Risikokinder früh erkennen

Fachleute für Lese-Rechtschreibschwächen im Kindergartenalter (von links): Mareike Herrmann, Dirk Hiby, René Schönke, Bereichsleiterin Ulla Wacker, Anna-Katharina Jähnke, Sabine Radtke und Kirsten Peters.
Fachleute für Lese-Rechtschreibschwächen im Kindergartenalter (von links): Mareike Herrmann, Dirk Hiby, René Schönke, Bereichsleiterin Ulla Wacker, Anna-Katharina Jähnke, Sabine Radtke und Kirsten Peters.
Foto: WP
Nur wenn der Nachwuchs frühzeitig gezielt gefördert wird, kann die Schullaufbahn normal verlaufen. Die AWo hat schon vor zehn Jahren ihre Erzieherinnen und Erzieher entsprechend geschult.

Schwelm.. Je früher eine Lese-/Rechtsschreibschwäche erkannt wird, desto günstiger ist es für das Kind. Nur wenn der Nachwuchs frühzeitig gezielt gefördert wird, kann die Schullaufbahn in normalen Bahnen verlaufen. Das hat die AWo als Trägerin von 22 Kindertageseinrichtungen im Ennepe-Ruhr-Kreis schon vor über zehn Jahren erkannt und qualifiziert deshalb ihre Erzieherinnen und Erzieher entsprechend.

Im Rahmen einer dreivierteljährigen Fortbildungsmaßnahme wurden sechs weitere Erzieherinnen und Erzieher verschiedener Kindertageseinrichtungen der AWo EN vom Moderator Dirk Hiby vom Familienzentrum „Am Loh“ in Schwelm in die Diagnostik und Identifikation der Risikokinder eingewiesen sowie in der Umsetzung des Präventionsprogramms für Vorschulkinder unterstützt. Gleichzeitig wurde Dirk Hiby als Multiplikator ausgebildet. Nach 80 Stunden Theorie und zusätzlicher Praxis wurden sowohl ihm als auch den erfolgreichen Teilnehmern der von ihm geleiteten Weiterbildungsmaßnahme von AWo-EN-Bereichsleitung Ulla Wacker sowie Sabine Radtke vom AWo-Bezirk westliches Westfalen die entsprechenden Zertifikate in einer kleinen Feier in Schwelm überreicht.

Zusätzliches Angebot für Eltern

Ungefähr zehn Prozent der Kindergartenkinder zeigen Defizite beim Lesen und in der Rechtschreibung. „Es werden glücklicherweise immer weniger Kinder, die Hilfe benötigen. Die Sprachförderung im Vorschulbereich zahlt sich aus“, spricht Dirk Hiby von einer positiven Entwicklung. Das Programm ist für Eltern ein zusätzliches, kostenfreies Angebot. Für Hiby ist die Präventionsmaßnahme von Lese-/Rechtschreibschwierigkeiten in Kindertageseinrichtungen der AWo Ennepe-Ruhr ein besonders sinnvolles Angebot, das dem Wohl der Kinder dient.

Seit Jahren ist bekannt, dass ein konstanter Anteil an Schulkindern Schwierigkeiten beim Erlernen von Lesen und Schreiben hat. Trotz vieler Unterstützung während der Schulzeit bilden sich aufgrund dieser Lernschwierigkeiten massive motivationale Störungen aus. Dies führt häufig dazu, dass diesen Kindern kaum eine erfolgreiche Schullaufbahn möglich ist. Seit einiger Zeit ist vorsorgende Hilfe für die betroffenen Kinder möglich. Eine psychologische Forschergruppe der Universität Bielefeld hat mit dem Bielefelder Screening (BISC) ein Verfahren entwickelt, mit dem Entwicklungsrückstände für das Lesen- und Schreibenlernen bereits vor der Einschulung festgestellt werden können.

„Die Erfolgsquote liegt bei 98 Prozent"

An der Universität Würzburg wurde zudem ein Präventionsprogramm (HLL – „Hören, Lauschen Lernen“) zur Ausbildung der notwendigen lautsprachlichen Voraussetzungen für den Schriftspracherwerb entwickelt, mit dem für die mit dem BISC identifizierten Kinder das Risiko für Lese-/Rechtschreibschwierigkeiten minimiert werden kann. Dirk Hiby steht voll hinter BISC. „Die Erfolgsquote liegt bei 98 Prozent“, so der Erzieher.

EURE FAVORITEN IN DIESER STUNDE