Romantik pur mit Schumann und Brahms

Wuppertal..  Wie im vorausgegangenen Sinfoniekonzert gibt es auch diesmal wieder Romantik pur mit Schumann und Brahms. Jetzt im neunten Konzert kehren sich die Besetzungen um, und es gibt nun die Sinfonie von Brahms (Nr. 2)und das Solistenkonzert von Schumann. Wieder steht GMD Kamioka am Pult, wieder vor vollem Haus. Das Solo hat die große Geige. Benedict Kloeckner spielt das Violoncello im Schumann-Cellokonzert.

Beide Werke entstanden in ausgesprochen glücklichen Lebensphasen. Schumann befand sich im Hochgefühl durch seine offizielle Anstellung in Düsseldorf. Brahms weilte an seinem geliebten Wörthersee und schrieb die Sinfonie im Gegensatz zu sonst in ziemlich kurzer Zeit.

Dieses Glück soll nun ins Publikum überspringen. Erst ist es zuvorderst der Solist mit seinem edlen Cello (1680), dann GMD Kamioka mit seiner Mannschaft, denen das absolut gelingt. Benedict Glöckner ist Mitte Zwanzig. Er verfügt, so scheint‘s, über den berühmten sechsten Sinn für alles, was sich hinter einer jeden Note abspielt. Sein Empfinden reicht bis in den letzten Winkel. Er spielt dem Orchester zu, er spielt mit ihm zusammen. Und da ist nichts zwischen ihm und seinem Cello.

Jeder Ton ist von sicherer Qualität. Seine Griffhand arbeitet wie die Hand eines Klaviervirtuosen. Der 2. Satz (Langsam) blüht vor Intensität und Tonqualität, das Finale (Sehr lebhaft) gelingt Kloeckner so atemberaubend sprühend und unbestechlich sicher: da spielt sich einer mit blitzartiger Vorstellungskraft echten Schumann aus dem Leib. Und man darf ihm jeden Ton glauben.

Jubel im ganzen Haus

Dass der große Stadthalle-Saal dem Cello-Solo trotz bester Akustik manche allerletzte Feinheit raubt – auch in der sehr ausdrucksinnigen Bach-Zugabe, liegt in der Natur der Sache und sollte keinen Solisten dazu verleiten, seine Interpretation zu glätten.

Die „Zweite“ von Brahms stellt Kamioka großartig und einfach in den Raum, voll innerer positiver Ruhe, auch wenn es oft recht vehement zugeht. Hier ist ein Ensemble zu einem großen sprechenden Organ zusammengewachsen. Themen werden geboren, durchgereicht und wachsen zur großen Brahms-Idee an allen Pulten.

Bevor es zum satten, vollen, bewegten Finale kommt, spielt Kamioka einen erstaunlichen dritten Allegretto-Satz. Da kommt die Oboe längst nicht so kontrastierend altväterlich daher wie üblich, sondern korrespondiert mit den schwerelos vibrierenden Streichern und Holzbläsern. Wie schön das ist und wie plausibel.

Nach dem Finale stellt Kamioka zuerst die Hörner, die so maßgeblichen Anteil haben, in den Applaus, dann das Blech, die Oboen und die anderen Holzbläser, die Celli mit ihrem hohen Anteil und die Bässe und dann alle Streicher. Und mitten hinein in den applaudierenden Saal lässt Kamioka noch einmal Brahms (Ungarischer Tanz) hineinplatzen, so wild, so mitreißend raffiniert – Jubel im ganzen Haus!

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