachte. Es folgten zahlreiche weitere Hilfseinsätze für Rupert Neudeck, nicht nur mit der Cap Anamur.

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